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Dem Pulitzer-Preisträger Junot Diaz wurde vor kurzem in einem Interview als erste Frage: „Busen oder Hintern?“ gestellt. Diaz wurde in der Dominikanischen Republik geboren, in der die Männer wie in ganz Lateinamerika „Ass-Men“ sind. In den USA dagegen gelten bei den meisten Männern Titten als das wichtigste weibliche Merkmal. Und so teilt sich die ganze Männerwelt in „Ass-Men“ und „Boobs-Men“. Auch in Europa soll die Fixierung auf das Hinterteil vorherrschend sein, was zumindest der Autor selbst bestätigen kann. Nach dem Gesicht ist der Hintern das Körperteil, dem viele Männer die meiste Aufmerksamkeit zukommen lassen. Man könnte da jetzt versuchen, diese Zweiteilung wissenschaftlich zu fundieren. Zum Beispiel mit Freud: In den USA nämlich ist die ganze Bevölkerung oralfixiert. Deswegen essen die Amerikaner auch so viel und müssen ständig etwas im Mund haben. Brüste eignen sich da natürlich viel besser. Europäer und Lateinamerikaner sind in der analen Phase irgendwie besonders geprägt worden. Aber eine Studie, die das mal auf den Punkt bringt, gibt es meines Wissens nicht. Boobs, aber sagen die Ass-Men, sind billiger. Brüste sind In-your-face-Geschlechtsmerkmale und korrespondieren am besten mit blonden, auftoupierten Haaren und Botox. Eine richtige Boobs-Frau ist jemand wie Pamela Anderson: schon gut, aber eben auch billig. Hintern dagegen sind subtiler, eleganter und auf das Wesentliche konzentriert. Die Boobs-Men widerum unterstellen den Ass-Men eine latente Homosexualität, die sie nur zu feige sind auszuleben. Hintern haben schließlich Männer und Frauen, Brüste nicht. Eine Frau ohne Boobs, sagen die Boobs-Men, ist wie ein kleiner, feingliedriger Mann ohne Bart: mehr Männlein als Mann. Die Ass-Men sagen dagegen: Der passende Partner zur Boobs-Frau ist ein aufgemuskelter Vollprolet. Und außerdem haben die Ass-Men die Brasilianer auf ihrer Seite, die bekanntlich viel von Erotik verstehen. Dieses Land bescherte all den Ass-Men dieser Erde ein Kleidungsstück, welche den Hintern noch mehr Geltung verschaffte: Den String-Tanga. Letztlich ist das natürlich eine latent chauvinistische Debatte, die die Gesamtheit weiblicher Charakteristika verkennt. Der Schriftsteller Diaz antwortete auch, das sei eine schreckliche Frage. Seine Freundin aber meine, dass „der weibliche Po eine ungeheuerliche Anziehungskraft auf meine Augäpfel ausübe.“ Nur: Gibt’s so was bei euch auch? philipp-mattheis


„Ich steh’ ja total auf Hände“ – „Echt, nee, auf die Kuhle überm Steißbein kommt’s an, die muss ausgeprägt sein und sich dann nach oben hin zu breiten Schultern öffnen!“ – „Wenn der Übergang zwischen Hals und Schultern nicht kantig, sondern so sackartig fließend ist, dann hat er gleich verloren!“ – „Jungs, deren Bartwuchs eine andere Farbe hat als ihre Haarfarbe ekeln mich ja total an!“ – „Ey, was bei Männern gar nicht geht ist ja wohl eine hohe Stimme....“ – „Oder so kurze Michelin-Männchen Arme!“ – „Iih, und.....“ So läuft das ab, wenn ich mich mit Freundinnen über männliche Antörnsymbole unterhalte. Benannt wird in erster Linie, was nicht geht. Was gut geht, ist selten Thema. Anscheinend wissen wir es selbst nicht so genau. Und wenn, dann nur ganz akut: „Hast du die Fesseln von dem Typen gesehen, der gerade vorbeigeradelt ist? Wahnsinnig erotisch!“. Ihr seht: Wir Mädchen sind da anders gestrickt. Arsch und Muskeln – schön wär’s, aber so einfach ist das nicht. Wir können es aber mal probieren. Und auf den Hintern als gemeinsamen Nenner können wir uns da schon einmal einigen. Der ist ohne Frage beachtenswert – immerhin ist er (bestenfalls) das einzig "herausragende" Körperteil eurer Figur. Er darf nicht zu groß sein – kurvige, fast kissenhafte Hintern statten euch mit dem Nicht-Charme unbeweglicher Brauereipferde aus – und etwas Sportlichkeit muss ein guter Mann schon ausstrahlen. Auch darf der Po nicht zu lasch sein. Den ungesunden Hängehintern eines Hagerknaben möchten wir abends lieber nicht mit ins Bett nehmen. Das Schlimmste aber sind bei Männern wohl mit Abstand: Frauenhintern. Frauenhintern in dem Sinne, dass sie mit einem weiblich ausladenden Becken daher kommen. Das sieht hilflos missraten nach Kurven und Taille aus – und das geht mit dem männlichen Geschlecht übel zusammen. Beckenkurven sind uns vorbehalten. Bevor ich mich aber in der Polandschaft verliere: Wenn Weiblein-Arsch also Männlein-Arsch bleibt, was zur Hölle könnte euer Pendant für unsere Brüste sein? Spontan denke ich, dass es evolutionstechnisch muskulöse Arme und Beine sein müssten – so, wie euer Instinkt nach vollen Brüsten für hungrige Thronfolger verlangt, müssten unser Instinkt nach starken Gliedmaßen für den Schutz unserer zarten Familie verlangen. Aber so funktioniert das nicht. Dieses einfach Biologiebuch-goes-Lebenswelt-Gefasel hat noch nie vollends befriedigende Antworten geliefert. Die Wahrheit ist also: Wir wissen es auch nicht so genau. Einige von uns sind Po-Girls, andere Muskel-Girls. Aber mindestens genau so viele sind auch/oder/und Stimmen-Girls, Bart-Girls, Bauchnabel-Girls, Fessel-Girls und Zahnlücken-Girls. Es gibt Wangenknochen-Girls und Lippen-Girls, Schlüsselbein-Girls und Arm-Girls. Und bestimmt gibt es auch total direkte Schritt-Girls. Vor allem aber, und davon bin ich fast überzeugt, würde für die meisten von uns statt „Titten“ wohl „Humor“, „Geruch“ und/oder „Selbstbewusstsein“ neben „Arsch“ stehen. Ob ihr es uns glaubt oder nicht, aber: Die Erotik dieser drei Eigenschaften kehrt so manch körperliches Manko für immer ins Nirwana. mercedes-lauenstein