Jungsfrage: Mädchen, werdet ihr wie eure Mutter?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen
fabian-fuchs

Die Jungsfrage:

Wenn uns Jungs, was gelegentlich vorkommt, mal wieder gar nix einfällt, reden wir mit unseren Freunde etwa so: „Hey, neulich hab ich mal die Mutter von der Franzi gesehn, Alter, ich sag’ dir!“ Und dazu machen wir so vieldeutige Gesten und Geräusche. Wir wissen genau, was unsere Freunde dann sagen: „Musste fei aufpassen, alle Frauen sehen irgendwann aus wie ihre Mutter!“ Und dann nicken wir beide in allerbestem Oliver-Koritkke-Jungs-Stumpfsinn und bölken noch dreizehn Bier weg. So ist das. Natürlich kenne ich keinen einzigen Jungen, der mit diesem Stammtisch-Argument wirklich seine Beziehungen analysiert oder sogar die Notbremse zieht, weil er Angst hat, dass seine schlanke Birke irgendwann mal ein fetter Gummibaum wird. Nein, aber diese Story ist halt da und natürlich denken wir dran, wenn wir eure Mütter zum ersten Mal sehen. Wenn die dann recht ahnsehnlich sind, ist das quasi wie eine grüne Welle auf Lebenszeit und wir freuen uns wie die Eichhörnchen. Wenn die Mutter aber eher das Kaliber sprechender Öltank hat, dann kreuzen wir insgeheim die Finger und sind uns sicher: Ihr habt eh ganz andere Gene, ihr kommt da drumherum. Jetzt aber: Wie seht ihr das, ihr kennt diesen blöden Spruch doch sicher. Gleicht ihr euch wirklich mit eurer Erzeugerin ab? Erkennt ihr euren Busen, eure Hüften etc bei ihr wieder? Falls ja – macht das irgendwas mit euch? Auf der nächsten Seite kannst du die Mädchenantwort lesen.


O ja, ich kenne diesen Spruch und wann immer ich ihn höre, kriege ich solche Aggressionen, dass ich schon ein bisschen Angst um mein geistiges, wie körperliches Wohlbefinden bekomme. Und ich weiß nicht einmal, woher dieser blöde Spruch kommt, ob er wirklich stimmt und warum er mich so zur Weißglut bringt! Obwohl, eigentlich weiß ich dann doch, warum ich immer so wütend werde. Nehmen wir mal mich zum Beispiel: Ich mag meine Mutter und habe ein wohltuend unkompliziertes Verhältnis zu ihr. An einem komplizierten Mutter-Tochter-Verhältnis kann die miese Laune also nicht liegen. Ich finde im Übrigen auch, dass sie wirklich gut aussieht – für ihr Alter. Und in diesem Nachsatz ist vermutlich auch der Hund begraben, beziehungsweise der Grund, der diesen Jungs-Satz so verletzend macht. Er macht uns auf eine ausgesprochen unfeine Art und Weise mal wieder bewusst, dass wir nicht auf immer und ewig so aussehen werden, wie gerade jetzt. Wir werden älter werden und das wird sich in unserem Gesicht, Körper und Gewicht niederschlagen. Und wir können nichts dagegen machen. Gar nichts. Jetzt ist diese Tatsache für sich genommen schon blöde genug, weil (wenn wir mal ehrlich sind) wir es doch toller fänden, wenn wir bis zu unserem Lebensende so aussehen könnten wie jetzt. Noch viel blöder ist aber die allgemein bekannte Tatsache, dass alternde oder gar alte Frauen in unserer Gesellschaft nicht besonders gut gelitten sind. Siehe: kilometerlange Regale voller Anti-Falten-Cremes, Schönheitsoperationen und bekloppte Frauenzeitschriften mit wohlfeilen Tipps, die angeblich das Altern aufhalten können. Und wenn wir uns mal erlauben, über all diese Oberflächlichkeiten nachzudenken, wie die Tatsache, dass wir uns irgendwann damit abfinden werden müssen, dass selbst unsere Ohrläppchen auf einmal in Falten liegen, dann macht uns das sehr, sehr schlechte Laune. Aber so richtig schlecht wird unsere Laune vor allem dann, wenn ihr es wagt, so einen Mist über uns zu sagen. Und uns damit bestätigt, dass also neben unserer Angst vor der bevorstehenden körperlichen Veränderung auch eure Oberflächlichkeit Anlass zur Furcht bereitet. Ihr schaut also wirklich unsere Mütter an und überlegt zumindest im Hinterstübchen, ob euch diese Version von uns in Zukunft zuzumuten ist. Kein Wunder, wenn dieser Gedanke meinen Blutdruck in schwindelnde Höhen treibt. Und jetzt mischen wir noch die schrecklich ungerechte Tatsache hinein, dass euch das Altern scheinbar nichts anhaben kann und die Krise ist perfekt. Es sei denn, wir erinnern uns daran, dass ihr vielleicht dereinst mit Halbglatze endet und damit in der Öffentlichkeit herumlaufen müsst, dann macht uns das am Ende noch ein klitzekleines bisschen gute Laune. penni-dreyer