Mädchen, was soll der große Geldbeutel?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht bei denen.
jakob-biazza



Meiner:  



Helten:  



Stremmel:  



Und in meinem ist sogar noch mein Handy mit drinnen. Es geht um Geldbeutel. Und wie man sieht, werden wir bei diesem Thema eher spartanisch. Ein paar Scheine (wenn’s gut läuft), ein paar Karten (leider immer noch eher Krankenkassen- und Streifen- als Kreditkarte in einer besonderen Farbe), etwas Kleingeld. Ach so: Tankquittungen. Die schmiegen sich bei mir manchmal noch an die Scheine und wenn ich sie dann zu den Steuerunterlagen legen will, dann sind sie immer so ausgeblichen, dass man nix mehr lesen kann. Ende des Berichts.  

Bei euch hat der Geldbeutel hingegen oft Abmessungen, die haben Menschen in ärmeren Ländern manchmal kaum zum drinnen wohnen. Und Fächer habt ihr – da wirst du deppert so viele sind das! Und von keinem wisst ihr, was drinnen ist. Beziehungsweise wenn ihr andersherum etwas Bestimmtes sucht, habt ihr keine Ahnung, in welche Kammer ihr’s gestopft habt. Und dann macht ihr alle auf. Und immer fällt was anderes raus.  

Damit ihr mich nicht falsch versteht: Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass man viele Sachen mit sich herumträgt im (meistens doch etwas manischen) Glauben, man könne sie im Laufe des Tages bestimmt gebrauchen. Bei mir sind das manchmal mehrere Bücher auf einmal, obwohl ich im iPad eine ganze Bibliothek plus Zeitungen und Magazine dabei habe. Ich verstehe große Taschen, zum Umhängen und für unter den Arm. In allen Formen und Materialien. Wenn’s sein muss auch Farben.  

Große Geldbeutel verstehe ich nicht. Weil: Egal, wie groß sie sind, verglichen mit einer echten Tasche sind sie ja doch wieder sehr klein. Es passt nix rein. Also nichts jedenfalls, das man für den täglichen Kampf gegen zum Beispiel Langeweile, Kälte oder schlechte Frisuren einsetzen könnte. Oder doch? Wirklich intensiv durchwühlt haben wir eure Börsen nämlich noch nicht. Verbergen sich da am Ende gar spannende Geheimnisse drinnen? Dinge, von denen wir gar nichts ahnen? Gebt uns mal ein paar Einblicke.

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Wenn du mit so viel Empirie vorlegst, muss ich natürlich alles tun, um deine These zu unterstützen oder zu zerbröseln. Hier also das Fazit der Gegenseite (tatäää):

Meiner vs. Deiner




Man stelle fest, dass ich... du wohl ein bisschen Recht hast. Theorien, warum das so ist, wurden hier im Redaktionszimmer natürlich bereits aufgestellt. "Wollt ihr insgeheim Kellnerinnen sein?" rief der Kollege Helten rein. Kurz drüber nachgedacht. Eher nö. Also ich zumindest - meine einzige Kellnerinnen-Erfahrung endete allerdings auch mit einem Liter Orangensaft auf meinem bis dato weißen, neuen Tommy-Hilfiger-Poloshirt (ja, als ich 17 war, war das der heiße Scheiß). Trotzdem würde ich mir deshalb keine ausgeprägte Servierdesaster-Kompensation diagnostizieren.

"Braucht ihr mehr Platz für wahnsinnig wichtige, supergeheime Sachen?", fragst du. Ist bei mir allerdings auch nicht der Fall. Die Zeit der 183943 zerknitterten schwarz-weiß-Fotos aus dem Passautomaten im Geldbeutel ist vorbei und ein Foto von euch mit Geligel-Frisur vor dem hellblau-melliertem Hintergrund des Schulfotografen fällt glücklicherweise in eine noch grauere Vorzeit. Ansonsten sind in meinem Geldbeutel noch Tankquittungen, Belege für Sommerkleider, die ich vielleicht doch noch zurückgeben will und unfassbar viele Geldscheine, weil ich sehr reich bin. Okay, das letzte war gelogen.

Was das Mysterium des überdimensionalen weiblichen Geldbeutels vielleicht schon einmal ein wenig entschlüsselt, ist der Blick auf die dort einsortierten Karten. Auch wenn du behauptest, dort würde nichts hineinpassen, das einem sinnvoll die Zeit vertreibt - es passt zumindest einiges rein, was sie versüßt. Die Bonuskarten diverser Schuh- und Klamottenläden. Der Zettel mit der Gutscheinkarte vom Bäcker ("Das zehnte Brot ist gratis") und die Mitgliedsausweise diverser Fitnessclubs und Schwimmbäder, in die wir eh nie gehen. Natürlich müssten wir das alles nicht mit uns rumschleppen, es ist relativ unwahrscheinlich, dass ich heute im SZ-Glasturm noch ein paar Schuhe kaufe. Aber es gibt einem das Gefühl, theoretisch spontan zuschlagen zu können.

Zu guter Letzt ist das Hauptargument für den Riesengeldbeutel wohl doch eine Mischung aus Pragmatismus und Ästhetik: Im Gegensatz zu euch haben wir nämlich verstanden, dass Big-Mäc-dicke Portemonnaies auf Dauer die Hosentaschen ausleiern und es sich darauf auch nicht sonderlich gut sitzen lässt. Also haben wir irgendwann beschlossen, gar nicht erst zu versuchen, unsere Habe auf Hosentaschengröße zu reduzieren. Stattdessen kaufen wir uns Geldbeutel, die zwar größer, aber auch hübscher sind (mehr Platz für Design) und in denen man von Anfang an nichts zerknittern muss. Außerdem findet man sie besser in der Handtasche wieder - und die bekommt so endlich auch ihre tägliche Daseinsberechtigung.