Iris, 26, ist Filialleiterin einer Apotheke.

Iris, 26, ist Filialleiterin einer Apotheke.

Foto: Privat / Freepik / Collage: jetzt.de

Der Job

Ich bin Filialleiterin einer öffentlichen Apotheke. Der Beruf ist sehr vielseitig. Man hat viel Kontakt zu Patienten beziehungsweise Kunden, ist auch oft in Kontakt mit Ärzten, die sich über Medikamente informieren wollen. Die Dokumentation der ausgegebenen Medikamente ist auch wichtig, besonders bei Betäubungsmitteln. In Deutschland regelt die Bundesopiumstelle den Verkehr der Betäubungsmittel vom Arzt über die Apotheke bis zum Patienten. Dieser ganze Weg muss genau nachvollziehbar sein, damit kein Betäubungsmittel verloren geht und es nicht zu Missbrauch kommt. Auch die Rezeptkontrolle ist ein wesentlicher Teil des Jobs: Unser Gesundheitssystem in Deutschland sieht vor, dass die gesetzlich Krankenversicherten vom Arzt ein Rezept bekommen und der Apotheker dann auswählt, welches Präparat der Versicherte je nach Krankenkasse erhält. Da steckt sehr viel Bürokratie dahinter.

Die Ausbildung

Ähnlich wie beim Medizinstudium braucht man auch für Pharmazie einen bestimmten Notendurchschnitt beim Abitur. Der variiert von Jahr zu Jahr. Als ich Abitur gemacht habe, lag der Schnitt bei 2,0. Mit einer Eins vorm Komma hat man in der Regel einen sicheren Studienplatz. Wenn man es nicht auf Anhieb schafft, gibt es Wartesemester.

Das Studium ist sehr spannend, aber auch zeitaufwändig. Es besteht aus einem Grund- und einem Hauptstudium. Gerade im Grundstudium hat man ein breites Spektrum an Naturwissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Biologie und Chemie. Außerdem hat man Arzneiformenlehre, bei der man im Grundstudium hauptsächlich die Herstellung von Rezepturen lernt und selbst im Labor übt. Im Hauptstudium geht man in der Arzneiformenlehre noch tiefer, lernt zum Beispiel auch die Sterilherstellung, also die Produktion von bestimmten Medikamenten unter keimfreien Bedingungen oder die Herstellung von Lösungen, und hat auch Bio-Technologie. Relativ neu ist die klinische Pharmazie: Sie beschäftigt sich damit, was in der Arzneimitteltherapie bei bestimmten Patientengruppen zu beachten ist, zum Beispiel bei Älteren, bei denen die Nieren nicht mehr so gut arbeiten.

Nach vier Semestern hat man das erste, schriftliche Staatsexamen. Nach weiteren vier Semestern im Hauptstudium kommt das zweite Staatsexamen. Das ist mündlich. Man wird unter anderem in pharmazeutischer Biologie, pharmazeutischer Chemie, Technologie oder klinischer Pharmazie geprüft. Anschließend macht man ein Jahr lang ein Praktikum, das man in zwei halbe Jahre aufteilen kann, wobei man eine Hälfte in einer öffentlichen Apotheke absolvieren muss.

Während dieser Zeit hat man zweimal zwei Wochen lang begleitenden Unterricht. Man hat zum Beispiel BWL, weil man als potenzieller Apothekenbesitzer auch eine kaufmännische Ausbildung braucht. Außerdem lernt man wichtige rechtliche Grundlagen kennen, wie zum Beispiel das Betäubungsmittelgesetz. Ein Schwerpunkt ist auch die Patientenberatung. Man lernt, wie man den Patienten etwas am besten vermittelt, welche Eckdaten man auf jeden Fall abklären muss, bevor man ein Medikament ausgibt. Nach dem Praktikumsjahr folgt das dritte, ebenfalls mündliche Staatsexamen.

