Mädchen, Thema knutschen und dann stehenlassen

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht bei denen. Heute: schlabber, fummel, tschüss.
elias-steffensen

Rational betrachtet ist es ja tatsächlich ein eher – nun ja, nennen wir das Kind beim Namen – abstoßender Vorgang: Zungen, womit man haptisch schnell im Kosmos Nacktschnecke ist, Speichel, Bakterien, feucht, bisschen schleimig auch. Gut also, dass man Knutschen nicht rational betrachten kann. Und schon stocke ich. Und schiebe nach: Wir jedenfalls! Bei euch bin ich mir da manchmal nicht ganz sicher. Aber bleiben wir kurz bei uns.  



Für uns bedeutet richtig Knutschen – als Schnellschuss mal definiert mit: mehre Minuten, mit Zunge, Hände irgendwo zwischen erster und zweiter Base – eigentlich immer Vorspiel. Auch, wenn wir dabei gerade noch in einer Bar oder einem Club stehen. Dann ist es eben Vooooorspiel with some capital „O“s. Aber die wenigen Gedanken, die es zwischen heftig hämmernden Herzschlägen hindurch noch ins Bewusstsein schaffen, umkreisen eher den Kosmos „Habe ich eigentlich mein Bett gemacht?“ – oder auch „Braucht es Überhaupt ein Bett, wo es auf dem Weg doch so viele dunkle Ecken gibt?“. Wir gehen also davon aus, dass es ein Danach gibt und dass dieses Danach eine Steigerung zu jetzt ist. Knutschen ist für uns – und das soll es bitte nicht entwerten – wohl eher Mittel zum Zweck. Oder ein Schritt auf dem Weg. Oder so.  

Bei euch scheint das anders zu sein. Oft erlebt und/oder beobachtet: enge Knutschumschlungenheit, auch in lang, auch in heftiger, und plötzlich, zack! Innehalten bei euch. Und zwar ein Innehalten, das durchaus wohlig wirkt, also gar nicht unmittelbar auf einsetzendes Desinteresse schließen lässt. Und wenn’s richtig blöd läuft, folgen darauf Vorschläge wie „Mal wieder an die Bar, was trinken“ oder „Eine rauchen“. Beides keine Codes für „Gleich Vögel ich dir das Hirn weg“, sondern tatsächlich für Augustiner und Marlboro (eigentlich stand hier „Lucky Strike“ – aber eben das ist es ja dann nicht).  

Und dann fragen wir uns natürlich ganz schön viele Fragen in ganz schön viele Richtungen. Die, vor der wir die meiste Angst haben: Heißt das denn eigentlich „Sorry, Typ, aber das kickt mich gerade alles überhaupt nicht mehr und schon bei der Vorstellung, jetzt dann auch noch mit dir zu schlafen, will ich sofort duschen“? Haben wir also was falsch gemacht, wenn ihr aufhört? Oder ist Knutschen bei euch tatsächlich (manchmal) etwas anderes? Selbstzweck – macht man, so lange, wie es für sich genommen Spaß macht, und dann macht man was anderes, mit einem Danach ist es jedenfalls nicht verknüpft? Erregt es euch am Ende gar nicht/nicht so tiefgehend/nicht so oft? Oder ist es womöglich doch Taktik? Weil ihr denkt, dass euch das (noch) interessanter macht? Macht mal den Mund auf. Zum Reden!                          

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Oh, Knutschen! Schönes Thema, weil schöne Sache. Meistens zumindest. In den Fällen, in denen es nicht so schön, weil auch fern aller Objektivität betrachtet irgendwie ein bisschen zu feucht und zu schleimig ist, ist deine Frage natürlich schnell beantwortet. Und zwar so: „Sorry, Typ, aber das kickt mich gerade alles überhaupt nicht mehr und schon bei der Vorstellung, jetzt dann auch noch mit dir zu schlafen, will ich sofort duschen!“ Aber das sagt ihr ja sicher auch, wenn euch der Speichel des Knutschpartners am Kinn runterläuft.  



In allen anderen Fällen ist die Lage etwas komplizierter. Manchmal, oft sogar, geht es uns wie euch: Knutschen, das ist bloß der erste Schritt in Richtung Rambazamba, es bringt uns in Stimmung. Gerne auch mal so „Ich hatte das jetzt gar nicht vor, aber als wir geknutscht haben, hat es in der Lendengegend zu kribbeln angefangen, drum würd‘ ich vorschlagen, wir machen da jetzt weiter“-mäßig. Aber „manchmal“ oder „oft sogar“, das ist eben nicht „immer“.  

Deine Beobachtung trügt dich also nicht. Bei euch scheint es eine immerfort aktive Verbindung zwischen Lippen/Zunge und Intimbereich zu geben – wenn man oben anklopft, macht unten jemand die Tür auf und dann soll man bitte auch reinkommen und Tee trinken, wäre ja unhöflich sonst. Aber bei uns gibt es Momente und Situationen (und alles mit Sex hat bei uns nun mal ziemlich viel mit Momenten und Situationen zu tun), in denen ist diese Verbindung unterbrochen. In denen ist Knutschen nicht das Vorspiel, sondern ein eigenes Spiel, ein kleines Match unter Freunden, um ein bisschen Spaß zu haben, aber ohne hinterher schweißnass vom Platz zu gehen. Knutschen, das ist dann eher so wie kuscheln, eine Zuneigungsbekundung, ein Wohlfühlmittel. Wenn wir allerdings nur so halb auf euer Angebot einsteigen, muss das auf euch natürlich so wirken, als hättet ihr was falsch gemacht oder als würden wir vielleicht doch nicht so recht zusammenpassen. Das sehe ich ein. Aber: Ist meistens gar nicht so. Manchmal haben wir einfach irre Lust zu knutschen. Einfach nur das, minutenlang. Vor allem, wenn wir einen Knutschpartner gefunden haben, der gut zu unserem eigenen Knutschverhalten passt. Das ist dann, um im Bild zu bleiben, eben nicht wie Anklopfen und Reingehen, sondern so, wie sich an einem sonnigen Nachmittag zufällig auf der Straße treffen, ein bisschen plaudern und danach geht jeder weiter seines Weges. Was ja nicht heißt, dass man beim nächsten Mal nicht doch mit zum Teetrinken kommt.  

Und, um dich noch kurz zu beruhigen: In den allermeisten Fällen ist das Knutschen-und-dann-nicht-Weiterwollen keine Taktik. Zumindest nicht von den Netteren unter uns. Klar, ich kann nicht ausschließen, dass es da die Gerissenen gibt, die ein bisschen mit der Macht spielen, die sie dadurch bekommen, dass eure Erregung sich, rein anatomisch gesehen, schlechter verbergen lässt als unsere. Aber meistens sind wir auf so was nicht aus. Das ist uns viel zu pseudofeministisch und maue-Beziehungskomödien-mäßig.  

Wenn wir allerdings echt nur knutschen wollen, finden wir es manchmal auch ein bisschen nervig, dass Knutschen für euch so selten nur Knutschen bleiben kann. Dass ihr, wenn wir uns noch nicht so gut kennen, eindeutige „Weitermachen!“-Signale gebt, die wir dann abwehren müssen, oder dass ihr, wenn wir uns schon gut kennen, „Waaah, wir müssen aufhören, sonst…“ sagt. Dann sind wir schon ein wenig enttäuscht, weil es grad so schön war. Aber na gut, ihr seid es dann ja auch. Klassische Lose-Lose-Situation, gell?

Text: elias-steffensen - Illustration: katharina-bitzl