Mädchen, mögt ihr eigentlich Rosa?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
fabian-fuchs

Die Jungsfrage:

Normalerweise würde ich das ja gar nicht fragen, denn wir Jungs wissen schon, dass es Gezeter gibt, wenn wir euch aus Versehen die rosa Trivial-Pursuit-Steine zuteilen. „Ich mag nicht rosa, voll Klischee!“, kräht ihr dann mit euren niedlichen Mundgesichtern und wir entschuldigen uns sehr. Verstehe ich ja, dass euch die Farbe rosa nervt, weil ihr als Kinder ständig damit behängt wurdet, aber mal ehrlich: eigentlich findet ihr es doch auch immer ein bisschen schöner als, zum Beispiel, blau, oder? Jedes Mädchen dessen Kleiderschrank ich etwas genauer kenne, hat jedenfalls mindestens ein rosa Lieblingsteil, oder sagen wir mal, altrosa. Zusätzlich stehen irgendwo garantiert noch eine rosa Vogellampe und eine zartrosa Amaryllis rum, und wenn ihr im Fernsehen ein Prinzesschen in rosiger Gewandung herumspazieren seht, geht doch das Geseufze auch wieder los. Für uns Jungs ist rosa eine Farbe wie jede andere. Wir wissen, dass man mit rosa Hemden nur ganz selten richtig gut aussieht und dass wir euch beim Trivial-Pursuit damit ärgern können. Gell?


Die Mädchenfrage:

Ha! Extra deinetwegen und wegen dieser leicht behämmerten Frage habe ich meine Wohnung und den Kleiderschrank mit der rosa-Scanner-Brille durchsucht und bin zu einem Ergebnis gekommen, das deine krause Theorie hoffentlich zumindest teilweise widerlegt: Ich besitze: 1 Paar rosa (Herren-)Kniestrümpfe 5 Unterhosen (rosa ist da weit verbreitet und sieht ja auch irgendwie nicht so schlecht aus, ähm, hust) 1 Spice Girls T-Shirt (aus meiner ironischen Phase) 2 rot-rosa-weinrot-gestreifte Bettbezüge Und zuletzt: 6 Bücher mit einem rosa Cover (da kann ich jetzt echt nichts dafür!) Sonst ist alles blau, grau, grün und schwarz. Du siehst: eure Verallgemeinerungen sind voll gemein und auch ganz unsachlich. Trotzdem will ich versuchen, dir zu erklären, was Mädchen und rosa miteinander zu tun haben. Wir kommen auf die Welt und werden, wenn wir Pech haben, in rosane Strampler gesteckt und in rosane Zimmer gesperrt. Dann werden wir etwas älter und bekommen rosane Puppen, Puppenstuben und Puppen-Schnuller. Und aus diesem Rosa-Kosmos kommen wir erst wieder raus, wenn endlich die Pubertät zuschlägt. Dann aber! Wird alles um uns herum schwarz (wegen Stimmung, Figur-Zweifeln und Lebensmüdigkeit): schwarze Fingernägel, Pullis, Hosen und Schlüpfer. Auch Wände, Bettwäsche (aber nur kurz) und Schulheft-Einbände. Irgendwann legt sich die Pubertät und wir freunden uns mit allen Farben des Regenbogens an. Das ist toll und macht, dass wir modische Wesen sind, wenn wir das wollen. (Die anderen bleiben bei schwarz und peppen das dann mit grau auf. Das ist auch gut, nur manchmal ein wenig düster.) Nicht so toll dagegen ist, dass es einige Menschen gibt, die glauben, dass wir auch als Erwachsene noch einen kindlichen Kern haben und die sind dann dafür verantwortlich, dass fast alle Produkte mit einer rein weiblichen Zielgruppe rosa eingefärbt sind. Und so gibt es rosa Beinrasierer, rosa Vibratoren, rosa Handys und rosa Laptops. Zum Glück können wir die in den meisten Fällen links liegen lassen und stattdessen die blau-grau-schwarze Variante des Produkts erwerben. Aber wegen genau diesen Produkt-Blödianen glaubt ihr Jungs, wir würden jeden Mist kaufen, solange er nur rosa eingefärbt ist. Das stimmt allerhöchstens ein kleines bisschen. Weil für viele Mädchen (s.o.) die Farbe Rosa Kindheit, Mama und Milchreis bedeutet. Und vielleicht sehnen sich manche Mädchen mehr nach Milchreis, als andere. Und das sind dann möglicherweise die, die du neulich besucht hast, deren Schlafzimmer in allen Rosa-Schattierungen abgetönt sind und die sagen: Wenn ich die Tür hinter mir schließe, dann bleibt die Welt draußen und ich tauche in eine andere Welt ein, in der „Sex And The City“ und Schaumbäder eine tragende Rolle spielen. Aber das sind nicht alle Mädchen. Der ganze große Rest von uns ist derbe cool und mag rosa nur bei Unterwäsche und Sonnebrillen. penni-dreyer

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