Es ist aber sehr wichtig, dass man als Apotheker immer up to date bleibt. Das Wissen von der Uni ist nach spätestens fünf Jahren nicht mehr aktuell. Es gibt Fortbildungsveranstaltungen, die man eventuell am Abend nach der Arbeit noch besucht. Außerdem halte ich mich mit Fachzeitschriften auf dem Laufenden.

Der typische Arbeitstag

Wir öffnen um 8:30 Uhr. Da stehen meistens schon die ersten Kunden vor der Tür. Der Hauptteil der Arbeit ist das Beraten und Informieren. Wenn jemand ein Rezept vorbeibringt, muss ich im Computersystem überprüfen, ob das Arzneimittel in unserem Lager ist oder ich es bestellen muss. Dann kläre ich mit dem Patienten, ob er noch andere Medikamente nimmt und ob er Bescheid weiß, wie er das Medikament einnehmen soll. Nebenbei prüfe ich auch, ob die Dosierung des Arztes plausibel ist. Gerade bei Kindern ist es wichtig, dass sie nicht zu hoch für das Alter oder Körpergewicht ist. Wenn ich das Gefühl habe, dass der Patient sich mit dem Medikament auskennt, überprüfe ich nochmals, ob ich das richtige Mittel ausgewählt habe, bevor ich es ihm gebe.

Vorrang hat also immer die Beratung. Den Rest versucht man unterzubringen, wenn weniger los ist. Ich muss zum Beispiel mit Ärzten telefonieren und Medikamente beim Großhandel nachbestellen. Jede Apotheke ist außerdem verpflichtet, Rezepturen anzunehmen und herzustellen. Wir haben einen Schwerpunkt auf Homöopathie gelegt. Nach Patientenwunsch füllen wir individuell Globuli ab, die wir bereits fertig zugeliefert bekommen. Rezepturen für Salben, Zäpfchen, Lösungen stellen wir – meist nach einer ärztlichen Verordnung – selbst her. Als Apothekerin bin ich zuständig für die Plausibilität einer Rezeptur. Das heißt, ich muss überprüfen, ob alle Inhaltsstoffe zusammenpassen, Unstimmigkeiten kläre ich mit dem Arzt. Wenn ich das Rezept freigebe, wird es von einer pharmazeutisch-technischen Assistenz hergestellt. Ich kontrolliere am Schluss noch mal, ob alles korrekt ist.

Die Patienten

Auch für uns gibt es eine Schweigepflicht. Normalerweise unterschreibt man die mit dem Arbeitsvertrag. Natürlich darf man sich innerhalb des Teams auch namentlich über Kunden oder Patienten unterhalten. Auch Apotheker und Arzt dürfen das. Aber die Informationen dürfen nicht nach außen dringen.  

Wenn man in der Apotheke arbeitet, muss man auf jeden Fall gerne mit Menschen umgehen. Man ist niederschwelliger Anlaufpunkt für Patienten und Kunden, die nicht gleich zum Arzt gehen wollen. Als Apothekerin darf ich aber keine Diagnose stellen und nichts verschreiben. Das darf nur der Arzt. Wenn zum Beispiel eine junge Frau in die Apotheke kommt und sagt, sie hat ein Brennen, wenn sie auf die Toilette geht, dann liegt der Verdacht nahe, dass sie eine Blasenentzündung hat. Zuerst muss ich abklären, ob sie das selbst behandeln kann, also ob sie kein Fieber und kein Blut im Urin hat. Dann kann ich ihr ein Präparat empfehlen, das apothekenpflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig ist. Wenn ich aber sehe, dass es ihr wirklich schlecht geht und sie Fieber hat, dann schicke ich sie zum Arzt.

