My Bonnie Is Over The Ocean

Die schönsten Kinderlieder - gesungen haben wir sie alle. Aber haben wir sie auch richtig verstanden? Tobias Peter analysiert den Soundtrack der Spielplätze und Jugendgruppen.
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Heute: My Bonnie Is Over The Ocean Darum geht’s: Das Leben ist grausam. Denn wir hatten einen Scheiß-Tag und bräuchten jetzt dringend jemanden, der uns zuhört. Der uns in den Arm nimmt. Und der uns dann einen unwässrigen Kuss gibt (ansonsten könnten wir ja auch den Hund nehmen). Wir haben jetzt wirklich dringend jemanden nötig, der uns mit Freude im Gesicht an den etwas zu dicken Hintern packt und uns mal wieder so richtig anständig zwischen den zu dünnen Beinen streichelt. Pech gehabt! Denn der Drecksack, der sich vor sieben Monaten erfolgreich um den beschriebenen Posten beworben hat, findet seine innere Mitte auf einer Segelreise um die Welt. Oder aber er legt für sein Theologie-Studium ein Auslandssemester in Tennessee ein. Macht ein Praktikum in Finnland. Arbeitet in einem Kibbuz für den Weltfrieden. Denkt nur an sich, das egoistische Arschloch! Das Leben ist widerlich. Das Leben ist eine Fernbeziehung.

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Illustration: Julia Schubert

Warum wir dieses Lied gesungen haben: 6. Klasse. Große Fahrt nach Buntenbock, Hohegeiß oder Weihenschladen – wie immer das Kaff mit dem Landschulheim hieß. Nach den Abenteuern des Tages (Staudamm im Dorfbach bauen, Mittagessen, roten Tee trinken, Gruppenduschen, mit Kai-Uwes Unterhose fangen spielen) war das Singen am Lagerfeuer aus der Sicht der Lehrerschaft der natürliche Höhepunkt. Alle machten mit. Denn wer sich weigerte, hätte kein Stockbrot bekommen – und etwas anderes gab es nicht zu essen. Hunger ist stärker – erst kommt das Fressen und dann der Musikgeschmack. Um nicht völlig uncool zu wirken, haben die Jungs darauf bestanden, nur englische Lieder zu singen. Death Metal konnte Herr Meier-Süper auf seiner Akustik-Gitarre leider nicht spielen. „My Bonnie“ hatte immerhin einen Vorteil: bis auf Bonnie kannten wir die Übersetzung der Worte. Heute wissen wir: Lieber trennen. Mit anderen pennen. Text, der genauso gut zur Melodie passt: Lied vom kleinen Mädchen, das ihr wunderbares Pony ganz doll lieb hat: “My pony is down at the butcher’s. My pony means so much to me. My pony is down at the butcher’s. Oh bring back my pony to me. Bring back, bring back, oh bring back my pony to me – to me. Bring back, bring back, oh bring back my pony to me. Last night as I lay on my pillow, last night as I lay on my bed, last night as I lay on my pillow, I knew that my pony was dead. Bring back, bring back, oh bring back my pony to me – to me. Bring back, bring back, oh bring back my pony to me. Oh I gonna kill that butcher. I’ll hang his parts up on a tree. Oh I gonna kill that butcher. And he’ll taste like sugar to me.”

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