Mädchen, was habt ihr mit diesem "Ich liebe dich"?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches versteht man einfach nicht, bei denen. Heute: ungeliebte Floskeln.
daniel-schieferdecker




Es gibt diese Szene im Film "Ghost", in der Demi Moore und Patrick Swayze verliebt die Straße entlang schlendern und übers Heiraten sprechen. Plötzlich entbrennt folgender Dialog.

Sie: "Liebst du mich?"
Er: "Na, was glaubst du denn?"
Sie: "Warum sagst du's mir dann nie?"
Er: "Wie, ich sage es nie?! Das tue ich doch die ganze Zeit!"
Sie wieder: "Nein, tust du nicht. Du sagst 'dito', und das ist nicht dasselbe."
Er dann: "Manche Leute sagen andauernd 'Ich liebe dich' und es bedeutet gar nichts."
Worauf sie antwortet: "Weißt du, manchmal muss man das einfach hören. Für mich ist das wichtig."  

Diese leidige Diskussion um die Bedeutung des Satzes "Ich liebe dich" für eine gut laufende Beziehung kommt uns Jungs tendenziell ein bisschen bekannt vor. Doch warum sind diese drei Worte für euch Mädchen so ungeheuer wichtig? Wir verstehen das nicht so ganz, und dafür gibt es verschiedene Gründe.  

Patrick Swayze deutet es im oben beschriebenen Dialog bereits an: Der Ausspruch "Ich liebe dich" wurde einfach totgenudelt. Sicher, auch wir Jungs sind uns der potenziellen Bedeutung dieses Satzes durchaus bewusst, doch der inflationäre Gebrauch dieser drei Worte hat ihn mittlerweile zur inhaltsleeren Kitsch-Floskel verkommen lassen - den romantischen Hollywood-Komödien und Kai Pflaume sei Dank.

"Ich liebe dich" ist mittlerweile eben nicht mehr die blaue Mauritius unter den Liebesbekundungen, sondern die selbstklebende 45-Cent-Briefmarke, die man am Postschalter nur noch im Zehnerblock bekommt. Eine sieht aus wie die andere, und ihr Wert für uns Jungs ist relativ gering. Er liegt bei ziemlich genau 45 Cent.

Natürlich lieben wir euch - deshalb sind wir schließlich mit euch zusammen. Der Beweis unserer Zuneigung euch gegenüber liegt also bereits in der Sache selbst. Daher gibt es aus unserer Sicht auch keine Notwendigkeit, uns den Grund für die Beziehung durch repetitives Rezitieren permanent aufs Neue ins Gedächtnis zu rufen. Ihr müsst wirklich keine Angst haben: Wir vergessen das schon nicht.  

Vielmehr erkennt ihr unsere Liebe in den kleinen Details: Zum Beispiel, wenn wir sonntagsmorgens trotz des Sommerregens losgehen, um beim Bäcker um die Ecke eure Lieblingscroissants zu holen, während ihr euch noch einmal umdrehen könnt.
Wir halten es da ein bisschen wie Max Herre, der ja auch einer von uns ist, und in seinem Stück "Weg von hier" die treffenden Zeilen singt: "Und ich weiß, für uns Zwei sind drei Worte viel / Es ist nicht das, was man sagt, es zählt das, was man dabei fühlt." Eben.  

Also, Mädels: Warum müsst ihr diese drei Worte manchmal hören? Klingt der Satz in euren Ohren nicht auch furchtbar abgedroschen? Und warum sagt ihr manchmal sogar solche Sätze wie: "Sag mir doch mal, dass du mich liebst!"? Viel unromantischer geht es doch nun wirklich nicht, oder?

Auf der nächsten Seite: die Mädchenantwort von paulina-hoffmann





Die Mädchenantwort von paulina-hoffmann:

Um es mal gleich vorwegzunehmen: Den Satz "Sag mir doch mal, dass du mich liebst!" habe ich noch nie in meinem Leben verwendet. Und ich glaube auch nicht, dass ich ihn jemals einem Jungen vor die Füße knallen werde. Denn wie du schon richtig feststellst, ist das nicht nur eine ziemlich unromantische Angelegenheit, sondern in etwa auch so zielführend, wie ein strenges: "Sitz!" bei einem Hundewelpen. Die Reaktionen belaufen sich dann meist auch nur auf einen irritierten Blick, in dem die Frage: "Was zur Hölle will sie bloß von mir?" deutlich zu lesen ist. Ich kenne auch kein Mädchen, die ein Liebesgeständnis ernsthaft schon einmal eingefordert hat. Auf Befehl will so etwas echt niemand hören.

Ein regelmäßiges "Ich liebe dich" von euch ist ja auch nicht das tragende Fundament unserer Beziehung. Und deshalb für viele von uns auch gar nicht soo furchtbar wichtig. Auch in Mädchenkreisen wird die Bedeutung dieser ach so magischen Formel durchaus kontrovers diskutiert. Grob zusammengefasst finden wir sie ein bisschen oldschool, mitunter ganz schön kitschig, aber manchmal eben auch einfach nur romantisch. 

Gut versteckt hinter der ganzen Emanzipations-Fassade schlummert dann halt doch in mancher von uns das verträumte Mädchen im Petticoat, das sich über Blumen am Valentinstag freut und ab und an diesen ganzen Hollywoodkram braucht. Und dazu gehören nun auch mal besagte drei Worte. Klar, vom inflationären Gebrauch – Amerika lässt grüßen – halten wir auch nichts. Der Typ, der in der U-Bahn beim Handy-Telefonat einem: "Hey ich bins. Kannst du nachher noch 'ne Packung Klopapier vom Einkaufen mitbringen? Jo, bin in zehn Minuten da. Bis gleich." noch schnell ein "Ich liebe dich." nach wirft, kassiert von uns nur einen abfälligen Blick. Und wenn wir beim Durchzappen sehen, wie Kai Pflaume im Helikopter mit einer in Tränen aufgelösten Frau über ein Kornfeld fliegt, in das ihr Mann mit der Sense ein: "I Love you" gemäht hat, schüttelt es uns vor Fremdscham und wir schalten schnell weiter.

Doch trotz aller Vorbehalte: Manchmal würden wir den Satz halt doch gern von euch hören. In der Phase, in der wir noch nicht so ganz sicher sind, ob ihr es ernst mit uns meint oder wir eher eine Art Dauer-Affäre sind, wirkt er wie ein Stempel, der die Beziehung zu euch verifiziert – so unsexy das auch klingt. Jetzt ist es also amtlich. Ihr findet uns richtig gut. Mit Gefühlen und allem drum und dran. Dass euch die Worte einiges an Überwindung kosten, ist dabei ja schon die halbe Miete des Liebesbeweises. Teilen wir mit euch dann bereits ein paar Jahre Bett und Alltag, erinnern sie uns trotz einschleichender Routine daran, welchen Stellenwert wir in eurem Leben einnehmen. Wenn ihr uns am Sonntagmorgen mit Croissants vom Bäcker überrascht, wissen wir das aber selbstverständlich auch zu schätzen. In diesem Fall finden wir eine Geste, die von Herzen kommt, auch viel besser als ein pflichtschuldiges "Ich liebe dich."

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