Die Jungsfrage

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Scarlett Johansson knutscht so heftig, dass es blutet. Scarlett Johansson ist kritisch mit ihrer Figur. Scarlett Johansson sagt, dass Woody Allen, nachdem er „cut“ gerufen hat, bei den Dreharbeiten zu „Match Point“ immer sofort gefragt habe, wie alt sie bei ihrer Entjungferung gewesen sei. Scarlett Johansson nennt ihre Brüste ihre Girls. Scarlett hier, Scarlett da, Scarletts Brüste überall. Bei den Golden Globes ging nun neulich der Reporter Isaac Mizrahi des Entertainment-Kanals E! so weit, sie, die Brüste, vor laufender Kamera anzufassen, ja sogar ein wenig daran herumzukneten. Das Interessante: Weder regte sich Scarlett darüber auf, noch Mizrahis Kollegen, noch andere Kommentatoren. Standard-Satz: „Ach, der darf das, der ist schwul“. Stimmt das? Ist es vollkommen okay, wenn ein fremder Typ ungefragt Eure Brüste anfasst - nur weil es ihm sexuell keine Freude macht? Oder muss es schon wie Mizrahi ein Fernsehreporter-slash-Modedesigner sein? art-bechstein Die Mädchenantwort

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Das würde Euch so passen. Kaum erzählt man uns an der Bar, man sei Tunte-slash-Modedesigner-slash-Fernsehreporter, schon hat man ein Anrecht auf den Knautschtest an unseren Brüsten. So einfach machen wir es euch leider nicht. Mit unseren Brüsten sind wir heikel und was Scarlett Johansson mit ihren machen lässt, ist uns ziemlich egal. Scarlett Johansson ist ein Filmstar, die muss noch ganz andere Sachen mit sich machen lassen und trotzdem weiterlächeln. Wir sind aber maximal die Stars in Eurem Leben und deswegen gibt es bei uns eine unumstößliche Regel: Anfassen verboten! Wenn sich Scarlett an den Busen fassen lässt, schafft das vielleicht unheimlich viel PR und steigert damit vielleicht ihre Gagen. Wenn wir uns an die Brust fassen lassen, gelten wir als leicht zu haben und steigern damit nur unseren schlechten Ruf. Und warum ist das so? Ganz einfach: Brüste spielen in einer anderen Liga als zum Beispiel Arme. Brüste sind ein besonderes Körperteil, das wisst Ihr selbst, sonst wärt Ihr ja nicht so scharf drauf, mal hinzufassen. So, und besondere Sachen sind einem besonderen Publikum vorbehalten. Wenn da also jetzt einer kommt und uns erklärt, er sei schwul-slash-berühmt, interessiert uns das sowieso herzlich wenig. Wenn er uns dann einfach an den Busen fasst, bekommt er eine geschallert. Dabei fragen wir vorher bestimmt nicht nach, ob er nun Freude am Anfassen unserer Brüste haben wird oder nicht. Mit dieser Tat ist er in unseren Tanzabstand eingedrungen und hat unsere Mädchenrechte zutiefst verletzt. Wir machen keinen Unterschied zwischen Fernsehreporter-Angrapscher oder Hans-Jürgen-Sowieso-Angrapscher. Auch nicht zwischen homo- oder heterosexuell. Fremd bleibt fremd und unverschämt bleibt unverschämt. Unseren Busen darf nur einer anfassen, nämlich der Junge unseres Herzens. Und der muss nicht berühmt, sollte aber heterosexuell sein. Illustrationen: dirk-schmidt