Jungsfrage: Warum tauscht ihr eure Kleidung, Mädchen?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs, weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
dirk-vongehlen

Die Jungsfrage Ich weiß, dass ihr es eigentlich auch nicht mögt. Ihr habt es mir gesagt. Mehr als einmal. Als beispielsweise während der Fußball-Europameisterschaft die Nationalkicker zum Ende einer jeden Partie ihre Leibchen tauschten, hörte ich nicht nur eine von euch lauthals ausrufen: „Iiih, jetzt zieht der Ronaldo das verschwitzte Trikot vom Mertesacker über.“ Oder: „Wie eklig, der Schweinsteiger hat jetzt echt das Trikot von dem Türken an.“ Es folgten ausführliche Mode-Debatten, in denen ihr mal nicht über Schnitte oder Farben philosophiertet, sondern über das einen, das Fremden der Kleidung. Wie man das bloß tun kann: ein fremdes Hemd anziehen?

Genau diese Frage stellen wir Jungs uns auch ständig. Allerdings nicht beim Fußball, sondern immer dann, wenn wir intensiver mit euch zu tun haben; wenn wir beispielsweise auf einer gemeinsamen Reise sind: Egal ob Klassenfahrt, Freunde-Urlaub oder Betriebsausflug – nach spätestens zwei Tagen wird eine von euch das Shirt einer anderen tragen oder plötzlich in der Jeans rumlaufen, die gestern noch eine andere trug. Kleidung, so scheint es dann für uns, ist für euch ein so selbstverständliches Tauschmittel wie für andere Menschen Geld. Mit dem Unterschied, dass die Besitzverhältnisse für euch keine größere Rolle zu spielen scheinen. Jede trägt einfach, was gerade am besten passt. Wenn wir uns den Vorgang des Ankleidens in einem modernen Mädchenzimmer während der Klassenfahrt des Lebens ausmalen, dann entsteht dabei ein Szenario, das in etwa so aussieht: Mehrere Mädchen bevölkern gemeinsam den Raum, allesamt nur unfertig bekleidet. Ruft eine: „Oh Mist, ich habe mein schwarzes Piep vergessen.“ Kontert die nächste: „Kein Problem, nimm doch meins hier.“ Ein schwarzes Piep fliegt durch den Raum. „Ich bräuchte aber eine weiße Piep, hat eine von euch ...?“ Wieder wechselt ein Kleidungsstück die Besitzerin. Denn Piep steht als Platzhalter für Jeans, Hemd, Unterhose, Büstenhalter – was man halt so trägt als Frau. Ihr macht da scheinbar keine Unterscheidung, wie auch das Problem der passenden Größe in eurer kommunistischen Kleiderkammer nie aufzutreten scheint. Womit wir mittendrin sind in der heutigen Frage, die eigentlich ein tiefer Seufzer ist, der da lautet: Das kann doch nicht sein, oder? Wenn Fußballer nach einem durchgekämpften Match ritterlich ihre Trikots tauschen, quietscht ihr vor Ekel, tragt dabei aber selber gerade die Unterhose eurer besten Freundin? Haben wir da was falsch verstanden oder herrscht im Reich der Mädchenkleidung tatsächlich die Utopie des besitzlosen Altruismus? Erklärt uns das mal, oder um im Bild zu bleiben: Hosen runter zum Thema fremde Kleidung!


Die Mädchenantwort Also bitteschön! Ihr wollt ja wohl nicht unsere besten Freundinnen Marie, Lisi und Christiane mit schwitzenden Fußballprofis vergleichen, oder? Oder?!? Na also. Hätten wir ja so auch nicht gedacht. Ebenfalls nicht gedacht hätten wir aber auch, dass es euch auch nur im Geringsten stören würde, wenn wir mal eben ein schwarzes T-Shirt von ebenjener Lisi, Marie oder Christiane anziehen. Falls es euch noch nicht aufgefallen sein sollte: Mädchen stinken nicht. Jedenfalls in den allermeisten Fällen. Ebenso wenig, wie ihre Klamotten. Also könnt ihr uns nicht mit dem Hygiene-Argument kommen. Wenn es nun darum geht, dass ihr es tatsächlich nicht kapiert, dann wollen wir hier kurz erklären, warum wir gerne tauschen: Mädchen, die zum Romantisieren neigen, erklären die Tauschneigung damit, dass sie seit ihrer frühesten Kindheit – ungefähr zur Zeit der Barbie-Sozialisation – davon träumen, einen Kleiderschrank zu besitzen, der so groß ist wie das Ritz. Da sie aber nicht völlig verantwortungslos sein wollen und über ihre Verhältnisse leben, realisieren sie diese Traumvorstellung eben dadurch dass sie auch die Schränke ihrer als ausgelagerte Filialen der eigenen Garderobe betrachten. Ganz logisch, oder?! Dass wir überhaupt die Kleidung anderer anziehen, liegt daran, dass wir sehr lange davon überzeugt sind, uns stünde tatsächlich alles. Selbst ein Kartoffelsack, wenn er nur um unsere Hüften gegürtet wäre, sähe sexy und avantgardistisch aus. Selbst im ausgewachsenen Zustand leiden wir mitunter an Illusionen wie diesen und leihen uns das Minikleid unserer kleinen Cousine aus, das uns dann tatsächlich nicht ganz so gut passt, wie wir ursprünglich dachten. Das Gute daran ist allerdings, dass wir es (ausgebeult und an den Nähten ein klein wenig eingerissen) wieder in den Schrank der Cousine legen können und so tun, als hätte es diesen Kleiderunfall nie gegeben. Wenn wir mit euch das Bett teilen, dann betrachten wir im Übrigen auch euren Schrank als unseren. Wir wissen schon, das nervt euch ziemlich, aber zum Glück seid ihr fast immer still und ertragt es geduldig, dass wir uns eure zwei Lieblings-Band-T-Shirts unter den Nagel gerissen haben und darin sehr, sehr gut aussehen. Aber jetzt bitte kein Wutanfall: wir plündern euren Schrank nicht in erster Linie wegen eurer tollen Shirts, sondern weil uns manchmal sentimental zumute ist und wir etwas tragen wollen, das nach euch riecht. Vermutlich so, wie Schweinsteiger manchmal ein Stück von Mertesacker auf seiner Haut tragen will. christina-waechter