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Die Jungsfrage zum Anhören wird präsentiert von Süddeutsche Zeitung Audio - dort gibt es auch weitere Fragen zum Anhören! Keine zwanzig Zentimeter lehne ich mich aus dem Fenster wenn ich sage: Mädchen und Jungs masturbieren, ausnahmslos. Ja, auch die von Vollmilch, Obst und Anstand getriebene Klassensprecherin, die uns in der Schule ein blütenweißes Blatt für den Ordner leiht, masturbiert, als gäbe es kein Morgen. Es ist Zeit, mal offen darüber zu reden, was Ihr eigentlich denkt, wenn Ihr's macht. Denn wie Ihr ausseht, wenn Ihr es macht, wissen wir aus Videos, die wir uns ansehen, wenn wir es machen. Unsere Gedanken beim Masturbieren sind oft nur die Fortsetzung einer Vorlage. Wir spielen vorhandene Filme einfach weiter, eben im Kopf und manchmal mit uns als Darsteller. An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass der letzte Junge, der zu Kioskheften masturbiert hat, seine Tätigkeit Ende der 90er-Jahre eingestellt hat. Kein Mensch kauft Praline, Blitz Illu und die St. Pauli Nachrichten. Dass es sie noch gibt, ist so mysteriös wie die Regierung, Finanzlöcher und der Mars. Stellt Euch nun vor, Ihr müsstet die Filme, die bei Euch im Kopf ablaufen, wie eine Kritikerin analysieren. Was ist das für eine Inszenierung? Verwendet der „Regisseur“ Nahaufnahmen, hat der Film Ton, sind das Bilder mit Weichzeichner? Seid Ihr als Darsteller in Eurem Film eher aktiv oder passiv, Geber oder Nehmer? Und wer sind eigentlich die Protagonisten? Ich weiß - sie haben riesige Penisse und sind fremde Männer in Taxis, das habe ich jedenfalls kürzlich in einer Studie über weibliche Sexträume gelesen. Oder denkt Ihr manchmal auch einfach an uns? Und wenn ja, was machen wir da in Euren Phantasien? sascha-chaimowicz Auf der nächsten Seite die Antwort der Mädchen.

Die Jungsfrage zum Anhören wird präsentiert von Süddeutsche Zeitung Audio - dort gibt es auch weitere Fragen zum Anhören! Die Mädchenantwort Schön, dass wir das ‚Ob’ und das ‚Ob-Nicht’ gleich überspringen können, weil: Klar, masturbieren wir. Laut einer Durex-Umfrage sind es bei Frauen 74 Prozent, bei Männern sogar 90 Prozent. Was der langweilige Rest macht, kann keiner nachvollziehen. Vielleicht Batiken oder Ü-Eier-Figuren sammeln? Egal, kommen wir zum ‚Wie’. Die Tatsache, dass ihr keine Pornoheftchen kauft, verstehen wir. Das Internet ist viel billiger und hinterlässt keine Spuren. Deshalb klicken wir uns da ja manchmal auch durch. Allerdings ist unser Kopfkino schon von Natur aus hervorragend mit dem neusten High-Tech-Equipment bestückt und verfügt ausnahmslos über die Crème de la Crème in Sachen Darsteller. Wenn wir selbst Hand anlegen, ist das optisch genauso technisch, wie es der Begriff vermuten lässt. Wir sind da weder romantisch, noch fassen wir uns ständig an die Brüste. Das tun nur die Damen in den Filmen, die für euch gemacht werden. Zwei Finger, manchmal auch nur einer, Spucke, gut. Die Nummer mit ‚Zeit nehmen’, in die Badewanne gehen, Kerzen anzünden und sich sanft streicheln ist pure Frauen-Magazin-Propaganda. Das klingt alles nach wattebauschiger Selbstverwirklichung und passt gut zwischen Lippenstiftanzeigen und Sommertrends, ist aber genauso unrealistisch wie das Wunschgewicht vor der Bikini-Saison. Wenn wir’s uns selber machen, bestehen unsere Gehirn-Filme aus redundanten Schleifen. Ähnlich wie Trailer für Blockbuster: nur die wirklich guten Szenen werden aneinander gereiht. In Endlosschleife. Mal ist der Trailer thematisch nach Örtlichkeiten zusammengestellt. Dann stellen wir uns vor, wie ihr oder jemand anderes uns von hinten auf der Clubtoilette vögelt, während vor der Kabinentür erboste Blasenschwächlinge gegen die mit Edding verschmierte Wand hämmern. Perspektivisch können wir da nach Lust und Laune zwischen allwissendem Erzähler und Personal-Eye-Zoom hin und her switchen. Eben genau wie ihr. Ganz oft ist das Visuelle auch nebensächlich und der Tastsinn spielt die Hauptrolle. Das Gefühl, einen Penis zu spüren, ist wesentlich prominenter als sich das Körperteil in allen Einzelheiten vorzustellen. Natürlich seid ihr als aktueller Partner auf unserer Darsteller-Wunschliste ganz oben, aber wir haben auch nichts dagegen, es mit einem Sexobjekt unserer Wahl zu treiben. Dreckig, versaut, miststückhaft, oben, unten, links, rechts – der gesamte Sexualkompass wird durchdekliniert. Bei einer ist das vielleicht konkret Jude Law, bei einer anderen der Barmann aus dem Lieblingsclub. Ansprechen würden wir in Wirklichkeit beide nicht. Wissenschaftlich ist es nachgewiesen, dass Frauen in ihren Masturbationsfantasien Dinge tun, die sie in echt niemals tun würden oder wollen. Von Vergewaltigungsfantasien ist da die Rede, Prügelszenen und Menage à Trois. Und genau da sitzt der springende Punkt. Onanie-Filme sind grundsätzlich subjektiv und nicht pauschal auf das Geschlecht Frau oder Mann anwendbar. Wo eine Michel Gondry als Regisseur engagiert, schickt die andere lieber eine Rosamunde-Pilcher-Produktion auf die Leinwand. Der einzige Unterschied von euch zu uns ist die Tatsache, dass ihr nach ein- oder zweimal befriedigt das Kleenex aus der Schreibtischschublade kramt und wir noch drei bis 16 Orgasmen hinten dranhängen können. In kurzer Zeit, versteht sich. yvonne-gamringer