Mädchen, habt ihr Angst vorm Kinderkriegen?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
max-scharnigg

Die Jungsfrage:

Das vorweg: Nahezu alle jungen Mütter, die ich treffe, sind glücklich. Sie halten ihr Kind, als wäre es von Dior und strahlen dabei wie ein Endlager. Sie tutteln und mutteln und sagen den kinderlosen Mitmenschen ungefragt: „Echt, du brauchst auch un-be-dingt ein Kind, dann können wir gemeinsam tutteln und mutteln!“ Ich kann mir vorstellen, liebe kinderlose Mädchen, dass euch nicht nur dieser Satz, sondern eben auch die Vorstellung vom Kinderkriegen noch viel öfter begegnet als uns, deswegen jetzt diese Frage. Wie ist das, zu ahnen, dass man irgendwann in seinem Leben mal phänomenale Schmerzen erfahren wird? Denn auch von diesen berichten ja nahezu alle Mütter. Wie lebt es sich mit Damoklesschwertern die Presswehe oder Dammriss heißen? Und dieser ganze Krisenkörper während der Schwangerschaft, ist das nicht, bei allen Mutterglücken, Lebensaufgaben und Hormonen, eine unheimliche Vorstellung? Echt zum Kotzen? Ist es etwa so, wie zu wissen, dass man sich irgendwann die Weisheitszähne rausmachen lassen muss – eine Notwendigkeit, die man im Kopf gerne ins hinterste Hirnkastl verschiebt? Oder seid ihr einfach darauf gepolt, dass das eben so sein wird und zu eurem Leben dazu gehört? So richtig jammern hört man euch ja eigentlich nicht. Hofft ihr insgeheim, dass es nicht so schlimm wird? Oder jammert ihr nur mit der besten Freundin? Und gibt es das, dass eine Frau keine Kinder bekommen möchte, weil sie zu wenig Lust auf die geschwollenen Begleiterscheinungen hat? Die Mädchenantwort steht auf der nächsten Seite


Die Mädchenantwort

Das ist eine Frage, die ich dir auf Anhieb mit einem klaren JA beantworten kann. Ich denke, dass viele Mädchen das ähnlich sehen. Vielleicht tun sie’s auch nicht, vielleicht stelle nur ich mich besonders an. Aber ja: Ich habe panische Angst vorm Kinderkriegen, sehr sogar. Es ist ja nicht so, dass ich nicht gerne welche hätte. Obwohl auch dieser Wunsch noch relativ neu ist. Als ich zehn Jahre alt war und mir zum ersten Mal die Wörter Klimawandel und Nahost-Konflikt zu Ohren kamen, läutete das bei mir eine Phase ein, in der ich ständig davon redete, wie unverantwortlich es doch sei, Kinder in „eine Welt wie diese zu setzen“. Vertrat ein Mädchen eine andere Meinung, erweiterte ich diese Position um folgenden Zusatz: „Wenn schon Kinder, dann adoptiere dir doch welche aus Afrika - für eine bessere Welt“. Naja, bald dämmerte mir, wie albern das war. Dennoch, lange Zeit ließen mich kleine Kinder ziemlich kalt. Wenn ich in Kinderwagen hineinschaute, sah ich in Babygesichtern nicht etwa Glück, Bestimmung und so was, sondern nur die schleimigen Sabberfäden, die ihnen aus den Winzmäulern hingen. Mittlerweile - und ehrlich gesagt ist mir das unheimlich - merke ich, dass meine Hormone zu gären anfangen und auch in mir latente maternale Instinkte heranzüchten. Trotzdem, neben der hoffnungsvollen Zukunft, die man mit eigenen Kindern assoziiert, hat sich in meinem Kopf vor allem der Gedanke an die schlimmen Begleiterscheinungen der Geburt breit gemacht. Ich bin ein Weichei, mir graust es vor Schmerzen. Ich hab mir noch nie etwas gebrochen und bin noch nie in einem Krankenhausbett gelegen. Ich mach mir ja schon fast in die Hose, wenn mein linker hinterer Backenzahn zwickt. Die Schmerzen, die man als Frau durchmacht, wenn man ein 50cm großes Lebewesen aus sich herauspresst, sind daher für mich unvorstellbar. Ich stell sie mir in etwa so schlimm vor wie eine Foltersession aus Marquis de Sades „120 Tage von Sodom“. Dass nahezu jede Frau in der Geschichte der Menschheit diese Schmerzen schon durchlitten hat, macht die Vorstellung zwar ein bisschen erträglicher. Aber es beruhigt mich nicht. Meine Mutter hat mir erzählt, dass meine Geburt mehr als 20 Stunden gedauert hat. Mein Kopf war angeblich zu groß. Und angeblich war meine Mutter kurz davor, sich ein Messer in den Körper zu rammen, wenn eins in greifbarer Nähe gewesen wäre. Solch eine Tortur soll es gewesen sein. Gulp. Klar, nach der Geburt hat meine Mutter gleich alles vergessen. Auch die meisten anderen Frauen sprechen im Rückblick auf diese Horrorstunden beschönigend von einer „elementaren Lebenserfahrung“. Könnte man es sich aussuchen, ich würde liebend gerne auf dieses „besondere intensive Erlebnis“ verzichten. Ich wäre auch damit zufrieden, die gesamte Schwangerschaft outzusourcen und mein Kind „Schöne neue Welt“-mäßig von einer maschinellen Gebärmutter austragen zu lassen. Alle paar Stunden würde ich mal nachgucken, ob der Embryo vorschriftsgemäß weiter wächst. Dafür könnte ich neun Monate lang weiter rauchen, Bars aufsuchen und in mehr als einer Stellung Sex haben. Ich glaube, auf diese Weise kann man später sogar eine gesunde Distanz zum eigenen Nachwuchs wahren. Das Muttertotschlagargument „Du bist so undankbar, dabei hab ich dich neun Monate in meinem Bauch rumgetragen!“ würde sich in Streitgesprächen damit jedenfalls erübrigen. Außerdem könnte man so verhindern, dass die eigenen Brüste irgendwann aussehen wie ausgetrunkene Caprisonne-Tüten und die Vagina, nachdem sie ihre Aufgabe als Geburtskanal erfüllt hat, gänzlich ausleiert. Hab’ von Männern gehört, dass Sex mit einer Postnatalen damit vergleichbar ist, ein Wiener Würstchen in einen Hauseingang zu werfen. Aber vielleicht wäre es doch nicht so gut für ein Kind, die ersten Monate seines Lebens in einer elektrisch betriebenen Embryobackmaschine zu verbringen. Vielleicht gibt’s mal Stromausfall. Dann steht man als Kindsmörderin da. Und dem Hörensagen nach soll es ja auch eine tolle elementare Erfahrung sein, wenn das Kleine gegen die Bauchdecke tritt. Das will man sich möglicherweise doch nicht entgehen lassen. Ihr mögt es ja, eure Hand dann auf unseren Bauch zu legen und mit euren Ohren zu horchen. Wird es dann wirklich ernst, habe ich jedenfalls vollstes Verständnis dafür, wenn ihr beim Kreissaalstress nicht dabei sein wollt. Ich würde es mir freiwillig auch nicht antun. Aber was muss, das muss wohl. xifan-yang