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Philipp Lahm: "Es ist kein Fehler, höflich zu sein"

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In Stellenanzeigen wird von Bewerbern einiges verlangt: Teamfähig sollen sie sein, flexibel und zuverlässig. Doch wie wichtig sind Schlüsselqualifikationen im Job wirklich? Wir fragen bekannte Persönlichkeiten. jetzt.de: Philipp, ist es unhöflich, wenn ich Du sage? Philipp Lahm: Nein, selbstverständlich können wir uns duzen. Kannst du dir vorstellen, weshalb wir ausgerechnet dich zum Thema Höflichkeit befragen? (lächelt wissend) Ich glaube, weil ich ein Elternhaus genossen habe, das mich gut erzogen hat. Das bezweifele ich nicht, aber es hat natürlich mit deinem Ruf zu tun, dass du immer nett und freundlich bist. Stört dich das Image des netten Schwiegersohns? Es stört mich überhaupt nicht, weil ich glaube, dass es kein Fehler ist, höflich zu sein. Ganz im Gegenteil: Es ist etwas sehr Positives. Für mich gehört es einfach dazu, Danke und Bitte zu sagen. Ich bin so erzogen worden und kenne das nicht anders. Wirst du als "hofierter Star" im täglichen Leben überhaupt noch mit Unhöflichkeiten konfrontiert? Absolut, ich mache diese Erfahrung jeden Tag aufs Neue am Trainingsgelände. Wenn erwachsene Fans ein Autogramm von mir möchten, drängeln sie sich oft vor die Kinder. Das finde ich sehr unhöflich. Und es ist leider nicht selbstverständlich, dass sich die Fans für das Autogramm bedanken.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Philipp Lahm, 25, spielt seit 1995 beim FC Bayern München und hat 56 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft bestritten. Bekannt ist Lahm auch für sein soziales Engagement: Im Jahr 2007 gründete er die Philipp-Lahm-Stiftung und versucht, sozial benachteiligte Kinder zu fördern. Im vergangenen Jahr erhielt er den Tolerantia-Preis der Maneo für seinen Einsatz gegen Intoleranz und Homophobie im Fußball. Kürzlich startete sein neuestes Projekt, das "Philipp Lahm Sommercamp". Höflichkeit und Fußball: Passt das zusammen? Doch, ich glaube schon, dass das zusammenpasst. Man hat zwar auf dem Platz immer einen Gegner, aber nach dem Spiel gibt man sich die Hand - zumindest dann, wenn nichts Großartiges vorgefallen ist. Und wenn mich ein Spieler der gegnerischen Mannschaft um mein Trikot bittet, dann kriegt er das auch. Ist deine freundliche Art auch eine Strategie, um mit dem Ruhm und dem Trubel um deine Person besser klar zu kommen? Nein, so bin ich einfach. Aber du bist dir doch sicher bewusst, dass du dadurch wenig Angriffsläche bietest? Trotzdem ist das keine Strategie. Für mich ist es einfach normal, freundlich zu sein. Wenn ich zum Beispiel in einen Raum komme, dann stelle ich mich erstmal mit meinem Namen vor und das erwarte ich dann auch von meinem Gegenüber. Wie gesagt: So bin ich erzogen worden, für mich ist das völlig normal. Trotzdem muss es doch Situationen geben, in denen auch du mal so richtig ungemütlich wirst, oder? Natürlich, aber höflich zu sein und mal ungemütlich zu werden, sehe ich nicht als Gegensatz. Man kann kritisch sein und dabei trotzdem höflich bleiben. Das ergänzt sich sehr gut, finde ich. Schon mal richtig pampig geworden? (lacht) Sicher gibt es Situationen, in denen das so war. Aber wenn man merkt, dass man einen Fehler gemacht hat, muss man sich hinterher dafür entschuldigen. Eine Sache finde ich sehr bemerkenswert: Wie schaffst du es, trotz der immer gleichen, häufig etwas dämlichen Fragen der Reporter unmittelbar nach dem Spiel, so ruhig zu bleiben? Du hast Recht, die Interviews direkt nach dem Spiel sind natürlich die emotionalsten und deswegen auch die schwersten. Gerade nach Niederlagen bin ich oft noch sehr aufgeladen, aber es gehört eben zu meinem Beruf dazu, in dieser Situation die Ruhe zu behalten, sachlich zu bleiben und zu informieren. Euer neuer Trainer beim FC Bayern, Louis van Gaal, ist nicht gerade für seinen freundlichen Umgangston bekannt. Darfst du den Trainer eigentlich duzen? Nein, ich sieze den Trainer. Ich finde das auch sehr gut so, weil es einfach einen natürlichen Abstand zwischen Trainer und Spieler gibt. Es stimmt übrigens nicht, dass Louis van Gaal ein unfreundlicher Mensch ist. Er hat sich zum Beispiel mit Namen bei uns Spielern vorgestellt und das hat dann auch jeder einzelne Spieler getan. Natürlich wusste jeder, wie der neue Trainer heißt, aber das gehört eben zur Höflichkeit dazu, finde ich. Kann man Höflichkeit lernen? Das Elternhaus spielt natürlich die wichtigste Rolle. Wenn man schon als Kind Höflichkeit vorgelebt bekommt, dann übernimmt man das auch als Erwachsener. Wer nicht gelernt hat, Danke und Bitte zu sagen, wird sich später schwer tun, das noch zu lernen. Für den Beruf des Fußballers ist Höflichkeit aber trotzdem keine Schlüsselqualifikation, oder? Es ist natürlich schon so, dass der Umgangston auf dem Platz etwas rauer ist. Es ist dann eine andere Art, miteinander zu sprechen, als in der Kabine. Alleine die Distanzen auf dem Platz erfordern ja, dass man lauter miteinander reden muss, auch mal schreit, sich ärgert und die Wut raus lässt. Als Außenstehender entsteht da natürlich der Eindruck, dass auf dem Platz eine sehr raue Umgangsart herrscht. Spätestens in der Kabine werden die Dinge dann aber wieder sachlich geklärt. Das ist sehr wichtig. Deine fußballerischen Qualitäten stehen außer Zweifel, aber hat dir auch die freundliche Art auf dem Karriereweg geholfen? Ich glaube, das hat keine große Rolle gespielt. In erster Linie zählt ganz klar das Fußballerische. Aber ich glaube, dass man es im Leben und auch im Beruf leichter hat, wenn man höflich ist. In der heutigen Berufswelt wird häufig vom Ellbogen-Prinzip gesprochen. Hat Höflichkeit an Bedeutung verloren? Man sollte immer höflich bleiben, aber es ist ganz klar, dass man sich im Beruf auch durchsetzen muss. Bei mir war das auch so: Ich musste meine Ellbogen ausfahren, um gegen andere Spieler zu bestehen. Man muss dafür aber nicht link sein, man kann trotzdem versuchen, offen und freundlich zu bleiben. Welche Schlüsselqualifikationen sind noch wichtig, um im Beruf erfolgreich zu sein? Ohne Ehrgeiz wird man es nicht weit schaffen. Aber nur wenn man an seinem Beruf Spaß hat, ist Ehrgeiz eine positive Eigenschaft, die dich weiterbringt. *** Alle bisher veröffentlichten Folgen der Jobkolumne findest du hier.

Text: andreas-glas - Foto: Philipp Lahm Sommercamp

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