Mädchen, sind Vibratoren mittlerweile in jeder Handtasche?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
fabian-fuchs

Die Jungsfrage:

Mit Vibratoren und artverwandten Geräten ist es ja seltsam. Einerseits werden sie seitenweise im Quelle-Katalog angeboten, erhalten offizielle Designpreise und liegen, wie ich neulich gelesen habe, in amerikanischen Luxus-Hotels bisweilen als Gadget auf dem Hotelzimmer. Es gibt hunderte verschiedener Modelle und jedes frühreife Kind weiß, wie sie funktionieren. Andererseits ist immer noch großes Gehüstel und Gekicher, falls mal irgendwo wirklich einer rumliegt und in zwanglosen Kneipengesprächen, auch mit aufgeschlossenen Damen, taucht das Thema so gut wie nie auf. Ist nicht schlimm, nur ihr wisst ja: Jungshirne denken über Sachen in diesem Bereich immer besonders hartnäckig nach und sind, im Fall der Vibratoren, auch etwas neidisch – für uns produziert die Sexindustrie nicht so mannigfaltige Solospielzeuge. Alles was es in dieser Hinsicht für Männer gibt, ist schon arg kümmerlich und höchst notdürftig und auf keinen Fall Couchtisch-tauglich. Vibratoren haben sich aber, meiner Beobachtung nach, vom Schmuddel-Image längst entfernt und sind total normales Handtascheninventar, oder? Kauft ihr also irgendwann einen Vibrator, so wie man irgendwann einen Wasserkocher oder ein Handy kauft? Sprecht ihr dann mit Freundinnen und Mutti ganz locker darüber, welcher der beste ist? Oder kommt euch so ein Teil gar nie in den Sinn? Die Mädchenantwort steht auf der nächsten Seite


Die Mädchenantwort

Ich habe lange über deine Frage nachgedacht und ich glaube, ich weiß jetzt immerhin, warum ihr immer nur langweilig-muffige und wir glänzend-aufregende Sexspielzeuge angeboten bekommen. Der weibliche Orgasmus war ja die längste Zeit in der Öffentlichkeit ein eher unerhebliches Detail der zwischenmenschlichen Sexualität und wurde, wenn überhaupt, nur als glücklicher Zufall empfunden. Wohingegen der eure sehr viel mehr im, sagen wir mal, Rampenlicht stand. Das hat sich mit der Emanzipation der Frauen in den vergangenen dreißig Jahren geändert: plötzlich stellten sich Frauen selbstbewusst in die Öffentlichkeit und forderten auch ihren Spaß beim Sex. Und wenn nun eine Frau sich aufmacht, einen Vibrator zu kaufen, dann kann sie das, wenn sie möchte, nicht nur als eine höchst private Angelegenheit betrachten, sondern auch als einen geradezu politischen Akt der Selbstbefreiung. Sexspielzeuge für Frauen sind also irgendwie doppelt besetzt und das macht es für die Produzenten in gewisser Weise leichter, aus der Schmuddelecke raus und in die Öffentlichkeit rein zu wandern. Wer einen Vibrator für Frauen herstellt, hilft der guten Sache und wer sich einen kauft, ebenfalls. Insofern ist es auch nicht so verwunderlich, dass Sextoy-Firmen, die sich speziell der weiblichen Klientel widmen, oft in explizit feministischen Magazinen Anzeigen schalten. Wenn Männer dagegen Sexspielzeuge für sich kaufen, wird das in der Öffentlichkeit eher als Eingeständnis des Mangels betrachtet. Nach dem Motto: Der arme Knecht kriegt keine ab und muss sich jetzt ne Taschen-Muschi kaufen. Ich denke, deshalb gibt es auch für Vibratoren Design-Preise, für aufblasbare Puppen aber nicht. So viel zur öffentlichen Wahrnehmung. Zur privaten kann ich selbst nicht allzu viel sagen. Ich besitze kein Sexspielzeug und habe auch noch nicht darüber nachgedacht, mir eines zuzulegen. Vielleicht tue ich es mal, vielleicht auch nicht. Ich werde aber bestimmt nicht in einer lockeren Kneipenrunde darüber mit irgendwelchen Jungs oder Mädchen sprechen, mit denen ich nicht ins Bett gehe. Denn dieser freimütige Umgang mit etwas so Persönlichem wie dem eigenen Orgasmus, den gibt es nach meiner Erfahrung einzig und alleine in amerikanischen Fernseh-Serien. Und das finde ich auch weiter nicht bedauernswert. penni-dreyer

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