Mädchen, warum grillt ihr nicht?

Wieso überlasst ihr stets uns die Zange?
Von Jan Stremmel und Eva Hoffmann
Illustration: Katharina Bitzl

Die Jungsfrage:

Ich habe eine Frage, die man mir heute in der Themenkonferenz als schwachsinnig um die Ohren schlug. Deshalb habe ich auch eine Zahl. Sieben Prozent. Die Zahl habe ich von der Website einer Online-Partnervermittlung, sie stammt von einer Diplom-Psychologin und Paarberaterin – also jedenfalls: Sieben Prozent der Frauen nehmen gerne "selbst die Grillzange in die Hand". Anders gesagt: 93 Prozent der Frauen nehmen nicht gerne selbst die Grillzange in die Hand.

Die Zahl legt nahe: Praktisch keine von euch grillt gerne. Und, um diese kalte Zahl jetzt noch durch eigene Anschauung etwas anzuwärmen: Es kommt ja noch dicker! Ich kenne nicht nur kein einziges Mädchen, das je die Grillmeisterparole "Würschtel wären dann soweit!" gerufen hätte. Nein, ich kenne auch keins, das sich je mit anderen Mädchen zwanglos zum Grillen verabredet hätte. Keins!

Das ganze Ritual vom Befreien des Rosts von den Wursthautresten des Vorjahres und dem mühsamen Anzündeln und Heißpusten der Briketts – immer sind wir Jungs die ausführende Kraft, ihr Mädchen geht halt mit. Frage: Warum?  

Drei Theorien.

 

Nummer eins: Ihr mögt Grillen gar nicht so. Also, ästhetisch-olfaktorisch findet ihr es nur so mittel. Im Zweifel bevorzugt ihr ein Essen, das nicht nach Ruß schmeckt, weniger Nitritpökelsalz und Benzopyren enthält und keine umgehende Haarwäsche erfordert. Ihr macht das also, wenn ihr es macht, nur unseretwegen.

 

Theorie Nummer zwei: Ihr würdet gerne, traut euch aber nicht. Weil wir, in der Sprache der Online-Partnervermittlung, die Grillzange so fest umklammert halten, dass ihr gar nicht drankommt!

 

Dritte Theorie: Das Marketing ist schuld. Ich komme darauf, weil ich kürzlich in einem Kaufhaus die Barbecue-Etage besichtigte und kurz glaubte, ich sei bei der Stihl-Timbersports-WM gelandet. Überall Grills aus Panzerstahl, armlange Greifzangen, Holzkohle aus Whiskyfässern und Werbesprüche auf dem Niveau von Fernfahrerwitzen.

Wenn ihr darauf verdammt nochmal keinen Bock hättet – würden wir auch verstehen.

 

Aber schade fänden wir's! Deshalb sagt doch mal schnell: Was ist mit eurem Willen zum Grillen?

 

Die Mädchenantwort von Eva Hoffmann:

Also erst mal vorne weg: Ich steh auf Steaks, gerne auch ein bisschen angekokelt. Letztes Jahr habe ich mir sogar einen eigenen Grill angeschafft. Und seit ich dieses machtvolle Gefühl der völligen Kontrolle über Feuer und Fleisch zum ersten Mal erlebt habe, grille ich leidenschaftlich gern. Offenbar gehöre ich damit aber zu den klischeefreien sieben Prozent, denn meine Brutzel-Performance wurde bislang jedes Mal lautstark als ungewöhnlich kommentiert und von den umstehenden Männern argwöhnisch beobachtet. Irgendwas ist also dran an deiner Grill-Phobie-Theorie.

 

Es wäre aber verkürzt (und halb falsch), mit einem „ihr lasst uns ja nicht!“ zu antworten. Denn wer von euch würde seine Freundin mit einem „nein, du kannst das nicht“ abweisen, wenn sie wirklich mal an den Rost will? Und trotzdem haben viele Frauen wirklich noch NIE gegrillt. Die Begründung „macht uns keinen Spaß“ stimmt aber auch nicht. Wie soll man wissen, ob etwas Spaß macht, wenn man es noch nie gemacht hat? Früher haben immer Opa oder Papa gegrillt, den Mädels wurde einfach nie die Zange in die Hand gedrückt.

 

Diese eingefleischte Rollenverteilung hat also nichts mit ästhetisierenden Gründen à la „wir riechen nicht gern nach Wurst“ zu tun. Sie ist sozial gewachsen. Und hinzu kommt, dass nach dem Feuer nur eine Sache mit noch mehr klischeehafter Männlichkeit aufgeladen ist: das Fleisch. Da übertrefft ihr euch plötzlich mit Pseudo-Expertenwissen. Leidenschaftlich philosophiert ihr über raw, rare und medium. Und wie man da hinkommt.

 

In Gruppenkonstellationen gleicht der Grill dann einer Gladiatorenarena. Sobald eine ordentliche Glut gesichert ist, stürzen sich gleich mehrere Männer auf die Geräte und überbieten sich mit schlauen Tipps. Der Gruppenzwang ist groß, der öffentliche Druck noch größer. Wehe, wenn die Wurst verkokelt oder das Fleisch schon ganz durch ist! Grillen erfordert Perfektion. Jeder halbwegs einsichtige Mensch vermeidet diese Konflikte von vornherein. Und entscheidet sich für die stressfreie Variante: einfach nur essen und sich nett mit Freunden unterhalten. Darum soll’s doch beim Grillen eigentlich gehen, oder?

 

Wir vermeiden das Grillen aber auch aus strategischen Gründen. Denn egal ob Mann oder Frau, die Nachteile für den Grillmeister sind immer die Gleichen: Man grillt lauter leckere Sachen und kann diese erst im kalten Zustand verspeisen. Von den mitgebrachten Salaten bekommt man sowieso nichts mehr ab. Man verpasst den Gossip, weil der Grill außerhalb des Esstischs stehen muss. Und wenn am Ende dann noch ein Nachtisch serviert wird, hat der Grillmeister noch nicht mal die erste Wurst intus und muss sich schon um das gemütliche Feuer für danach kümmern. Nass geschwitzt, eingeräuchert und ohne Essen im Bauch kann man es sich dann noch am Lagerfeuer bequem machen. Wer sagt, dass das Spaß macht, lügt.

 

Also Vorschlag zur Güte: Wie wäre es mit Rost-Rotation? Dann riechen am Ende immerhin alle gleich.

 

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