Mädchen, macht ihr es nur aus Pflichtgefühl?

Einen geblasen zu bekommen, ist eine gute Sache. Finden die Jungs. Aber machen Mädchen das wirklich gerne?
elias-steffensen

Die Jungsfrage:


Liebe Mädchen,
 
ziemlicher Schockmoment für uns. Noch gar nicht lange her. Redaktionskonferenz. Und wie das da eben so geht. Ein Wort gab das andere, bisschen dies und bisschen das, ein paar geistige Pirouetten und zack: Thema Oralverkehr. Genauer die – offenbar schwer naive – Frage: „Aber für euch ist es doch auch irgendwie geil, uns einen zu blasen, oder?“ Und dann: Schweigen. Und dann: Noch einen Moment länger Schweigen. Schon auch betreten. Und dann sinngemäß etwas wie: „Na ja, also ... eigentlich ...“ und noch mal eine Pause mit hilfesuchenden Blickkontakten. Die Worte „Pflichtgefühl“ und „Erwartungen“ fielen in meiner Erinnerung. Und irgendeine Formulierung im Sinne von „Wie du mir, so ich dir“. In Summe jedenfalls eine Serie von Aussagen, durch die bei uns ein verwirrendes Bild zurückblieb. Ein Mosaik eigentlich eher, aus Einzelteilen, die nicht recht zusammenpassen wollen. In diesem Mosaik ist ein Blowjob für euch mal etwas, das wir einfordern, weil es für uns zur Choreographie von anständigem Gepimper dazugehört. Und ich fürchte ja, ihr denkt sogar, dass wir das aus Pornos gelernt haben. Mal ist es etwas, das ihr uns gönnt. Wie beim Hund, der zusätzlich zum Trockenfutter einmal die Woche noch was mit echten Fleischbrocken in den Napf gekippt bekommt. Und mal ist es eine Art »Quid pro quo«-Deal: Kratzt du mir den Buckel, kratz ich deinen. Oder vice versa. Oder so.

Was es dabei aber offenbar eher nicht ist: Etwas, das euch aus sich heraus Spaß, Lust, Freude oder vielleicht sogar ein bisschen geil macht.

Frage 1 also: Ist das echt so?! Und falls ja, Frage 2: What the fuck?! Denn dann ist das etwas, bei dem wir euch, mit Verlaub, tatsächlich mal nicht einen Fingerbreit checken. Weil: Auch wenn Cunnilingus für uns jetzt sicher nicht die absolute Erfüllung ist. Spaß macht es uns schon. Zu sehen, wie ihr da abgehen könnt, ist toll. Und spannend. Und erregend. Und überhaupt.

Wir hätten jetzt also angenommen, dass euch das ähnlich geht. Und in meiner privaten Vorstellung war Dominanz dazu auch immer noch eine Komponente eurer Motivation zu Oralverkehr, und zwar weil eine entferntere Bekannte immer mit einem Buch kokettierte, das sie noch schreiben will. Titel: „Why I blow: Macht statt Befriedigung“.

Jetzt zu hören, dass das offenbar/vielleicht/wahrscheinlich überhaupt nicht so ist, macht mich etwas bockig. Ziemlich bockig. So bockig, dass ich keine Lust habe, hier lange herumzuspekulieren. Sagt also einfach: Was stimmt denn bei euch bitte nicht?!

>> Auf der nächsten Seite liest du die Mädchenantwort von martina-holzapfl


Die Mädchenantwort: "Meistens ist es eben doch nur so 20 Prozent hot, und eher so 80 Prozent anstrengend."



So, Boys!

Zuerst würde ich ja mal stark relativieren wollen, dass wir in oben genannter Redaktionskonferenz-Szene auf euer superüberzeugtes „Aber ihr wollt es doch auch!“ so hilfesuchend und betreten reagiert haben. Ich persönlich erinnere mich eher daran, dass eine unserer lässigsten Kolleginnen dir innerhalb von Sekunden diesen trockenen Spruch serviert hat, du weißt schon: „Eine Hand wäscht die andere“, nur mit einem anderen Verb eben. Jedenfalls, auf den Spruch hin du so: Schock! Schwere Not! Wie unromantisch! Soviel Irrtum in unserer Welt, oder was?

