Frauen, warum lest ihr Frauenzeitschriften?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs, weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
max-scharnigg

Die Jungsfrage

Sagt mal, ihr Mädchen und Frauen, jedes mal wieder weht mich im Zeitschriftenladen so ein Minderheiten-Gefühl an. Und zwar immer dann, wenn ich zehn Minuten lang an einem Regal vorbeigehe, für das ich nicht Zielgruppe bin, sondern in dem die geschätzten 2400 verschiedenen Titel nur um eure Gunst werben. Frauenzeitschriften! Obwohl ich ja sogar irgendwie in der Branche bin, habe ich jede Übersicht verloren, hatte sie noch nie, über all die Hochglanz-, Halbglanz- und Niederglanzmagazine, über die Brigitte-Klone und YoungMiss-Variationen, über schlichte Klatschblätter und richtig üble Geriatrie-Lektüre, über Mode & Migräne-Specials und die Namen, immer irgendwie zwischen „Ellen“ und „for You“. Wer kauft das denn alles? Ihr? Warum denn bloß, wir Männer kommen schließlich auch fast ganz ohne irgendwelche Pendants aus. Und war es nicht euer Geschlecht, das sich immer wieder vom Frauenbild in den Medien eingeschüchtert sieht? Trotzdem kauft ihr 2400 Hefte mit Magermodels auf dem Titel? Erklären! Die Mädchenantwort steht auf der nächsten Seite.


Die Mädchenantwort

Ich würde gern antworten, dass ich niemals Frauenmagazine lese. Weil es flüchtige Schundblättchen sind, die meiner geistigen Entwicklung nicht zuträglich sind. Gern würde ich behaupten: Ich lese nur Literatur von gesellschaftlicher Relevanz. Schöngeistige, Fachliche und Tagesgeschehenbezogene. Das wäre gelogen. Fakt ist, hin und wieder lese ich sehr gern Frauenmagazine. Wisst ihr, Frauenzeitschriften lesen ist Urlaub für unser Hirn. Wir legen uns dabei in eine Hängematte der Belanglosigkeit und schaukeln, interessiert das emsige Treiben am Strand der Mode, der Prominenten und der Liebe beobachtend. Wie schön bunt das ist. Für ein paar Stunden nur beschäftigen wir uns da mal ausschließlich mit Mädchenkram und pflegen unsere Weiblichkeit. Das klingt dann ungefähr so: „Ach, guck, die auch mit Röhrenjeans. Tragen inzwischen ja sogar Männer. Ist die nicht lang wieder out? Und mit diesen bulligen Winterparkas mit Fellrampe oben dran kann ich irgendwie auch nichts anfangen. Oh, Angelina schon wieder schwanger? Die hat doch einen Geltungskomplex. Kein Mensch braucht so viele Kinder. Oh super, im Beautyteil ein Special über neue Haarschnitte. Wollt schon lang mal was Neues machen. Aber auch nicht zu neu. Ah, die zehn heißesten Boys des Jahres mit nacktem Oberkörper, eingeölt an der Felsenklippe. Nett. (…)“ Falls ihr also einen emanzipatorischen Aufschrei gegen das in diesen Magazinen eingebettete Frauenbild erwartet oder ein kniffliges psychologisches Motiv hinter der Lektüre vermutet hattet: Sorry. Tiefschürfender wird’s nicht. Auch nicht bei der zwischen „100 Tipps für die Silvesterparty ohne Pannen“ und Psychotest „Welcher Sextyp bist du?“ eingebetteten Schicksalsreportage über die einst übergewichtige Petra. Die total leiden musste und nun dank Algendiät und Floatingtherapie 70 Pfund abgenommen hat, womit sie nun echt superglücklich ist. Krass, dass die soviel abgenommen hat. Aber naja, diese üblen Hautfalten gehen wohl auch nie mehr ganz weg… Richtig ernst nehmen wir das Alles nicht. Aber das ist ja auch nicht der Sinn von Hirnurlaub. Im Vordergrund steht die kurzweilige Entspannung, das gemütliche Schaukeln in glamourösen Oberflächlichkeiten, jenseits von gehaltvollen Büchern. Gut, der ein oder andere Vorschlag zum Sommerabendoutfit wurde schon mal als Inspiration mit zum nächsten Einkauf und ein paar der eigentlich unsäglichen Sextipps mit ins Bett genommen. Zugegeben. Außerdem befriedigen wir beim Lesen heimlich unseren Voyeurismus. Und zwar mit Bildern von ungeschminkten Hollywood Sternchen, misslungenen Botox Behandlungen und bedüdelten it-Girls. Das ist aber auch wirklich sehenswert! Da merkt man nämlich, dass die da auch alle ganz normal sind. Ein Frauenmagazin ist jederzeit für ein paar Minütchen Hängematte gut. Denn wie ihr vielleicht mitbekommen habt, passen die Dinger in die Handtasche. Und das Praktische: Man kann es da, wenn nötig, auch ganz schnell wieder verschwinden lassen. christiane-lutz