Die jetzt.de-Kettengeschichte, Teil 25

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Was bisher geschah: Anna jobbt an der Tankstelle und haut mitten in der Nachtschicht ab - zum Mensch-ärgere-dich-nicht-Turnier, bei dem ihr Schwarm Gerwin Gewinner antritt. Doch dort sperren Gerwin und die alte Liesel Maier Anna auf einem Dachboden voller berühmter Kunstwerke ein. Annas Chef Paul taucht auf, um Anna zu retten. Er kennt die Entführer schon aus seiner Zeit als illegaler Kunsthändler - die drei haben gemeinsam Kunstwerke gestohlen, die magische Kräfte haben, unter anderem ein ägyptisches Totengott-Amulett. 
In einer Parallelrealität hat Anna inzwischen einen Roman namens "Nachtschicht" gelesen und wurde in die Geschichte hineingesogen. Ihre Freundin Rana gerät in die Fänge der Entführer, Ranas Freundin Bernhard wird ermordet. Anna und Paul flüchten vor dem Chaos in die Tankstelle. Doch mit dem Totengott-Amulett haben Gerwin und Liesel eine Zombie-Armee heraufbeschworen. Paul und sie werden von einem fliegenden Einhorn gerettet, das sie schließlich in der Nähe eines verlassenen Bauernhauses absetzt. Dort taucht Wendy Wendepunkt auf, die zuvor schon einmal für eine Wendung in der Geschichte gesorgt hat...und Anna erwacht in einer Redaktion als Autorin einer Kolumne namens "Nachtschicht"...

Alle vorigen Teile der Kettengeschichte kannst du hier nachlesen. Und hier kommt Teil 25 von jetzt-User Niklas1702.

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Illustration: Julia Schubert


„Wo zur Hölle denken Sie sind wir hier eigentlich Fräulein Anna?" brüllt der übergewichtige Redaktionsleiter und stemmt die Fäuste in seine ausladenden Hüften, sodass tellergroße Schweißflecken unterhalb seiner Achseln zum Vorschein treten.
„Sie können ihre Sachen packen und gehen! Raus mit Ihnen! Ob Sie Ihren Schönheitsschlaf auf der Straße ebenso auskosten können, frage ich mich?! Ich glaube kaum!" poltert er mit hochrotem Kopf und zupft sein äußerst knappes, durchweichtes Hemd zurecht.  

„Aber...ich wollte doch nur..." stottert Anna mit zitternder Stimme.  

„Gar nichts wollten Sie, rein gar nichts junges Fräulein. Und jetzt raus, bevor ich mich vergesse!" donnert er in Richtung der kleinen, zierlichen Anna.  

Den Anflug einer Träne unterdrückend erhebt sich Anna von Ihrem Schreibtisch, greift nach einem kleinen Pappkarton und beginnt hastig, ihre Habe in das Behältnis zu räumen.
Nachdem sie das wichtigste beisammen hat, greift Anna nach Ihrem dunkelblauen Mantel, wirft ihn über ihre Schulter und stürmt mit gesenktem Haupt, vorbei an gleichgültigen, kalten, ausgelaugten Gesichtern glotzender Journalisten, durch die Redaktion Richtung Ausgang.
„Lassen Sie sich ja nicht wieder blicken", wettert der Redaktionsleiter ihr genüsslich hinterher.

Anna stürmt die Treppen des Hochhauses hinunter, lässt einen verdutzt dreinblickenden Wachmann hinter sich, rammt die pompösen Eingangstüren auf und sinkt im Mondschein einer kühlen Sommernacht verzweifelt zu Boden. Das Gesicht unter von Schweiß und Tränen verklebten Haaren versteckt sitzt Anna auf den nackten, grauen Steinplatten im Schatten des gewaltigen Glasgebäudes und zweifelt an der Sinnhaftigkeit ihres gesamten bisherigen Tuns. Sie ahnt, dass sie nun allein ist. Völlig allein. Dieser Gedanke, hat er Anna zuvor doch sooft eine freudige Erregung verschafft, fügt ihr nun ein angstvolles Frösteln zu.  

Plötzlich fühlt sie, dass sie nicht mehr allein ist. Sie spürt einen Schatten auf ihrem gesenkten Rücken und plötzlich ertönt eine kräftige, dunkle Männerstimme: „Wissen Sie, ich habe vor noch nicht allzu langer Zeit gelesen, dass eine langwierige Liaison mit kaltem Steinboden zu gänzlich unerwünschten Erkrankungen führen kann."
Anna erschrickt beim Klang der Stimme und hebt langsam den Kopf. Ihre Augen, geblendet vom Licht der Laternen, vermögen zunächst kaum etwas zu erkennen. Doch als sie sich an das grelle Licht gewöhnt hat, erblickt sie einen Mann, der ihr, in gehockter Stellung, freundlich lächelnd seine Hand entgegen streckt. Verschreckt mustert Anna den Fremden von Kopf bis Fuß. Er trägt ein graues Sakko, ein weißes Hemd mit schwarzen Knöpfen, sowie einen grauen Hut und scheint in seinen Dreißigern zu sein.

Noch bevor sie einen weiteren Gedanken fassen kann streckt der Mann die Hand etwas weiter vor und ein einladendes Grinsen breitet sich über sein gesamtes Gesicht aus, das ihr klar werden lässt, dass dieser Mann schon einige Jahre älter ist, als sie zunächst vermutete.
Seine außergewöhnlich, aber warme Ausstrahlung und die lachenden Fältchen um seine Augen verleihen ihm den Anschein einer zeitlosen Jugend. Obwohl Anna den Mann zuvor noch nie gesehen hat greift sie seine Hand. Der Mann richtet sich auf und zieht Anna sanft, aber kraftvoll mit sich in die Höhe. Anna steht nah vor Ihm und blickt durch den Schein der Laterne in seine leuchtend grünen Augen.
Da flüstert sie: „Wer bist du?" 

Du willst wissen, wie es weitergeht? Teil 25 der Kettengeschichte erscheint am 16. Oktober.


Text: jetzt-redaktion - Illustration: Yinfinity

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