Wie sollen wir euch begrüßen?

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Die Jungsfrage:

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Nachdem ich betrunken in der letzten S-Bahn eingeschlafen war und sie mich um drei Uhr nachts mit dem Auto von der Endstation abgeholt hatte, umarmte mich Claire zum Abschied das erste Mal. Das war die Adelung der ersten Freundschaftsetappe zwischen Claire und mir. Ab dann war klar: Zur Begrüßung und zum Abschied umarmen wir uns – immer. Etwa zwei Jahre später haben wir uns dann allerdings in der Arbeit täglich und eben nicht mehr wöchentlich zum Kaffee gesehen. Ab dann wurde es wieder schwierig: Umarmt man sich in einer platonischen Beziehung wirklich zwei Mal täglich? Das führt zu der allgemeinen Frage: Wie begrüßt man Mädchen überhaupt richtig? Weil ich doch befürchten muss, dass sie beleidigt sind, wenn ich es falsch mache, aber ich muss meistens entscheiden, wie es gemacht wird. Bei Jungs folgt das Begrüßungsritual einer einfachen Regel: Wenn er nicht auswandert oder in den Knast muss, werde ich ihn sicher nicht umarmen. Bei Mädchen ist das anders, oder? Also: Welche Regel kann ich befolgen? hannes-kerber Die Mädchenantwort:

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Ich dachte immer, dass es Jungs egal ist, wie sie ein Mädchen begrüßen, aber es ist schön zu wissen, dass ihr wenigstens manchmal darüber nachdenkt. Es ist aber falsch zu glauben, dass der Junge meistens entscheiden muss, wie das Begrüßungsritual vollzogen wird. Es sind doch die Jungs, die sich dabei lieber zurückhalten und abwarten; die beste Taktik, wenn sie unsicher sind. Aber woher kommt diese Unsicherheit? Ich habe noch keinen Jungen geköpft, wenn er mir die Hand gereicht hat, statt mich zu umarmen. Ich kenne auch kein Mädchen, das so etwas tut. Mädchen werden gerne von guten Bekannten gedrückt. Im Prinzip gibt es sie also gar nicht, die falsche Art ein Mädchen zu begrüßen. Solange ihr es auf eine freundliche Weise tut und ihr ein paar Regeln einhaltet. 1. Der Händedruck. Er sollte nur im Anfangsstadium der Bekanntschaft angewendet werden. Aber übertreibt oder untertreibt es dabei nicht. Ich mag weder das Gefühl einen toten Fisch in der Hand zu haben noch gebrochene Finger nach einem Händedruck. 2. Die Umarmung. Sind zwei Menschen bei der Umarmung angekommen, sehen alle endlich: Die sind gut befreundet! Damit will ich zeigen, dass ich einen Kumpel wirklich mag. Ihr braucht nicht denken, dass ich mich von jedem drücken lasse. Das ist ein Privileg. Von da an dürft ihr mich jederzeit gerne zur Begrüßung und zum Verabschieden in die Armen nehmen. 3. Das Busserl. Der nächste Schritt in der Hierarchie der platonischen Beziehungen. Einige Mädchen lieben es, ich kann es nicht ausstehen. Aber wenn es denn sein muss, ist ein einzelnes Busserl eindeutig zu wenig. Das sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt. Das Bussi-auf-beide-Backen-geben ist die allgemein beliebteste Methode, also, bitteschön, dann eben auf diese Weise. Mit drei Bussis will ich gar nicht erst anfangen, denn da schafft ihr es immer wieder euch zu verzetteln und am Ende knallen nur die Nasen aneinander. 4. Das Vergessen. Das Wichtigste ist: Vergesst niemals ein Mädchen begrüßen! Ich frage mich dann sofort, ob ihr aus irgendeinem Grund sauer seid. Zwar müsst ihr uns nicht in großen Gruppen jedes bekannte Mädchen umarmen, hier genügt auch eine allgemeine Begrüßung. 5. Und wie ist es bei der Arbeit? Wenn wir uns schul-, studien- oder jobbedingt täglich sehen sollten, glaubt nicht, ich warte nur darauf, von euch dauernd in die Arme geschlossen zu werden. Ich habe keine Lust, jedes Mal, wenn ich einem guten Kumpel auf dem Gang zur Toilette begegne, eine Umarmungsorgie zu veranstalten. Es genügt schon, wenn ihr nett lächelt und euch ein „Hi“ über die Lippen kommt.

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