Bald kommt der erste Film aus Egoshooter-Perspektive

"Hardcore Henry" sieht gut aus. Ist aber auch ganz schön anstrengend.

Henry wacht auf, schaut runter auf seinen blutbespritzten Körper und seine weißen Boxershorts, schaut weiter auf seine schöne, langhaarig-blonde Frau Estelle, bekleidet mit einem weißen Kittel. Sie hat ihn gerade wiederbelebt. „Hey Henry. Erinnerst du dich, wie du hier hergekommen bist?“, fragt sie ihn, bevor sie ihm seine Unterschenkelprothese anlegt. Dann geht die Action los. 

Am 8. April sollten Fans von Call of Duty ins Kino gehen: Da gibt es 90 Minuten Action aus dem First-Person-View zu sehen. Der Film „Hardcore Henry“ von Regisseur Ilya Naishuller ist der erste Film, der komplett aus dieser Perspektive gedreht wurde. Die Zuschauer sehen nur das, was Henry mit seinen eigenen Augen sieht – so, als würden sie selbst durch die den Film laufen. Den Helden selbst bekommen sie wahrscheinlich weniger zu Gesicht.

Henrys Perspektive wurde beim Dreh von zwölf (!) Stunt-Männern verwirklicht, die sich GoPro-Kameras um den Kopf geschnallt haben und über Hängebrücken gerannt sind, zu Boden geschlagen und von Bösewichten verfolgt wurden.

Der Film spricht mit seiner besonderen Ästhetik vor allem die Kinogänger an, die mit Ego-Shootern wie Call of Duty, Counterstrike und Co. aufgewachsen sind. Er zieht den Zuschauer noch direkter in die Handlung als ein normaler Actionfilm. Mit den Augen des Helden sehen: Mehr Dabeisein geht eigentlich nicht.

Und bei den meisten im Publikum dürften die Finger wohl mehr als einmal zucken, bereit, selbst auf den Abzug der Waffe zu drücken, um Henrys Gegnern den Kopf wegzuballern. Explosionen und Blut gibt es auf jeden Fall zu Genüge zu sehen. Und immer, wenn der Held ins Gesicht geschlagen wird (was allein im Trailer schon ziemlich oft passiert), kriegt der Zuschauer selbst eine rein. Henry ist eigentlich fast immer in Bewegung, daher sind die meisten Bilder extrem verwackelt. Das verlangt einem ganz schön Konzentration ab. Betrunken sollte man den Film wahrscheinlich nicht anschauen, sonst übergibt man sich ziemlich sicher. Vielleicht hat es schon auch seinen Grund, warum es so lange dauerte, bis jemand diese Perspektive für einen kompletten Film gewählt hat. 

soas 

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