Mädchen, ist euch das Schminken in der Öffentlichkeit eigentlich peinlich?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen. Heute: Verschönerungsarbeiten mit Zuschauern.
christian-helten

Die Jungsfrage:


Liebe Mädchen, wir möchten euch heute eine Frage zu eurem Aussehen stellen. Genauer: zum Schminken. Noch genauer: zum Schminken an Orten, an denen euch jeder dabei zusehen kann.

Meistens, so unser Eindruck, endet euer Prozess des Hübschmachens ja innerhalb der eigenen vier Wände. Ihr schminkt euch zu Hause in einen Zustand, in dem ihr der Welt da draußen begegnen wollt. Aber manchmal sieht man eine von euch mit Schminkzeug in der S-Bahn oder an der Bushaltestelle sitzen. Ihr schminkt eure Lippen oder tragt Wimperntusche auf, ihr tupft euch Rouge auf die Wangen, manchmal zuppelt ihr auch ein Stück Frisur zurecht.

Eigentlich ist das ja nur logisch. Gutes Zeitmanagement. Die Zeit in der S-Bahn ist verloren, warum also nicht den Tagesordnungspunkt Schminken in diese unnütze Viertelstunde outsourcen?

Aber so einfach kann es nicht sein, sonst würden es ja alle so machen. Die meisten aber erledigen das Schminken zu Hause. Unsere Vermutung: Ihr lasst euch nicht gerne dabei zusehen. Es ist euch peinlich, wenn jemand eure Verwandlung beobachten kann und damit sieht, was echt ist und was aufgetragen. Oder ist es das gar nicht? Ist es euch einfach nur zu nervig, euren Werkzeugkoffer voller Schmink-Utensilien mitzuschleppen?

Erklärt uns doch also mal den Kosmos Draußenschminken: Welches Schminkzeug habt ihr immer dabei und wann holt ihr es in der Öffentlichkeit raus? Ist das eine absolute Notlösung? Tut ihr das so ungern, wie wir vermuten? Und warum? Ist es euch peinlich?

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Die Mädchenantwort von franziska-deller 


Zuerst einmal: Ja, es ist uns peinlich. Zumindest den meisten von uns. Das hat verschiedene Gründe, die teilweise einfach praktischer Natur sind.

Erstens: Beim Schminken passieren manchmal Unfälle. Auch nach jahrelanger Übung kommt es doch immer wieder vor, dass einem die Hand ausrutscht und das Ergebnis kein dezenter Lidstrich, sondern ein tränendes, verschmiertes, schwarzes Auge ist. Natürlich peinlich, wenn es dabei Zeugen gibt. Um das wieder in Ordnung zu bringen, braucht man Abschminktücher, Make-up-Entferner, Wattestäbchen, manchmal sogar Wasser. In der Bahn hat man das nicht. Pannenbeseitigung ist deshalb schlecht zu bewerkstelligen.

Was uns auch gleich zum zweiten Punkt führt: Nicht jede Umgebung ist zum Schminken geeignet. Zuallererst braucht man einen Spiegel – am Besten einen großen, den man nicht selbst in der Hand halten muss. Dann ist einigermaßen gutes Licht hilfreich, damit man sieht, was genau man da überhaupt macht. Und dann brauchen wir Platz, um all unsere Utensilien auszubreiten und abzulegen, denn prinzipiell gilt: Je weniger man zusätzlich in der Hand halten muss, desto besser das Ergebnis. Und: Je weniger Geruckel und Gezerre um einen herum, desto geringer ist die Gefahr von Unfällen (siehe oben).

Deswegen gibt es eine stille Regelung, was das Schminken in der Öffentlichkeit betrifft: Was geht: mal eben die Lippen nachziehen. Das Höchste der Gefühle: schnell ein bisschen Puder drüber. Alles andere wird, wenn schon im öffentlichen Raum, dann in der Toilette erledigt. Aber auch das ist uns irgendwie schon unangenehm.

Womit wir von den praktischen Gründen zu den etwas komplizierteren kommen.

Schminke ist auch eine Art Schutz. Sie hilft uns, das, was wir an uns hässlich finden, zu kaschieren - nicht nur gegenüber euch Jungs, sondern eben auch gegenüber anderen Mädchen. Ungeschminkt fühlen wir uns denen manchmal unterlegen. Deswegen gibt es viele Mädchen, die ohne Make-up und Wimperntusche überhaupt nicht vor die Tür gehen – und sich deshalb auch niemals öffentlich schminken würden.

Schminken ist eine archaische Angelegenheit. Wir tun es, weil wir – Emanzipation hin oder her – einfach schön sein wollen. Auf eine natürliche, irgendwie geheimnisvolle Weise. Klar wissen alle, dass wir uns schminken. Aber vergessen soll man es. Die Leute sollen uns anschauen und finden, dass wir hübsch aussehen. Und dabei nicht daran denken, was genau da abgedeckt oder betont wurde.

Wir wollen nicht zeigen, wie viel Aufwand wir für unser Aussehen betreiben. Frauen, die sich in der Öffentlichkeit schminken, gelten als selbstverliebt, „tussig“, künstlich. Eitelkeit ist peinlich. Deswegen lassen wir die, soweit es geht, daheim in unserem Badezimmer.



Text: christian-helten - Cover: Till-van-Loosen / photocase.de