Wien: Von Eitrigen Würsten, Möbelcafés und Naschmärkten

Bester Plattenladen: Rave Up (6.
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Bester Plattenladen: Rave Up (6. Bezirk, Hofmühlgasse 1), Substance (7. Bezirk, Westbahnstr. 16), Black market (Gonzagagasse 9, 1. Bezirk) Bester Platz für Rendezvous: Schwierige Entscheidung. Da wäre das Kaffeehaus „Café Westend“ direkt am Westbahnhof: Wenn's nicht so optimal läuft, kann man seinen Kummer in einer Melange mit Obers ertränken oder gleich den Zug nach Nirgendwo besteigen. Oder der „Baumkreis am Himmel“ in Grinzing. Da stehen 40 Bäume herum, von denen jeder mit einem per Bewegungsmelder startenden Lautsprecher ausgestattet ist. Das hat bei Nacht einen Hauch von Grusel, gerade genug, um das Mädchen in des Jungen Arme zu treiben, gerade nicht so viel, dass sie wirklich schaudernd nur noch nach Hause will. Oder das Café Möbel in der Burggasse 10 im siebten Wiener Bezirk. Da könnte man im Falle des Erfolgs die Möbel für die zukünftige Wohnung gleich kaufen. Bester Club: Gute Konzerte und Partys gibt es im Flex (1., Donaukanal, Abgang Augartenbrücke). Vorher lässt es sich ein wenig flussaufwärts in der Strandbar Herrmann Cocktails oder Biere schlürfen. Auch gut zum Feiern ist das B72 (8., Hernalser Gürtel, Stadtbahnbogen 72), gute Musik zum guten Getränk hat’s im Tanzcafe Jenseits (6., Nelkengasse 3). Soundtrack zur Stadt: Die Platten der Band Heinz aus Wien. Die sind zwar seit dem Weggang von Bandmitglied Lelo in neuer Formation unterwegs, was aber nicht weiter stört, wenn man mit ihrem Sound auf den Ohren durch die Stadt radelt. Radeln lässt es sich dank des wirklich funktionalen und günstigen City-Bike-Systems in Wien übrigens auch für Touristen ohne eigenes Gefährt hervorragend. Die Fahrräder warten an gut über die Innenstadt verteilten Stationen. Für eine einmalige Gebühr von einem Euro meldet man sich an und hat dann für eine Stunde freie Fahrt. Jede weitere Stunde kostet einen weiteren Euro. Buch zur Stadt: Heimito von Doderers „Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre“ für die Liebe, alles von Thomas Bernhard für den Hass auf diese Stadt, oder „Garp“ von John Irving, das die zuvor in einer US-Zeitschrift veröffentlichte Geschichte der „Pension Grillparzer“ enthält. Unwahrer Mythos: Mozart liegt auf dem Zentralfriedhof gleich gegenüber Beethoven begraben – wo sich Mozarts tatsächliches Grab befindet, weiß niemand.

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Illustration: Julia Schubert

Hotel Sacher, Foto: AP Obskurster Brauch: Wiener sitzen ganze Tage in Kaffeehäusern mit unfreundlichen Kellnern, lesen dabei Zeitungen und gehen am Abend mit dem guten Gefühl nach Hause, ihr Tagwerk vollbracht zu haben. Stadtteil, den man kennen muss: Den 7. (Neubau), den 8. (Josefstadt) und den 6. (Mariahilf) Bezirk. Die Bezirke sind schneckenförmig um die Altstadt (1. Bezirk) angeordnet. Dazu noch das Museumsquartier. Das ist zwar nicht ganz ein Viertel, kennen muss man es trotzdem, weil es einer der wenigen Plätze auf dieser Welt ist, wo Herumhängen und Bier Trinken in so stilvoller Umgebung und lümmeliger Großgemeinschaft betrieben wird. Wo man sonst noch gewesen sein sollte: Auf dem Naschmarkt, Wasabinüsse probieren. Die sind da aus irgendeinem Grund seit ein paar Monaten der heiße Shit, und jeder Standschreier meint, sie einem andrehen zu müssen. Sind aber auch lecker. Das Theater am Alsergund in der Löblichgasse. Klein nett, mit gutem Kabarett, unter anderem wurde hier das aktuelle Programm von Josef Hader uraufgeführt. Momentan wird dort übrigens eine Thekenkraft gesucht. Wichtigster Satz: „Eine Eitrige mit Kren!“ Das isst man dann. Schmeckt aber gut. Und ist eine gegrillte Wurst mit geschmolzenem Käse drin. Wahlweise auch „A Eitrige mit an Buckl“ oder - Vorsicht, jetzt wird’s echt appetitlich – „a Neig’wichste“ genannt. Naja. Satz, mit dem man sich zum Deppen macht: „Alfred Polgar hat ja schon gesagt, das Kaffeehaus sei für Leute da, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.“ (Alfred Polgar war ein viel zu oft erwähnter Vorzeige-Kaffeehaustheoretiker.) Was man niemals tun sollte: Mit dem Fiaker durch den Prater fahren. Und zur Trambahn Trambahn oder gar Straßenbahn sagen. In Wien heißt das Bim. Das sagen die anderen: „In Wien wird man alt geboren, und wer sich nicht sehr anstrengt, bleibt Zeit seines Lebens ein reifer Mensch.“ (Georg Hauptfeld, Historiker) Schlimmste Phrase: „Der Schanigarten ist der Biergarten Wiens“ – das stimmt nämlich nicht. Mit „Schanigarten“ kann schon ein wackeliger Holzstuhl bezeichnet werden, der vor einer Kneipe auf die Straße gestellt wird. Unnütze Information: Ende der 90er Jahre beschwerte sich ein Wortführer der FPÖ, der Partei von Jörg Haider, über die Ansiedlung von Mufflons im Lainzer Tiergarten: ausländische Schafe hätten in einem typisch Wiener Tiergarten nichts zu suchen. Und trotzdem gibt es dort Mufflons. Wann sind alle Einwohner besoffen: Oft, denn wie heißt es so schön: „Hast du ein’ Rausch mal dort, weißt du’s sofort: Das muss ein Stück vom Himmel sein, Wien und der Wein, Wien und der Wein.“ Dämlicher Superlativ: Die Wiener Philharmoniker nahmen bis 1997 keine Frauen auf – als einziges Orchester der Welt. Die verhassten Provinzler: Alle, aber besonders die Burgenländer, weil sie nah sind und deshalb oft kommen. Uni-Fach, das es nur dort gibt: Nederlandistik Lebenswerteste Sache, die die Stadt hervorgebracht hat: Der öffentlich-rechtliche Jugendsender FM4 mit den besten Moderatoren Grissemann und Stermann. Und für Dosenpfanddeutsche: Das Ottakringer Radler. Einwohner: 1,7 Millionen Wie viele Freibäder: 17. Bestes: Arbeiterstrandbad an der alten Donau. Hochrangigstes öffentliches Verkehrsmittel: Die U-Bahn holt auf, aber die Trambahn, tschuldigung, Bim hat immer noch das beste Netz. Wie viele Eisdielen: 93? Wie viele Parks: 45 Durchschnittsmiete: 5,80 EURO kalt pro Quadratmeter Durchschnittstemperatur: 11,4 C° Sonnenstunden im Jahr: 1850 Fußballclub: Rapid Wien, Austria Wien, aber was heißt das schon in der österreichischen Bundesliga? Hinweis: Die Orte aus diesem Beitrag sind auf der Landkarte von Kenn-die-Stadt eingetragen. Hier geht's direkt zur Karte.

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