Mädchen, warum dürfen wir bei einer Abtreibung nicht wirklich mitreden?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
hannes-kerber

Nein, liebes Mädchen, versprochen: Dein Bauch gehört Dir. Können wir trotzdem über Abtreibung sprechen? Einfach damit die männliche Position nicht von Steinzeit-Ideologen bestimmt wird? Weil wir keine Mammuts mehr jagen, hat sich unser Emotionshaushalt wohl verändert und es darf uns jetzt angehen, was ihr macht. Deshalb kann ein Mann Elternzeit nehmen, gleiche Rechte und die Quote fordern, ein verständnisvoller Partner und Vater sein. In einer coolen Beziehung dürfen beide alles. Nur der Mann darf in der Abtreibungsfrage keine Position beziehen, die über eine bedingungslose Unterstützung hinaus geht? Ich finde das problematisch. Aber ich habe keinen Lösungsvorschlag und bin mir dabei meiner Inkonsequenz bewusst: Denn ich kann aus meinem schlechten Bauchgefühl keine politische Position formulieren. Ich finde, es macht keinen Sinn, den Männern bei der Abtreibung ein Mitspracherecht einzuräumen. Wenn zwei sich streiten, gibt es ein Problem, denn ohne Mehrheit funktioniert keine Demokratie. Deshalb gehört der weibliche Bauch der Frau: Ihr Selbstbestimmungsrecht wiegt schwerer als die gemeinsame, unfreiwillig eingegangene Verpflichtung. Liebes Mädchen, wie soll sich ein Mann verhalten? Wie sollte ein Mann Zweifel an einer solchen Entscheidung mitteilen? Wenn er das nicht darf: Findest Du das in Ordnung? Wem hilft denn die männliche Verantwortungslosigkeit? Ein Mann, der seiner schwangeren Freundin mitteilt, er habe keine Kraft für ein Baby, lässt sie allein. Warum tut eine Frau, wenn sie dasselbe sagt, nicht genau das auch? Findest Du, dass die Männer in den Beratungsprozess eingebunden werden müssen? Führt das nicht wieder zurück zu Engelsmachern? Auf der nächsten Frage kannst du die Mädchenantwort lesen.


Okay, jetzt Klartext und ohne Ironie zum dahinter verstecken. Unser Bauch gehört uns. Vor 38 Jahren haben 347 Frauen im „Stern“ gesagt „Ich habe abgetrieben“ und damit Geschichte geschrieben. Der umstrittene Paragraf 218 wurde dahingehend geändert, dass Frauen nun straffrei ihre Schwangerschaft beenden durften, wenn es eine Indikation gab. So. Vergangene Woche hat das „Zeit Leben Magazin“ eine Geschichte über Männer gebracht, deren Partnerinnen abgetrieben haben und deren Perspektive aufgeschrieben. Und jetzt kommst du und willst wissen, was geht und was nicht. Ich kann dir – das vorweg – keine endgültige Antwort geben. Aber ich kann dir sagen, was ich denke: Du hast schon mit dem ersten Satz recht. Mein Bauch gehört mir und wenn zwei sich streiten, braucht einer eine Überhangstimme. Und weil es immer noch so ist, dass die alltägliche Verantwortung für die Kinder bei den Frauen liegt. Und weil sich das Leben der Frauen mit der Geburt eines Kindes immer noch komplett auf den Kopf stellt, während Männer – so sie das denn wollen – einfach so weitermachen können wie gehabt. Und weil in Deutschland 91 % der Alleinerziehenden weiblich sind. Und weil das alles also so ist und nicht umgekehrt, kann sich dieses ungerechte Stimmenverhältnis auch nicht ändern. Nun zum Verhalten. Ich kann da nicht aus eigener Erfahrung, sondern nur aus einem Bauchgefühl heraus sprechen. Aber ich stelle mir vor, dass natürlich jeder Mann unbedingt äußern soll, was er in dieser Situation fühlt und was er sich wünscht. Und wenn er sich für das Kind entscheiden würde - und zwar nicht aus einem romantischen Quatschbauchgefühl heraus, sondern nach mehr als zwei Sekunden Nachdenken - dann soll er das der Frau sagen. Aber er muss es aushalten, wenn die Frau sich das nicht vorstellen kann und die Schwangerschaft beendet. Ich denke auch, dass Männer in den Prozess einbezogen werden sollten, aber sie können nicht dazu verpflichtet werden. Denn das würde wiederum die Frauen in Schwierigkeiten bringen, die zum Beispiel eine Abtreibung vor ihrem Partner geheim halten müssen. Du siehst also, ich kann dir keine befriedigende Antwort geben. Ich denke aber, wir müssen uns damit fürs erste zufrieden geben oder anfangen, die bestehenden Verhältnisse umzukrempeln.