Die Jungsfrage

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Zu den Dingen, die man als Junge erst spannt, wenn man schon ein bisschen dauerhafter an eurer Seite weilt, gehören die Taktiken eurer Körperhaarentfernung. Jedes Mädchen hantiert dabei ein wenig anders und setzt unterschiedliche Prioritäten. Die eine rasiert nur, was sich bequem alle zwei Wochen in der Badewanne liegend erreichen lässt, andere gehen täglich mit Spezialklingen duschen oder schwören auf professionelle Hilfe und wieder andere seufzen stark, wenn sie ein bestimmtes Kleid aus dem Schrank ziehen, weil dessen Einsatz dann nur nach schnellen Not-Rupfungen möglich ist. Gerade im Winter ist die letzte Situation irgendwie häufiger – da kratzt die Strumpfhose im Mädchenzimmer schon mal hörbar die Beine auf und ab, und unter euren Achseln bekommen wir dann gelegentlich sogar etwas Süßes zu sehen: ein Fläumchen, das ihr euch im Sommer nie erlauben würdet. Wir finden dieses kleines Achselfell eher nicht schlimm, aber wenn wir interessiert hinzeigen, rennt ihr doch wieder ins Bad. Dabei ist das Prinzip Winterfell doch durchaus küchenwissenschaftlich zu untermauern und wir Jungs tendieren auch dazu, im Winter den Bart absichtlich ein wenig dichter ums Gesicht wachsen zu lassen – schließlich ist das eine nützliche, natürliche Wärmeschicht, jeder, der schon mal mit Vollbart Skifahren war, weiß das. Also wäre es nur gerecht, wenn ihr mit Beinen etc. ähnlich verfahrt. Allerdings friert man ja etwa unter den Achseln nicht so stark. Lasst ihr das Winterlaub trotzdem hängen, seid ihr da einfach entspannter? Oder ist das haarlose Diktat mittlerweile sommers und winters gleich streng? Auf der nächsten Seite kannst du die Mädchenantwort lesen.


Die Mädchenantwort

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Es soll ja Mädchen geben, die sich ohne Komplett-Rasur nicht unter die Menschheit trauen – und irgendwie haben diese Mädchen und Frauen in den vergangenen Jahren den Mainstream so durchdrungen, dass man so als Einzelfrau denkt, man müsse genau diesen Ansprüchen entsprechen, um es in der Welt der Liebe zu etwas (nämlich einem ansprechenden Herren) zu bringen. Und deshalb freue ich mich sehr über deine Frage, sagt sie mir doch, dass ich mit meinen allmonatlich wiederkehrenden Faulheitsanfällen gar nicht so alleine bin und trotz fortgeschrittenem Beinflaum noch nicht den Schritt ins Asoziale getan habe. Es ist nämlich so: Einst wurde mir von einer Mitbewohnerin, die immer alles sehr genau wusste, mitgeteilt, dass tägliches Beine-rasieren vor allem deshalb verpflichtend sei, weil man dann weniger Stress habe. Leuchtet ja auch irgendwie ein: Wer täglich rasiert, der muss nur Millimeter lange Stoppeln entfernen. Wer hingegen nur zu den ganz speziellen Anlässen zum Rasierer greift, der sollte sich schon die ein oder andere halbe Stunde Zeit nehmen für die Prozedur. Ich versuchte eine Zeit lang, den Ansprüchen meiner Mitbewohnerin zu entsprechen, doch auch in diesem Fall überkam mich nach einer Zeit diese lähmende Faulheit und Nichtbockigkeit, die mich unter anderem auch davon abhält, per Fernkurs Französisch zu lernen. Weil man nun im Winter eh immer blickdichtes Beinkleid und Ärmel trägt, die erst am Handgelenk enden, ist diese Jahreszeit ganz besonders geeignet für Faulpelz-Träger, wie mich. Da muss man nicht die ganze Zeit verlegen die Arme verschränken, wenn man unter Menschen geht, sondern kann ganz entspannt dasitzen und den Beinpelz gegen die Jeans schubbern lassen. Ach, behagliche, ach, geruhsame Winterzeit. Nur, irgendwann bekommt man dann so als Dame mit wachsender Bein- und Achselbehaarung eine Art Identitätskrise. Nicht weil wir auf einmal glauben, dass wir wegen Beinhaaren zu halben Männern werden. Mehr so in der Art: Wenn ich mich weiter so gehen lasse und Gemütlichkeit und Ausschlafen vor sozial akzeptable Beinbehaarung stelle – werde ich dann etwa im Laufe der nächsten Jahre zu einer dieser Katzen-Damen, die in Jogginghose zum Hochamt gehen und einen dezenten Brekkies-Duft hinter sich hertragen? Und so reißen wir uns also doch immer wieder zusammen, rasieren die betreffenden Stellen und fühlen uns dann auch wieder gesellschaftsfähig. Es kann aber natürlich auch sein, dass wir sexmäßige Action erwarten. Oder einen Sauna-Besuch. In diesen Fällen überwinden wir uns ganz ohne Identitätskrise und fragen uns im Anschluss an die Rasur, warum wir uns jetzt eigentlich so angestellt haben. penni-dreyer