Jungsfrage: Mädchen, findet ihr Julian Assange attraktiv?

Eine Jungsfrage zum Thema Julian Assange
fabian-fuchs

Die Jungsfrage:


Das Männergesicht das die letzten Monate prägte, gehört eindeutig zu Julian Assange. Mal ganz abgesehen von den Wikileaks-Diskussionen, allen Verschwörungstheorien und Anschuldigungen rund um seine Person, fragen wir uns: Ist der geheimnisvolle Typ wirklich so unwiderstehlich, dass er in zwei Tagen in Schweden zwei bis drei Frauen aus dem Stegreif ins Bett bringt? Könnt ihr das nachvollziehen? Geht von seinem seltsam androgynen und blutarmen Aussehen eine erotische Faszination aus? Sind es die alterslos weißen Haare, die wirken, als wären sie von einem skandinavischen Designer passend zur Inneneinrichtung gefärbt worden? Oder ist es die Aura eines genialen Workaholics, der von Geheimdiensten verfolgt wird und die ganze Welt mit seinen Ideen in Aufregung versetzt? Sind Nerds also doch sexy, wenn sie sich nur richtig positionieren? Beginnt das neue Jahrzehnt für uns mit einem ziemlich unmännlichen Rolemodel?



Auf der nächsten Seite kannst du die Mädchenantwort lesen.


Die Mädchenantwort:

Man könnte es sich bei dieser Frage sehr einfach machen und antworten: Weil jeder halbwegs gutaussehende Promi-Mann Groupies hat, dürfte es einem Coverboy wie Julian Assange derzeit relativ leicht fallen, Frauen rumzukriegen. Er ist jetzt berühmt.  Und berühmte Männer finden immer Frauen – möglicherweise sogar drei auf einen Streich. Das Blöde ist nur: Als Julian Assange an nur einem Tag gleich mehrmals die silbernen Häckhen an den BHs ihm flüchtig bekannter Damen aufklicken durfte, war er noch gar nicht so richtig berühmt. Wenn diese Frauen nicht alle vom amerikanischen Geheimdienst bezahlt wurden, muss es andere Gründe für die offensichtliche Anziehungskraft Julian Assanges geben.

Grundsätzlich kann man, glaube ich, Folgendes einfach mal behaupten: Wenn Männer Frauen ins Bett kriegen wollen, dann hilft Protzen mit ausgebeulter Hose relativ wenig. Ich kenne auch keine Frau, der nach der Aufforderung „Fühl mal wie arg ich meinen Oberarmmuskel anspannen kann“ ein wohlig erregter Schauer über den Rücken gelaufen wäre. Achtung, ich will nicht sagen, dass uns das Aussehen eines Kerls egal ist, wenn es um die Entscheidung geht, ihn am Ende des Tages mit ins Bett zu nehmen. Es ist nur so, dass gutes Aussehen alleine nichts bringt. Und schlechtes Aussehen noch lange kein Ausschluss-Kriterium ist. Es ist jedenfalls völlig egal, ob die einen nun finden, Julian Assange sehe aus wie ein käsiger Sondermann, der in der Schule immer als letzter in die Fussball-Mannschaft gewählt wurde. Und die anderen sagen, er können mit den weißen Haaren, den eleganten Beinen und dem harten Blick problemlos üben den Laufsteg einer Männer-Modenschau stolzieren 

Was Julian Assange für Mädchen attraktiv macht, ist tatsächlich seine Aura. Er hat etwas Besonderes an sich, etwas Unwirkliches. Die italienisches Ausgabe des «Rolling Stone» beschreibt ihn als «den Mann, der aus dem Netz auf die Erde fiel» und trifft es damit ganz gut. Hielte man uns ein Bild vom nackten Assange vor die Augen würde sicherlich keine von uns ohnmächtig werden vor Erregung. Wer sich jedoch in einem Raum mit ihm befindet und von dem seltsamen Herr mit der leisen Stimme und dem entrückten Blick in ein Gespräch verwickelt wird, der könnte sich möglicherweise schnell für etwas Besonderes, etwas irgendwie Auserwähltes halten. Und schwach werden.

Julian Assange ist deshalb attraktiv, weil er interessant ist. Ein Mann, von dem man noch nicht einmal weiß, ob sein Name nun Englisch oder Französisch ausgesprochen wird, muss auch sonst irgendwie spannend sein. Er hat kein Geld, dafür aber das Wissen der Welt auf seiner Seite. Das sorgt für eine eher positive Ausstrahlung von Macht. Irgendwie wäre es schon reizvoll zu wissen, wie der Typ wirklich tickt. Kein Wunder, dass sich die Reporter aller Herren Länder um ein Interview mit ihm reißen. Eine Frau mit Möglichkeit und dem entsprechenden Willen könnte es auf andere Art und Weise herausfinden. Sie könnte ihn – so sie die Gelegenheit und das Aussehen dazu hat – einfach abschleppen. Die Möglichkeit, auf diese Art und Weise an unentdecktes Wissen zu gelangen, ist schon irgendwie reizvoll. Und könnte vielleicht eine Erklärung dafür sein, warum Assange in Schweden an einem Tag gleich mehrfach abgeschleppt wurde.

Aber das heißt noch lange nicht, dass sich die Attraktivitäts-Skala für euch Nerd-Jungs ins Positive verschoben hätte. Nerds sind nicht plötzlich sexy geworden. Es ist nur zufällig ein nicht unattraktiver Nerd in diesem Jahr zu einer ziemlich interessanten Person geworden.

 anna-kistner