[b]Die Jungsfrage:[/b]

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Gut, im Fall von Paris Hilton verstehe ich, dass ein Fotogesicht eine Notwendigkeit ist. Die wird so oft abgelichtet, dass es schon fahrlässig wäre, wenn sie keines dabei hätte. Und ich weiß auch, dass ihr alle verhinderte kleine Modelinchen seid, obwohl ihr das immer abstreitet und angeblich nur ganz kurz in den Spiegel schaut. Aber warum plärrt es dann zuverlässig „Lösch das!“, sobald wir einen lustigen Schnappschuss von euch machen? Darf kein einziges unvorteilhaftes Bild von euch in der Welt sein? Seid ihr vielleicht doch das eitelste aller Geschlechter?

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Wenn man euch fotografieren will, ist es jedenfalls so: In 70 Prozent aller Fälle ist es „gerade schlecht“ und „bloß nicht mit xy oder nassen Haaren“. In den übrigen 30 Prozent beginnt ihr ein komisches Biegen und Strecken, verdreht euch und tänzelt oder zaubert ein ganz fremdes Lachgesicht aus dem Kragen, das vielleicht zu Uschi Glas, aber nicht zu euch gehört. Wir wissen, das ist „Posen“. Dieses Posen geht euch bisweilen so ins Leibhaftige über, dass man selbst auf Partys und in Bierzelten wild in eine Mädchengruppe fotografieren kann und kein einziges authentisches Abbild erwischt, sondern nur künstlich verspannte Augenbrauen und dosiert verzogene Mundwinkel. Von uns hingegen gibt es Millionen doofer Fotos, wir machen Grimassen bis wir 35 sind oder spielen Luftgitarre. Natürlich mögen wir die blöden Bilder von uns auch nicht, aber wir machen deswegen kein Theater. Und schon gar nicht besorgen wir uns ein Fotogesicht, wir wüssten nicht mal, wie man das angeht. Mit der besten Freundin ausprobieren? Tipps in Magazinen? Selber herausfinden, was die eigene Schokoladenseite ist? Ist doch gaga, oder? [i]Die Mädchenantwort gibt's auf der nächsten Seite.[/i]


[b]Die Mädchenantwort:[/b]

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Hach, das ist so eine Sache mit den Fotogesichtern. Ich glaube, ihr Ursprung liegt fern von allen Kameras, im Badezimmer. Da sehen wir uns jeden Morgen für zehn bis 30 Minuten im Spiegel - und das war's dann. Den Rest des Tages sehen wir uns nicht mehr, sondern gehen fest davon aus, dass wir eben so aussehen wie heute Morgen im Spiegel. Das Problem ist nur, dass man in den Spiegel immer ganz anders schaut als ins Gesicht eines Mitmenschen – oder eben in eine Kameralinse. Beim Blick in den Spiegel setzt man ganz automatisch ein „Fotogesicht“ auf, ohne es zu merken – man schaut dann so, wie man sich eben am liebsten schauen sieht. Mit den ersten Schnappschüssen, die ihr von uns macht, wird uns bewusst, dass wir das Spiegelgesicht in den meisten Fällen leider nicht aus dem Badezimmer heraustragen. Wir sehen also den ganzen Tag über völlig anders aus als gedacht, und ihr seht ja auch nur diese andere Version von uns! Damit muss man sich erstmal abfinden. Das endet dann mitunter in solchen hilflosen Paris Hiltons, deren Gesichter einfrieren, sobald sie auch nur aus dem Augenwinkel ein auf sie gerichtetes Objektiv entdecken. Besonders peinlich werden diese Eisgesichter, wenn das Fotografieren ein bisschen länger dauert (weil ihr beim ersten Mal aus Versehen geblitzt, die Füße abgeschnitten oder die Blende nicht richtig eingestellt habt). Dann bleiben die Visagen tatsächlich ewig lang unbewegt, mit künstlichem Dackelblick und einem Lächeln, das gerade so weit geht, dass es pro Mundwinkel nur eine Falte wirft und auch nicht zu viele Zähne zu sehen sind. Die meisten von uns beschränken sich aber darauf, freundlich die Augenbrauen hochzuziehen oder sich schnell den Pony aus dem Gesicht zu streichen. Dass wir dann nicht auch noch wilde Grimassen schneiden, müsstet ihr eigentlich verstehen – schließlich seid ihr immer die ersten, die sich beim gemeinsamen Fotoabend über offene Münder und verdrehte Augen lustig machen. eva-schulz