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Der Boulevard war begeistert, holte Formulierungen wie "Hotel Mama" und "Muttersöhnchen" aus dem Floskelschrank und befragte einen Psychologen, der Eltern erklärte, wie sie ihre erwachsenen Söhne loswerden. Denn 46 Prozent der 24-jährigen Jungs wohnten im Jahr 2007 noch bei ihren Eltern - das hat das Statistische Bundesamt ermittelt, diese Woche vermeldet und damit nicht nur die Bild-Zeitung erfreut. Auch wir mussten länger über diese Meldung nachdenken, denn bei den gleichaltrigen Damen teilen nur 27 Prozent das Zuhause mit Mama und Papa. Warum das so ist, ist ganz einfach erklärt und gleichzeitig nicht zu verstehen: Ganz einfach erklärt ist es in den Fällen der Jungs, die sich aus finanziellen Gründen, keine eigene Wohnung leisten können, im Dachgeschoss der Eltern ein eigenes Zuhause (aber eine gemeinsame Adresse) haben oder einfach nur faul sind. Bei all den anderen ist es uns auch unerklärlich. Wir kennen sie nämlich nicht. Das führt uns aber zur Frage für diese Woche: Was passiert, wenn Ihr einen solchen Jungen kennenlernt? Wir stellen uns das durchaus problematisch vor, wenn man nach einem gemeinsamen Clubbesuch nachts am Schlafzimmer der fremden Eltern vorbeischleichen oder am nächsten Morgen mit der fremden Mutter frühstücken muss. Ist euch das schon mal passiert? Ist das ein Problem für euch? Haben es Jungs, die noch bei den Eltern wohnen, schwerer bei euch oder kriegen sie im Gegenteil einen Mutti-Bonus? Auf der nächsten Seite kannst du die Mädchenantwort lesen


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Liebe Hotel-Mama-Bewohner, um mal ganz knapp die Frage zu beantworten: ja, das ist ein Problem. Wir lernen einen netten Jungen kennen, stolpern beschwingt mit ihm ins Taxi vor dem Club, fahren dann eine erstaunlich lange Strecke bis in den Vorort. Dort angekommen, sperrt er die Tür zu einem Reiheneckhaus auf, wir schleichen ganz leise am Elternschlafzimmer vorbei, bis wir endlich im Zehn-Quadratmeter-Kinderzimmer angekommen sind. Und dort dann – wenn uns bis dahin nicht eh die Lust verlassen hat – reicht uns der Junge beim Beischlaf ein Kissen, in das wir doch bitte reinbeißen sollen, um den leichten Mutterschlaf nicht zu stören. Und am nächsten Tag so gegen Mittag müssen wir uns an rücksichtsvoll-neugierigen Eltern vorbeiquetschen, die uns ein nahrhaftes Frühstück mit auf den Weg geben wollen. Diese Vorstellung ist sehr, sehr unangenehm für uns. Denn wie es schon die Statistik so schön sagt: wir sind aus dem Alter raus. Die meisten von uns ziehen zum Studium von Zuhause aus und wir glauben, damit auch diese leicht unangenehmen Begleiterscheinungen hinter uns zu haben. Wir sind stolz auf unsere eigene Wohnung, auch wenn sie 20 Quadratmeter und kaum Tageslicht hat. Auch wenn sie eigenartig riecht und die Wollmäuse unterm Bett fröhliche Urstände feiern. Und wenn wir mit euch nach Hause gehen, dann unter anderem auch deshalb, weil wir neugierig sind darauf, wie ihr lebt, wie ihr eure Wohnung einrichtet, worauf ihr Wert legt und was euch ganz egal ist. Das finden wir interessant. Eure Kinderzimmereinrichtung dagegen: nicht so sehr. Wenn ihr also mit 24 immer noch Zuhause lebt, dann klingeln einige Alarmglöckchen in unsrem Hirn. Wir unterstellen euch dann, dass ihr möglicherweise alleine in der Welt von Waschmaschinen und selbständigem Weckerstellen nicht klar kommt. Oder euch am heimischen Rechner mal eine dieser unangenehmen Listen mit Vor- und Nachteilen gemacht habt und zum Ergebnis gekommen seid, dass ihr mit dem gesparten Geld in Ostasien locker ein Jahr gut leben könntet. Und diese Einstellung ist vielleicht noch schlimmer, als die Lebensuntüchtigkeit. Denn wer so ans Leben rangeht, der nützt nicht nur seine Eltern schamlos aus, sondern vermutlich auch alle anderen, denen er im Leben begegnet, inklusive uns. Wir bevorzugen wirklich und ehrlich Jungs, die alleine klarkommen, die ihre Eltern nicht über Gebühr ausnützen und zeitgemäß versuchen, erwachsen zu werden. Heißt: wir bevorzugen Jungs, die vor einiger Zeit von Zuhause ausgezogen sind. Und da können eure Eltern noch so cool und verständnisvoll mit den Augen zwinkern. Es gibt übrigens eine Ausnahme und die heißt Pech, sei es finanzieller oder emotionaler Natur. Vielleicht habt ihr euren Job verloren und könnt euch eine Wohnung gerade nicht leisten. Vielleicht habt ihr eine üble Trennung hinter euch, die euch den Boden unter den Füßen weggezogen hat. In dem Fall würden wir vermutlich auch an Mamas Tür klopfen. Und das wollen wir euch natürlich auch zugestehen. penni-dreyer