Die Jungsfrage

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Der Mädchenkörper, davon war ich bisher jedenfalls überzeugt, ist voll von erogenen Zonen. Angefangen beim Bauch, auf dem flinke Fingerspitzen ein kitzelndes Kribbeln erzeugen. Ein Kuss auf den Hals, in Feuchtigkeit und Saugkraft richtig dosiert, ist auch förderlich für die Ekstase. Dazu kommen die allseits bekannten sensiblen Stellen, geschlechtlich bedingt, und als Dreingabe das Zärtlichkeitsareal par excellence- nämlich das Ohr. Jetzt aber gerät mein Weltbild ins Wanken: Eine Freundin hat mich letztens, als ich ihr schwärmerisch von Mädchenohren als erogener Zone erzählt habe, entgeistert angeschaut und gleich in die Fetischistenschublade gesteckt. Da solle sich bei ihr mal jemand ranwagen, hat sie gesagt, dann wäre aber schnell wieder Schluss. Liege ich da vielleicht wirklich falsch? Ab einem gewissen Punkt beim intimen Kontakt halte ich es für eine gute Idee, mal sanft am Ohr des Mädchens zu knabbern oder es abzuschlecken. Diese Leidenschaft wurde mir auch noch nie zum Vorwurf gemacht. Im Gegenteil, beglücktes Lachen höre ich immer, wenn ich mal wieder hingebungsvoll eure Gehörgänge erkunde. Der aufgeklärte Junge von heute folgt so letztlich nur der Devise, jeden Teil an eurem Körper zu lieben- egal, wie groß oder zentral er ist- und die Summe aller Teile zum Vibrieren zu bringen. Die Ohrmuschel sehe ich dabei gewissermaßen als Sahnehäubchen; als kleines, wertvolles Schmuckstück, das von Zeit zu Zeit zärtlich gepflegt werden muss. Bevor die Sensoren unter mangelnder Beachtung verkümmern, habe ich das Ohrläppchen schon zwischen den Zähnen. Ich dachte, ihr wisst das zu schätzen; umgekehrt freue ich mich genauso, wenn Mädchenlippen mein Hörorgan für sich entdecken. Sollte ich eure Ohren in Zukunft einfach verschonen, weil das nur Langeweile und Befremden bei euch auslöst? Vorausgesetzt, es löst überhaupt etwas aus; ich gestehe, ich habe nie explizit danach gefragt. Also raus mit der Sprache: Was haltet ihr von Ohrenknabberern? Und was macht ihr mit unseren Ohren?


Die Mädchenantwort

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Das ist wirklich eine schwierige Frage, weil es gerade bei Sex und Erotik nicht die eine Antwort gibt. Und wahrscheinlich gibt es so viele verschiedene erogene Zonen, wie es Frauen auf der Welt gibt, weil da jede anders ist und andere Vorlieben hat. Und übrigens auch: mit jedem Partner andere und neue Körperstellen als erogene Zone entdeckt. Aber ich halte es mit den Ohren ähnlich wie deine Freundin: Ich kann es nicht leiden, wenn mir jemand am Ohr rumsabbert. Igitt. Ich bin sowieso kein Freund des feuchten Kusses und dann auch noch am Ohr – nein danke. Neulich habt ihr uns gefragt, wen wir imitieren, wenn wir einen Orgasmus vortäuschen und ob wir uns dabei an Filmszenen orientieren. Ich glaube, die Vorstellung, das Ohr sei eine erogene Zone, rührt genau aus solchen Filmszenen, in denen Humphrey Bogart Lauren Bacall am Ohr lutscht und sie sehnsüchtig schmachtend die Augäpfel verdreht und den Kopf in den Nacken legt. Oder aus einer Dr. Sommer-Antwort zur Frage: Wie funktioniert noch mal das Vorspiel und welche Stellen muss ich beachten? Da stand dann auch immer, dass das Ohr ganz wichtig sei. Ich denke bei Ohren aber sofort an Ohrenschmalz und kriege Panik, dass da welcher sein könnte, wenn ihr eure Zunge rein steckt und rechne nach, wann ich das letzte Mal Wattestäbchen benutzt habe und Mist, die sind ja gerade ausgegangen und ich habe beim Einkaufen schon wieder vergessen, welche zu besorgen und so weiter - und schwups ist all die schöne Erregung dahin. Deshalb will ich nicht, dass jemand an meinem Ohr lutscht und schon gleich doppelt nicht an fremden Ohren lutschen müssen. Aus ähnlichen Gründen hab’ ich’s auch nicht so mit Füßen – die sollen manche Menschen ja auch erotisch finden. Gegen Zärtlichkeiten ein paar Zentimeter tiefer, also an der Stelle am Hals direkt unterhalb der Ohren, habe ich allerdings nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil. Die Haut ist hier so dünn und empfindlich, dass ein Kuss auf diese Halspartie durchaus etwas zum Vibrieren bringen kann. Aber auch hier gilt: Bitte nicht zu feucht. penni-dreyer