Mädchen, wie nett sollen wir zu Eurem neuen Freund sein?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs, weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
johannes-siebold

Die Jungsfrage: Gesetzt dem Fall wir beide – also ein Junge und ein Mädchen – befinden uns seit einiger Zeit in einer stabilen Freundschaft. Wir hegen keinerlei amourösen oder sexuellen Interessen füreinander – wir verstehen uns einfach nur gut. Soll es ja geben. Und nun lernen wir euren neuen Freund auf einer Party kennen. Klingt alles problemlos, bringt uns aber in sozial höchst diffizile Gefilde. Wir reden jetzt nicht von einem grenzdebilen Honk oder einem Red-Bull saufenden Macho mit Anabolikaproblemen, sondern einfach von einem netten, durchschnittlich gut aussehenden jungen Mann, der meistens zwei oder drei Jahre älter ist als wir selbst. Er ist freundlich zu uns, er ist uns sogar sympathisch und wir ihm. Ist eigentlich auch klar, schließlich finden wir ja beide dieselbe Frau toll – wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise. Jetzt aber geht das Schlamassel los, weil wir folgende Möglichkeiten haben: 1. Wir unterhalten uns lange und ausgiebig mit eurem Freund. Wir verstehen uns ausgezeichnet, trinken zusammen drei Bier oder mehr und wir kommen langsam in den Modus, in dem wir Solidaritätsadressen austauschen: über das Leid der Männer, die Raffinesse der Frauen, über klassische Beziehungsprobleme – im Extremfall sprechen wir sogar über Sex. Plötzlich taucht ihr dann auf, gebt eurem Freund einen Kuss und freut euch, dass wir uns so gut verstehen. Eigentlich aber stört ihr gerade. 2. Wir wahren eine höfliche Distanz zu Eurem Begleiter, schütteln ihm die Hand, stellen uns vor und lassen auch einmal unsere Bierflaschen aneinander klirren. Mehr aber auch nicht. Fraternisierungstendenzen blocken wir ab, schließlich sind wir ja schon mit euch sororisiert. Wir suchen eure Nähe, lachen über eure Witze, fragen euch, ob ihr noch etwas trinken möchtet. Er ist die Nebenrolle und das geben wir ihm zu verstehen. 3. Wir tun nur so, als ob wir uns verstehen. Nach außen wirkt das harmonisch, doch in Wahrheit ist die maskuline Hengsterei längst im Gange. Wir erzählen ihm, wie lange und gut wir euch schon kennen, und was für eine tolle Frau ihr doch seid, und dass es ja ein Riesenglück sei, Euch zur Freundin zu haben. Er kontert, dass er ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr so vernarrt in jemanden gewesen sei und wie charmant er eure Lachfalten findet. In Fall 1 begehen wir einen großen Fehler, weil wir die Solidarität unter Männern über unsere Freundschaft stellen. Am Ende verstehen wir uns mit ihm besser als mit Euch. Ihr werdet uns das nicht verzeihen. In Fall 2 geben wir euch indirekt zu verstehen, dass wir euren neuen Freund für dämlich, langweilig und/oder unattraktiv finden. Das ist unhöflich. Und in Fall 3 verhalten wir blöd gegenüber eurem Freund. Schließlich fänden wir es ja auch ziemlich bescheuert, würde uns ein Typ etwas über die filigrane Eleganz eurer Zehen erzählen. Vielleicht sind wir in Wahrheit eifersüchtig. Wir kommen hier auf keinen grünen Zweig. Also, wie nett sollen wir zu eurem neuen Freund sein? Wie hättet es ihr am liebsten? Auf der nächsten Seite kannst du die Mädchenantwort lesen


Die Mädchenantwort: Jetzt mal ganz grundsätzlich gesehen, ist die Antwort auf diese Frage ja relativ klar. Wenn ihr unseren Freund kennen lernt, dann ist das ja ein Mensch, der eine sanfte Verliebungs-Hormonwelle in uns angeschoben hat. Ergo, einer der uns glücklich macht. In jedem Fall sollt ihr nett zu dem sein, was sonst? Wir sind auch nur Menschen, wir wollen unbedingt, dass sich die Männer in unserem Leben miteinander verstehen. Der neue Mann hat es da natürlich immer erstmal ein bisschen schwer, sich in der Besetzungsliste unserer Beziehungen zu Recht zu finden. Deswegen obliegt euch – den platonischen, vertrauten Kumpels – auch die besondere und verantwortungsvolle Aufgabe auf ihn zuzugehen. Allerdings! Übertreiben müsst ihr es ja auch nicht. Von wegen, ach ja, dann reden wir über Fußball, Philosophie und auch Sex. Schön, dass ihr euch gleich so gut versteht. Wir verstehen das ja, wir finden euch ja auch beide super und es kommt nicht oft vor, dass man einen Jungen trifft, mit dem man kann. Auch als Junge. Aber deswegen braucht ihr ja nicht gleich einen auf Sex and the City, tralala, machen. Jedenfalls nicht, wenn ihr mit uns so richtig gut und eng befreundet seid und vorhabt, das zu bleiben. Bei wem sollen wir uns denn sonst Rat holen, wenn es mit Traumboy irgendwann unweigerlich mal nicht so gut läuft? Es ist einfach so: Man kann nicht mit zwei Teilnehmern einer Beziehung gleich gut befreundet sein, das widerspricht den Gesetzen der emotionalen Physik! Da entstehen Hochspannungsfelder und Druckwellen telenovela-artigen Ausmaßes! Wir wissen das, wir wollen euch aber nicht abgeben, auch nicht an unseren Verliebtesten und deswegen hast du Recht: Wir würden euch diese Grenzüberschreitung in der Tat niemals verzeihen. Allerdings: Viel, viel schlimmer finden wir natürlich Variante zwei. Denn mit dem überschwänglichen Gehabe bringt ihr erstens unseren Freund durcheinander und zweitens uns. Wieso seid ihr jetzt auf einmal so komisch aufmerksam? Sonst wollt ihr auf Partys immer nur unsere hübsche Freundin vorgestellt bekommen oder mit der eigenen rummachen. Unser neuer Freund muss euer Gegockel als Angriff auf seine Souveränität interpretieren. Und wir fühlen das zarte Geflecht, das so eine geschlechtsübergreifende Freundschaft bei allem „wir verstehen uns einfach nur super“ doch oft darzustellen pflegt, also dieses zarte Geflecht kommt ins Wanken. Wir liegen dann Nachts wach, überlegen, was jetzt in euch gefahren ist und sind beim nächsten Treffen mit euch Hundertpro wesentlich fahriger als ihr uns kennt. Und zur Nummer drei sagen wir mit Bart Simpson einfach mal: „No way, José!“ Wir kennen zwar diese kleine Eifersucht, wir haben sie auch gegenüber euren Frauen. Aber die müsst ihr euch entweder verkneifen oder uns selbst gegenüber zum Ausdruck bringen. Außerdem manövriert ihr so nur die Freundschaft in die Bredouille. Wenn nämlich unser neuer Freund bei jedem Bier, das wir mit euch trinken gehen, sofort Verrat und Verführung wittern muss. Seid also loyal zu uns, freundlich zu unserem Mann, aber nicht gleich romantisch. Geht auf ihn ein, gebt ihm ein gutes Gefühl, aber vernachlässigt uns nicht dabei. Alles klar? Vielleicht bleibt ihr auf dem Rückweg vom Bierkasten auch einfach bei einer unserer Freundinnen stehen. Damit wir dann mit ihm mal wieder in Ruhe zum knutschen kommen. meredith-haaf

Text: johannes-siebold - und meredith-haaf

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