So, jetzt sind wir wieder gleichauf. Deshalb, Ärmel hochgekrempelt, und zur Antwort angesetzt: Ja, wir haben schon sehr früh mitbekommen, dass zu einem modernen, leidenschaftlichen Sexleben der Oralverkehr dazugehört. Also: Dass er es angeblich tut. Oralverkehr, speicherten wir damals ab, gehört zum guten Sex wie die Orangenlimo ins Spezi – ohne wär’s halt eintöniger. Also haben wir uns die Skills draufgeschafft und versucht, es zu mögen. Was das Mögen angeht, waren wir damit bis heute eher mäßig erfolgreich.

Ich will hier natürlich keiner Frau ihre Vorliebe für die orale Befriedigung des männliches Geschlechts absprechen. Aber für die meisten von uns ist es eben doch eher, wie du sagst, so halbaufregendes Beiwerk. Meinetwegen auch ein Hundegutti, nenn’ es, wie du willst. Wir machen es schon gern, aber eben nur im Sinne von: Gern geschehen. Wir wissen, ihr steht drauf. Und wir stehen auf euch. Deshalb mögen wir es, wenn ihr glücklich seid. Und wenn ihr glücklich seid, seid ihr sexy. Außerdem tut ihr es ja auch für uns, wenn wir es brauchen. Wir sind da ziemlich pragmatisch: Eine Hand wäscht die andere. Und das gilt ja nicht einmal nur für Oralsex, das gilt ja immer dann, wenn es um die bloße Befriedigung des anderen geht, ohne dass man selbst etwas davon hat, weil man eben gerade der ist, der sich sehr, sehr anstrengt, die andere Person auf ihre Kosten zu bringen. Natürlich kann das auch ziemlich scharf sein. Dieses Dabei-Zusehen, wie der andere ausrastet vor Erregung. Aber meistens ist es eben doch nur so 20 Prozent hot, und eher so 80 Prozent anstrengend. Der Mund spannt, die Zunge wird taub, der Arm tut weh. Tut bitte nicht so, als würdet ihr das gar nicht kennen, bitte tut uns das nicht an! Sex ist anstrengend. Schön, aber anstrengend. Mal mehr, mal weniger.

Hinzu kommt, dass man gerade beim Sex sehr schnell in die Position des „Hidden Observers“ gerät, meist dann, wenn man nicht gerade selbst im ultimativen Trancemodus unterwegs ist. Und als „Hidden Observer“ schaut man nüchtern von außen drauf und denkt sich: Was zur Hölle machen wir hier denn eigentlich? Wie sieht das denn aus? Was soll das? Was sind wir Menschen für komische Wesen, dass wir so aufeinander rumkrabbeln und dabei Geräusche machen und einander gewisse Körperextremitäten in den Mund schieben?

Und dann wird das Ganze eben schnell etwas merkwürdig, beziehungsweise: unromantisch. Und wir werden pragmatisch. Sagen uns: Hey, halt durch, mach noch kurz weiter, gönn es ihm, das nächste Mal bist du wieder auf der anderen Seite.

So, und jetzt noch schnell zum Thema „Macht“ beziehungsweise Buchtitel „Why I blow: Macht statt Befriedigung.“ Klar, wenn wir euch oral befriedigen, dann seid ihr uns, wenn man so will, untergeben. Je nach Ausprägung und Gewichtung der eigenen Sadomaso-Veranlagung fahren wir auf dieses Gefühl der Macht ab, oder auch nicht. Deine Blowjob-Autorin-in-spe-Freundin scheint sehr darauf abzufahren. Sogar noch mehr, als darauf, ihrem Gegenüber einen Gefallen zu tun. Gut für sie! „Eine Hand wäscht die andere“ scheint für sie nicht so zu gelten, für sie ist der Blowjob eher Ego-Fetischbefriedigung. Voll okay ist das, sogar wünschenswert, denn da haben ja am Ende auch beide was davon. Bleibt aber eine Nischenvorliebe, glaube ich.

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