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Ich weiß gar nicht, in welches Postfach diese Frage gehört: Ist es weibliche Anatomie, ist es angewandte Psychologie? Jedenfalls mache ich folgende Beobachtung regelmäßig im Schlafzimmer und am Badesee: Wenn ihr euer Oberteil ablegt, zieht ihr es nicht über den Nacken nach vorne, wie es der menschliche Schulter-Ellbogenapparat nahelegen würde und wie man ja auch einen Motorradhelm absetzt. Stattdessen überkreuzt ihr die Arme kunstvoll vor dem Bauch, greift mit den Fingerspitzen den Saum des Shirts und zieht ihn dann von unten nach oben über euren Kopf, sodass sich der Stoff wohlgeordnet von der Haut schält wie das Papier von einem Aufkleber.

Das verstehe ich nicht. Schließlich ist es doch eindeutig leichter, das T-Shirt von hinten nach vorne zu ziehen. Geht zweckmäßig schnell, verrenkungsarm und hat den Vorteil, dass das Hemd nicht mit der Innenseite nach außen endet sondern so, dass man es am nächsten Morgen oder nach dem Baden wieder auf dem selben Weg anziehen kann, ohne es erst zurück auf rechts wursteln zu müssen.

Es ist nicht so, dass uns diese kleine Performance nicht gefiele. Schließlich entblößt ihr ja mit dieser Überkreuztechnik durchaus anmutig zuerst den Bauchnabel, dann den BH, dann Achseln und Schulterpartie – und legt erst als krönenden Tusch am Ende das Gesicht frei. Hat dieser motorische Extraaufwand also dramaturgische Gründe? Oder hat das was mit euren Brüsten zu tun, die sonst im Weg wären? Wollt ihr mit dem sachten Abpellen Frisur und Makeup schützen? Oder dreht ihr eure Tops gleich schon beim Ausziehen auf links, um sie ohne Umwege in die Waschmaschine stopfen zu können? Wäre euch gewieften Multitaskerinnen ja durchaus zuzutrauen.

Auf der nächsten Seite: die Mädchenantwort von veronique-schneider.



Neulich war ich auf einer Geburtstagsparty in einem ehemaligen, erst kürzlich umgewidmeten Animierlokal. Dort trat – man bucht das beim Feiern in einem solchen Etablissement wohl automatisch als „Wir fühlen uns heute mal so richtig verwegen“-Kitzel mit dazu – um Mitternacht eine Stripperin auf. Sie tanzte um die Stange und irgendwann auch mit einem der anwesenden Herren, der mehr oder weniger freiwillig aus dem Publikum auf die Bühne gebeten wurde. Statt das, was zwischen der Stripperin und dem Um-eine-Ecke-Bekannten passierte, irgendwie erotisch finden zu können, stellten sich bei mir nur Instant-Fremdschamgefühle ein. Was dagegen tatsächlich heiß war – auch wenn es etwas abgebrüht-professionell daherkam: die anmutige Weise, mit der sich die Stripperin ihrer spärlichen Klamotten entledigte. (Hätte sie damit doch bloß nicht diese wohl nur von Sexshop-Betreibern für verführerisch befundenen Nippel-Hütchen freigelegt.)   

Nun streben die meisten von uns zwar keine Nightclub-Karriere an, aber selbstverständlich haben wir nichts dagegen, wenn ihr uns gerne dabei zuschaut, wie wir uns ausziehen. Ihr umgekehrt vermutlich auch nicht: Zumindest ich habe mir die Überkreuz-Technik nämlich nicht von Stripperinnen oder aus Filmen, sondern von einem Exfreund abgeguckt. Uns geht es dabei wirklich nur um den kleinen und angenehm subtilen Showeffekt, der sich so erzielen lässt. Seid ihr nicht dabei, dann wurschteln wir uns so unkompliziert wie möglich und unsexy wie nötig aus unseren Kleidungsstücken. 

Die landen dann zwar ebenfalls auf links gedreht auf sich hoch und höher türmenden Chaos-Haufen aus getragenen Klamotten. Doch das hat rein gar nichts mit Waschküchen-Effizienz zu tun, sondern passiert entweder aus Nachlässigkeit oder weil wir uns aus mancher hautenger Kleidung zwangsweise nur auf links schälen können: das Skinny-Jeans-Dilemma. Selten fühlen wir uns übrigens so unsinnlich und unserer Anziehungskraft beraubt wie wenn wir uns in eurer Anwesenheit einer solchen Pelle entledigen müssen. Wurst ist das Stichwort. Deshalb abschließend eine Bitte: Wenn wir uns selbst oder ihr uns das nächste Mal eine Jeanshülle von den Schenkeln pellen müsst, teilt uns gerne mit, wie wunderschön ihr uns findet. Das ist zwar immer höchst willkommen, aber in diesem kritischen Moment unserem Selbstwertgefühl ganz besonders förderlich. Wir hoffen zwar, dass unsere Mini-Showeinlage beim Entledigen unserer Pullover, Tops und T-Shirts den Pellvorgang halbwegs kompensieren kann - aber so ganz sicher sind wir uns da eben auch nicht.