Die Schicksalsschläge

Man bekommt auch viele Schicksalsschläge und schwere Krankheiten mit. Da kann es schon mal vorkommen, dass mich das nach Feierabend noch beschäftigt. Am meisten hilft mir, zu sehen, dass die Patienten optimal versorgt sind. Besonders schlimm ist es, wenn man merkt, dass jemand nach und nach dement wird. Ich versuche dann oft herauszufinden, ob es Angehörige gibt, die sich um diese Patienten kümmern. Da habe ich schon ein kleines Helfersyndrom. Zuerst versuche ich, die Patienten selbst anzusprechen und zu fragen, ob sie zum Beispiel am Wochenende Besuch bekommen. Außerdem gibt es auch Nachbarschaftshilfevereine, bei denen man sich erkundigen kann, ob die Patienten Angehörige haben. Allerdings muss man da aufpassen wegen der Schweigepflicht. Und mit dem behandelnden Arzt kann man auch sprechen. Ich kann mich natürlich nicht konkret einmischen, aber ich kann mich zumindest informieren und die betreffenden Patienten im Auge behalten.

Die Verantwortung

Man braucht ein hohes Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein für den Job. Gerade als Berufsanfängerin ist das manchmal schwer. Man geht nach Hause und denkt noch mal drüber nach, ob man auch alles richtig gemacht hat. Bisher gab's aber keinen Tag, an dem ich etwas Schlimmes falsch gemacht habe. Natürlich verlegt man mal was. Aber ich habe noch nie ein falsches Medikament ausgegeben. Man lernt zwar mit der Zeit, mit diesem Druck umzugehen. Aber man lernt auch, das alles nie auf die leichte Schulter zu nehmen.  

Ich habe nach dem Studium gleich als Filialleiterin begonnen. Da waren der Druck und die Verantwortung natürlich gleich noch höher. Immerhin kommt noch dazu, dass ich die Apotheke am Laufen halten muss. Davor hatte ich in der Hauptapotheke ein halbes Jahr mein Praktikum gemacht. Dann ist meine Chefin auf mich zugekommen und hat mir die Filialleitung angeboten. Ich habe lange überlegt, ob ich mir das zutraue. Aber letztendlich habe ich immer eine hohe Verantwortung, egal, ob ich als angestellte Apothekerin arbeite oder eine Filiale leite.

Das Privatleben

Momentan bin ich absolut glücklich mit meiner Work-Life-Balance. Denn im Studium hatte ich kaum ein freies Wochenende. Mal musste ich Vorlesungen nachbereiten, mal für Prüfungen lernen. Dass ich jetzt also oft am Wochenende frei habe, genieße ich sehr. Zwar arbeite ich jeden zweiten Samstag halbtags und es gibt auch die Notdienste, bei denen ich über Nacht, sonntags oder feiertags arbeiten muss. Aber für mich sind es sechs Notdienste im Jahr und ich kann mich immer mit meinen Kollegen absprechen. Urlaubstage habe ich außerdem auch ganz regulär. Also ist genug Zeit, um abzuschalten.

Das Geld

Pauschal lässt sich das Gehalt schwer festhalten. Der Tarifvertrag sieht im ersten bis zweiten Berufsjahr 3409 Euro brutto im Monat vor. Aber gerade in einer Großstadt wie München sind ja auch die Lebenskosten sehr hoch. Daher sind 20 Prozent über Tarif gängig. Auch ein 13. Gehalt ist im Tarifvertrag verankert. Als Filialleitung ist das noch mal etwas anderes, wenn man eine Gewinnbeteiligung raushandelt. Außerdem stellt sich immer die Frage, ob die Notdienste extra vergütet werden. Auch das ist Verhandlungssache. Da gerade ein starker Personalmangel an Apothekern herrscht, hat man ganz gute Chancen nach oben.  

Die Tarifverträge werden regelmäßig zwischen Apotheker-Gewerkschaft Adexa und dem Arbeitgeberverband der Apotheker (ADA) neu verhandelt. Erst letztes Jahr gab es eine Gehaltserhöhung.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Die meisten denken, man steht nur hinterm Tresen, guckt in den Computer und holt Medikamente. Die fragen mich dann: „Ist das auf Dauer nicht langweilig?“ Dann sage ich immer: „Wenn mein Job bei all dem, was ich machen muss, so einfach aussieht, dann mache ich ihn richtig.“

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