Die jetzt.de-Kettengeschichte, Teil 31

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Was bisher geschah: Anna jobbt an der Tankstelle und haut mitten in der Nachtschicht ab, um ihren Schwarm Gerwin Gewinner zu treffen. Doch Gerwin entpuppt sich als Verbrecher und er und seine Komplizin, die alte Liesel Maier, sperren Anna auf einem Dachboden ein. Annas Chef Paul, der sie retten will, kennt die Entführer schon - die drei haben gemeinsam Kunstwerke gestohlen, die magische Kräfte haben. 

In einer Parallelrealität hat Anna inzwischen einen Roman namens "Nachtschicht" gelesen und wurde in die Geschichte hineingesogen. Ihre Freundin Rana gerät in die Fänge der Entführer, Ranas Freundin Bernhard wird ermordet. Anna und Paul flüchten in die Tankstelle, werden von einer Zombie-Armee bedroht und von einem fliegenden Einhorn gerettet...

...und Anna erwacht in einer Redaktion als Autorin einer Kolumne namens "Nachtschicht", wird aber gefeuert. Vor dem Redaktionsgebäude trifft sie auf einen geheimnisvollen Fremden und auf Gerwin - als Kapitän eines Raumschiffs. Anna wird ohnmächtig und wacht im Haus ihrer Urgroßtante auf. Dort bekommt sie die Möglichkeit, zu einem beliebigen Punkt der Erzählung zurückzuspringen und landet wieder in der Redaktion, die sie arbeitslos verlässt. Ihre nächste Mission: die Welt retten!

Alle vorigen Teile der Kettengeschichte kannst du hier nachlesen. Und hier kommt Teil 31 von jetzt-Userin EmEngels.

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Illustration: Julia Schubert


"Ach Mensch, Anna. Pack doch mal dein Leben an, anstatt weiter herum zu fantasieren."

Annas Mitbewohnerin Vera Vernunft schaut besorgt aus, als Anna sie fragt, ob sie als Medizinstudentin ihr vielleicht dabei helfen kann, eine Lösung für die Ebola-Krise zu finden.

"Ich weiss, es ist ein Schock, dass du den Job als Kolumnistin verloren hast. Aber ganz ehrlich: Ich habe bei den ganze Scheinwelten, die du erfunden hast, nicht mehr durchgeblickt und einen roten Faden gab es auch nie wirklich. Kein Wunder, dass du da auf deiner Tastatur eingeschlafen bist. Und jetzt auch noch die Welt retten? Ach Anna, ich mache mir echt Sorgen um dich. Was ist denn aus Deinen ganzen Wünschen und Träumen geworden?"

In der Badewanne (da kommen ihr immer die besten Ideeen) lässt sich Anna die Worte von Vera noch einmal durch den Kopf gehen. Sie hat Recht. Die Kolumne war sowieso nur ein Kompromiss dessen, was Anna wirklich erreichen will. Sie hat fünf unbezahlte Praktika absolviert, die Redaktion eine Schülerzeitung geleitet und sich seit Jahren mit Nebenjobs durchgeschlagen, um vielleicht eines Tages genug als freie Journalistin zu verdienen. Dass Anna den IS-Terror nicht mir einem Anruf stoppen kann, ist ihr genauso klar, wie die Tatsache, dass die Beseitigung der Ebola-Seuche oder des Ukraine-Konflikts nicht in ihrem Ermessen liegt. Schließlich ist Anna weder Molekularbiologin noch eine einflussreiche Politikerin. "Als Journalistin kann ich die Welt vielleicht nicht verändern", denkt Anna, "aber ich kann zumindest meinen Mitmenschen einen kleinen Teil unserer recht komplexen, nicht immer gerechten, aber trotzdem ziemlich schönen Welt veranschaulichen."

Anna schaut sich ihre Weltverbesserungs-Liste noch einmal an, reißt dann die Seite aus ihrem Block und schreibt eine neue To-Do-Liste: Annas Masterplan.

1. Lebenslauf aufbessern
2. In einem Motivationsschreiben verdeutlichen, warum der Journalismus mich braucht
3. Job als Redakteurin angeln
4. Vielleicht doch etwas Geld für "Ärzte ohne Grenzen" spenden, um bezüglich der Ebola-Problematik mein Gewissen zu beruhigen

Anna kann in dieser Nacht kaum schlafen. Sie ist zu aufgeregt. Der Regen prasselt gegen ihr  Dachbodenfenster und ihr Kater Tommi, den sie vor zwei Jahren halb verhungert von der Straße gerettet hat, stolziert unruhig auf ihrem Bauch herum, springt vom Bett und wieder zurück aufs Bett. Nachdem Anna etwa eine Stunde lang statt Schafen Tommis Sprünge aufs Bett gezählt hat, schläft sie endlich ein.

"Aaaannaaaa, wie soll ich denn hier mein Gemüse für meinen grünen Smoothie schneiden?" Vera Vernunft, noch ganz durchgeschwitzt vom Joggen, versucht, sich Platz auf dem Küchentisch zu schaffen. "Ich gehe meine alten Artikel für meine Bewerbung durch", erklärt Anna und schaut von dem Chaos aus alten Zeitungen auf, welche sie auf dem Tisch ausgebreitet hat. "Ich habe dafür schon Kaffee gemacht." Vera will gerade eine Diskussion mit Anna eingehen. Als Ordnungsfreak macht Annas "kreatives Chaos" ihr manchmal zu schaffen. Nach all dem jedoch, was in letzter Zeit in Annas Leben passiert ist, kann Vera ihrer Mitbewohnerin nicht böse sein. "Danke, echt lieb von Dir. Und super zu sehen, dass Du wieder aktiv an Deiner Karriere arbeitest."

Nachdem sie ein paar Stunden durch ihre Artikel gegangen ist, welche alle Höhen und Tiefen des Regionaljournalismus (von neuen Schafbabys über das Grevenbroicher Schützenfest bis hin zu politischeren Themen wie etwa den Vorstandswahlen des Grevenbroicher Seniorenvereins) abdecken, beschließt Anna, sich einen Streusel-Apfelkuchen vom Bäcker zu gönnen. Schnell zieht sie sich einen Mantel über und hofft, dass es nicht allzu offensichtlich ist, dass sie noch ihren Schlafanzug drunter hat. Doch noch bevor sie das Haus verlassen kann, klingelt ihr Handy. Schlämmer-Redaktion, zeigt der Bildschirm an. "Euhm, hallo? Herr Schlämmer? Wie geht es Ihnen?"

"Du Anna, hier ist die Steffie. Herr Schlämmer ist wegen einer Leberzirrhose im Krankenhaus. Hör zu, wir brauchen Dich hier.

Du willst wissen, wie es weitergeht? Teil 32 der Kettengeschichte erscheint am 27. November.


Text: jetzt-redaktion - Illustration: Yinfinity

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