Mädchen, warum findet ihr eure Sommersprossen doof?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen. Diesmal gehts um sommerlichen Punktabzug.
max-scharnigg

Die Jungsfrage



Kaum ist die Sonne mal ein bisschen länger am Himmel, kaum traut ihr euch mal wieder im Sommerkleid aus der Tür, wird abends wieder länger vor dem Spiegel gestanden und kritisch geäugt: Pickel habt ihr natürlich keine, aber ein paar Pünktchen auf dem Nasenrücken, ein bisschen Farbe ist da, wo wir immer nur Augenringe haben. Sommersprossen. Statt euch Lieselotte-Pulver-mäßig drüber zu freuen, dass der Sommer euer Gesicht als persönlichen Stellvertreter ausgewählt hat, ist etwas zu vernehmen wie: „Urgh, jetzt habe ich schon nach einem Tag wieder so viele Sommersprossen.“ Alarmiert eilen wir sodann zum Nasenrücken um das Schlammassel zu begutachten und sagen pflichtgemäß: „Wieso, ist doch süß.“ Weil, das stimmt einfach, die Pünktchen sind süß und nicht mal annähernd so entstellend wie ihr tut. Sie sind, Achtung: frech, pfiffig, keck. Ich weiß, das sind alles Attribute die ihr ablehnt, aber heimlich finden dürfen wir sie schon noch. Außerdem kauft ihr doch sonst auch gerne alles mit Pünktchen, aber wenn sie euch in die Visage wandern, wäre das auf einmal ein Affront? Kapier ich nicht. Erklären!


Die Mädchenantwort



Heute haben sie sich zum ersten Mal in diesem Jahr gezeigt. Meine Sommersprossen. Prompt kam der erste auf mich zu und sagte: „Du hast da Dreck an der Wange.“ Aber wen kümmert das schon. Ich mag sie. Sie lassen einen natürlich und frisch wirken.  

Aber das mit dem Mögen war nicht immer so. Die Vergangenheit ist schuld. Es waren die Grundschulzeit, die großen bösen Jungs, die Sticheleien. Gehänselt wurden wir Sommersprossenträgerinnen für unsere kleinen süßen Punkte. Weil Kinder jeden hänseln, der etwas Besonderes an sich hat. Das ist brutal und gemein, aber eine Tatsache. Es sind die Momente in denen jemand „Streuselkuchengesicht“ zu uns sagte, die wir nie ganz vergessen haben. Wir standen hilflos da und versuchten die dämlichen Punkte abzukratzen oder zumindest die Kapuze ins Gesicht zu ziehen. Hauptsache der Idiot lässt endlich von uns ab.  

Es war eine Hassliebe. Beim Anblick in den Spiegel sahen wir Pippi Langstrumpf. Stark, frech und unabhängig. Die Piraten konnten kommen. Doch es waren wieder nur die großen bösen Jungs, die kamen und uns unser Selbstbewusstsein raubten.  

Die Zeiten sind seit der sechsten Klasse endgültig vorbei. Zum Glück. Es wird Zeit, dass wir unsere Sommersprossen lieben lernen. Die anderen tun es ja auch. Niemals würde ein erwachsener Mensch auf der Straße denken: „Oh mein Gott. Wie fürchterlich!“ Was kann schon mehr bezaubern als ein Gesicht mit süßen Sommersprossen und einem strahlenden Lächeln. Raus an die Sonne. Makellose Teints waren gestern. Einzigartigkeit heute!  

Doch, liebe Jungs, könnt ihr mir dagegen erklären, was das mit dem süß soll? Mit frech, pfiffig und keck gebe ich mich gerne zufrieden. Doch dieses süß? Irgendwann wollen wir endlich als Frauen wahrgenommen werden und nicht mehr durch Niedlichkeit bestechen. Merkt euch das bitte! 

Natürlich gibt es auch härtere Schicksale. Sara ist die bleichste Person dieser Welt. Im Sommer versteckt sie ihr Gesicht unter Hut, Mütze oder Tüchern. Wehe die Sommersprossen fangen an zu sprießen. Schaffen sie es durchzukommen, tummeln sie sich oberhalb ihrer Lippe und bestechen mit nettem Frauenbartcharme. Doch selbst bei ihr wäre eine Laserbehandlung Quatsch. Zum Glück weiß sie das auch. An besonders sonnigen Tagen begegnet sie der Gefahr einfach mit einer extra Portion Sonnencreme auf der entsprechenden Stelle. Kokain-Chic, Yeah!

lena-niethammer



Text: max-scharnigg - Foto: canziz /Photocase.com