Mädchen, ist euer Körperbewusstsein besser als unseres?

Irgendwie haben wir das Gefühl, ihr habt uns da einiges voraus.
Von Niko Kappel und Sophie Aschenbrenner

Foto: Photocase Bearbeitung: jetzt

Liebe Mädchen,

es gibt da eine Sache, die uns immer wieder verwirrt: Wir haben das Gefühl, dass ihr eine andere, intensivere Beziehung zu eurem Körper habt. Dass ihr euch mit ihm besser auskennt als wir uns mit unserem. Ich spreche hier nicht von Cremes und Make-up und sonstigen Verschönerungs- und Pflegemaßnahmen. Sondern eher von anderen Dingen: Ihr merkt oft, wenn ihr krank werdet, wisst genau, welches Essen ihr vertragt und welches nicht, und ihr spürt, wenn euch mal wieder ein Pickel auf der Stirn sprießt, obwohl man den noch gar nicht sehen kann. Während wir es im Frühling selten schaffen, uns beim ersten Sonnenbad nicht direkt den Rücken krebsrot zu verbrennen, schmiert, cremt und pflegt ihr fleißig um die Wette. Schon früher habt ihr uns nach der Schule im Freibad eure Sonnencreme geliehen. Dieses Körperbewusstsein scheint also irgendwie schon in jungen Jahren in euch drin zu stecken. Woher habt ihr das?

Während wir durchdrehen, habt ihr immer eine Lösung parat

Liegt das auch daran, dass euer Körper mit Dingen zu kämpfen hat, die unserer gar nicht kennt? Ihr wisst zum Beispiel, dass sich durch eine Schwangerschaft euer Körper richtig krass verändern wird – zumindest für eine Zeit. Und wie wirken sich die Pille und eure Periode auf euch aus? Setzt ihr euch deshalb mehr mit eurem Körper auseinander? Und wisst ihr deswegen auch eher, was euch gut tut?

Denn es ist ja so: Wenn irgendwo irgendwas wehtut, dann habt ihr oft schnell eine Ahnung, woher das kommen könnten. Bei Bauchweh waren es die vielen Milchprodukte, bei Unterleibsschmerzen wisst ihr, dass ihr bald eure Tage bekommt. Woher kennt ihr den Unterschied? Intuitiv? Oder musstet ihr das auch alles erst mühsam lernen? Und geht ihr deswegen auch cooler mit euren eigenen Schmerzen um? Ich habe das Gefühl: Wenn wir mal erkältet sind, dann bricht für die meisten von uns direkt eine Welt zusammen – und ihr macht uns einfach einen Ingwertee. Während wir durchdrehen, habt ihr immer eine Lösung parat, auch für unsere Körper.

Sagt uns doch mal, warum ihr beim Thema Körperbewusstsein so viel weiter seid als wir. Was ist es, das euch zu Hausmittelchen greifen lässt, deren Namen wir nicht mal aussprechen können? Warum wisst ihr immer so schnell, was Sache ist? Heilt uns von unserem Unwissen!  

Eure Jungs

Die Mädchenantwort:

Liebe Jungs,

neulich hatte ich einen Knoten in der rechten Brust. Erst bin ich ziemlich erschrocken, meine Frauenärztin hat mich dann aber beruhigt: Spätestens nach meiner nächsten Periode sollte sich das verhärtete Gewebe wieder zurückbilden. Sie hatte Recht. Seitdem kam der Knoten noch zwei Mal wieder – als ich das letzte Mal meine Tage hatte, aber nicht. Ich erzähle euch das hier, um zu zeigen: Unser Körper verändert sich, und zwar ständig, unabhängig vom Altern und den üblichen Schwankungen von zwei Kilo mehr oder weniger – also den Dingen, mit denen ihr ja auch konfrontiert seid. Unsere Tage, die Pille, eine Schwangerschaft, all das wirkt sich auf unseren Körper aus, innerlich und äußerlich. Deswegen habt ihr vielleicht Recht: Er ist uns bewusster.

Ihr habt das Thema Menstruation ja schon angesprochen. Manche von uns bekommen vor der Periode Pickel, bei anderen kündigen sich die Tage durch Unterleibsschmerzen an oder durch pochendes Kopfweh. Währenddessen fühlen sich manche Frauen unwohler als sonst, sind emotionaler oder einfach ein bisschen schlechter drauf. All das führt dazu, dass wir uns mit unserem Körper auseinandersetzen – bewusst und unbewusst. Wir wissen, wieso die Haut wieder unrein ist, dass gegen diese Kopfschmerzen Tabletten sowieso nicht helfen, gegen die Krämpfe im Unterleib aber eine Wärmflasche. Für jede Frau funktioniert etwas anderes. Was das ist, wissen wir nicht intuitiv, sondern finden es mit der Zeit immer besser heraus. Alleine, im Gespräch miteinander, im Gespräch mit Ärzt*innen. Und: All die Auswirkungen der Periode auf unser Äußeres und Inneres bleiben ja auch nicht unser Leben lang gleich. Früher hatte ich vor den Tagen zum Beispiel starke Bauchschmerzen, dann Kopfweh. Gerade habe ich meistens Glück – und gar keine Schmerzen. Mal schauen, wie das in drei Jahren ist.

Wir sind es gewohnt, auf Signale in unserem Körper zu achten

Ein weiterer Faktor, der sich krass auf unseren Körper auswirkt, ist die Pille, die ja doch ziemlich viele von uns nehmen oder eine Zeit lang genommen haben. Freundinnen von mir haben Haarausfall bekommen, als sie das Hormonpräparat nach vielen Jahren abgesetzt haben. Manchen geht es körperlich jetzt viel besser – dafür ist die Akne am Rücken zurück. Andere haben stärkere Stimmungsschwankungen, dafür aber mehr Lust auf Sex. Viele nehmen hormonbedingt ein paar Kilo ab oder zu. All das müssen wir akzeptieren, damit müssen wir umgehen. Wir sind das gewohnt und achten intuitiv auf Signale in unserem Körper. Denken darüber nach: Will ich hormonell verhüten und mit den Konsequenzen leben? Oder lieber nicht? Deswegen achten wir vielleicht insgesamt mehr darauf, was unser Körper uns gerade sagen will – und wir wissen, wie sich Stresskopfschmerzen anfühlen und wie Prä-Menstruations-Kopfschmerzen. Haben mittlerweile die eine Creme, die wirklich halbwegs gegen den Periodenpickel hilft. Und kochen uns bei Unterleibsschmerzen sofort den einen Tee, der besonders guttut.

Wahrscheinlich sind wir offener für sogenannte Hausmittelchen, weil wir insgesamt schon mehr ausprobiert haben – zum Beispiel gegen Bauchkrämpfe. Und wir geben euch gerne von unserem Ingwertee ab, wenn ihr erkältet seid und leidet. Von unserer Sonnencreme übrigens auch. Ob wir die wirklich konsequenter verwenden als ihr, weiß ich zwar nicht, vielleicht ist das Eincremen für uns aber zumindest selbstverständlicher.

In diesem Sinne: Verbrennt euch nicht den Rücken!

Eure Mädchen

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