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Foto: Privat / freepik / Collage: jetzt.de

Der Weg

Dass ich in die Modebranche will, wusste ich schon mit 15 oder 16, auch wenn da noch nicht ganz klar war, in welcher Form genau. Ich hätte dann gerne Modedesign in Paris studiert, aber das geht da alles nur auf privater Basis und ist, wie man sich denken kann, ziemlich teuer. Für mich war es da klüger, eine Ausbildung zu machen und erstmal Geld zu verdienen. Ich habe mich dann vom Geld locken lassen, und eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann gemacht. Verkaufen lag mir, und da habe ich dann mit Ausbildungsgehalt und Provisionen ganz gut verdient. Es war immer klar: Wenn ich damit fertig bin, will ich in die Modebranche.

Direkt nach der Ausbildung bin ich deshalb in den Textil-Vertrieb eingestiegen. Auch heute verdiene ich mir als Einkäufer für Herrenmode in einem Geschäft noch etwas dazu. Ich habe dann relativ schnell gemerkt: Mode machen - das geht auch ohne Ausbildung. Skizzieren und grundlegendes Nähen kann ich, und alles andere habe ich mir dann mit der Zeit angeeignet. Manches gebe ich trotzdem ab an Leute, die das Handwerk beherrschen: Bei vielen Näharbeiten hilft mir mein guter Freund David.

Im August 2017 habe ich mein eigenes Label gegründet, Maison Rose. Und vor kurzem kam meine erste eigene Kollektion raus, die es online und in einem Münchner Herrenmodegeschäft zu kaufen gibt. Das ist der selbe Laden, in dem ich auch nebenbei als Einkäufer arbeite, da war der Weg also kurz. Man sieht also, dass es auch ohne Studium geht.

Das Ziel

Ich möchte auf jeden Fall international was erreichen. Ich habe meine Traumstädte natürlich schon im Kopf: Irgendwann soll es meine Mode auch in Tokio, Mailand, Paris oder Stockholm geben. Darauf lege ich meinen Fokus, vielleicht auch ein bisschen im Gegensatz zu anderen Modelabels aus München, die sich eher auf das Lokale und die Heimat konzentrieren. Ich möchte meine Base in München auch auf jeden Fall halten, aber als Halbfranzose ist mir Frankreich ohnehin sehr nahe. Modehauptstadt ist Paris ja sowieso. In fünf oder zehn Jahren möchte ich also auf jeden Fall in Paris vertreten sein. 

Ich weiß natürlich, dass das viele wollen, aber ich glaube, wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Und weil ich aus dem Vertrieb komme, habe ich da natürlich auch schon die ein oder andere Erfahrung gesammelt: Wie man mit Modemanagern und Verkäufern reden muss, zum Beispiel. Außerdem habe ich mir als Einkäufer schon ein Netzwerk aufgebaut an Läden und Leuten, die auch in der Modebranche arbeiten. Es wird ein anstrengender und harter Weg, aber mit viel Mühe und Schweiß bin ich überzeugt, dass ich das schaffen kann.

Das Geld

Wie viel ich im Monat verdiene, ist als Selbstständiger etwas schwer zu sagen, weil die Summen natürlich variieren. Jetzt, wenn ich eine Kollektion auf dem Markt habe, habe ich so etwa 700 Euro Einkommen im Monat. Ich überlebe also, inzwischen sogar über dem Dispo. Weil man ja aber nicht nur leben, sondern auch manchmal gut leben will, stocke ich nebenbei noch auf. Zum Beispiel mit den Einnahmen aus dem Künstlerkollektiv  Coexist, das ich mitgegründet habe, und mit meinem Job als Einkäufer. In 20 Stunden im Monat kann ich mir da nochmal 400 bis 500 Euro dazuverdienen.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Die beiden Fragen auf jeder Party sind erst einmal, wo ich produziere, also wo ich meine Sachen nähen lasse und woher man als Designer seine Stoffe bezieht. Und dann werde ich immer gefragt, ob ich das studiert habe. Auf Partys in München dann oft noch genauer: “Warst du an der AMD (Akademie für Mode und Design)?” Die Frage verneine ich dann immer relativ schnell, weil ichs leider nicht studiert habe.

Auch die Frage nach meiner Sexualität kommt manchmal. Für viele steckt das Klischee vom schwulen Modedesigner noch tief drin. Aber ich weiß damit umzugehen. Gerade in der Modebranche ist dieses ganze Genderding auch ein bisschen lockerer als in anderen Branchen. Also was Sexualität oder das Ausleben irgendwelcher Fantasien angeht, ist man da offener. Insofern habe ich da dann auch kein Problem, das gefragt zu werden, auch wenn ich nicht schwul bin. Homosexualität ist nichts Ehrenrühriges.

Die Ideale

Bisher produziere ich alles in Handarbeit in München, und das wird auch erstmal so bleiben. Falls ich irgendwann größere Stückzahlen produzieren will, also mehr als die paar Dutzend Stücke in meiner ersten Kollektion, könnte ich mir vorstellen, vielleicht in Afrika ein paar faire Arbeitsplätze zu schaffen. Ich habe viele tongolesische Freunde und meine Partnerin ist aus Eritrea, da wären also Kontakte da. Billige Massenproduktion in China oder Bangladesch kommt für mich nicht in Frage.

Qualität und faire Produktionsbedingungen sind mir wichtig. Ich würde mir wünschen, dass auch die Konsumenten sich mehr Gedanken darüber machen würden. Zum einen darüber, wie wohl die Produktion eines Fünf-Euro-Shirts bei H&M aussieht. Zum anderen sollten sie aber auch wissen, dass auch viele große Labels Mäntel für 400 oder 500 Euro verkaufen, die genauso mies produziert werden. Es geht also nicht darum, immer das teuerste zu kaufen - sondern sich darüber Gedanken zu machen, was man kauft und welche Unternehmen man unterstützt. Ich will mit meiner Mode auf jeden Fall zu den Guten gehören.