Das Klamottenpaar der Woche: Kerstin und Brett aus New-York

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

[i] Fotos: Christian Mutter [/i] [b] Kerstin, 28, arbeitet für eine NGO, die sich für Menschenrechte einsetzt [/b]

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

[i] Die Jacke ist von "Salomon" und uralt. Muss aber wohl mal um die 100 Dollar gekostet haben. Den Pullover darunter hat Kerstins Mama gestrickt. Die Jeans sind von "Uniqlo" und haben 50 Dollar gekostet. Kerstin hat sie in einem japanischen Laden in New-York gekauft. [/i]

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

[i] Die Ohrringe sind ein Geschenk. [/i]

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

[i] Sneakers: 80 Dollar, Onitsuka Tiger. Die Socken sind von Target. [/i]

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

[i] Tasche: 2 Dollar, second hand. [/i] [b] Ist dir Mode wichtig? [/b] Mode nicht, aber Style. Von Catwalk-Mode habe ich wenig Ahnung, sie hat eher etwas mit Kunst zu tun als mit meinem Leben. Aber ich mache mir schon viele Gedanken darüber, was ich anziehe – auch wenn ich morgens nur 15 Minuten habe, bevor ich aus dem Haus stürmen muss. Ich habe einen sehr zeitintensiven Job, der mir kaum Zeit und Kraft für kreative Hobbys lässt. Klamotten sind also die einzige Möglichkeit, mich auszudrücken. [b] Du hast erzählt, dass du in Williamsburg wohnst - einem Viertel, dem man nachsagt, die Geburtsstätte globaler Trends zu sein. Dort habe ich mich vorher nach einem Klamottenpaaar umgeguckt und bin mit leeren Händen weiter nach Coney Island gezogen, weil ich fand, dass die Menschen in Williamsburg ziemlich uniformiert aussahen. [/b] Ich kenne den Vorwurf, dass die Über-Individuen aus diesem Viertel wie aus der Retorte ausschauen. Für Außenstehende mag das tatsächlich so wirken, ein Insider sieht aber durchaus Unterschiede. Man darf nicht gewöhnlich Maßstäbe an Williamsburg anlegen, es ist eine ganz eigene Kultur. Du musst dir das so vorstellen: Es gibt gewisse Rahmen, innerhalb deren man kreativ sein kann. [b] Wäre es ganz ohne Rahmen nicht irgendwie besser? [/b] Mag schon sein. Ich versuche jedenfalls ein Early Adopter in meinem Viertel zu sein. Letzten Monat habe ich die ganze Zeit weiße Strümpfe getragen, in der Hoffnung, dass der Trend zündet. Hat aber nicht geklappt. Vielleicht auch besser so. [b] Warum? [/b] Helle Strumpfhosen stehen nicht jedem, besonders nicht dicken Beinen. Wenn ich grell bestrumpfte Stampfer sehe, denke ich jedes Mal: Hier überwiegt der Wunsch aufzufallen, ganz klar die Vernunft. Auf der nächsten Seite: Brett mit der Elvistolle


[b] Brett, 22, Fotograf [/b]

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

[i] Jeans: 98 Dollar, J.Crew Hemd: 16 Dollar, Koto [/i]

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

[i] Auf das Jackett (35 Dollar, second hand) ist Brett besonders stolz. Der Verkäufer hat ihm erzählt, dass es die Originaluniform der Schweizer Armee sei. Ob es stimmt, hat Brett nie nachgeschaut, weil er die Illusion nicht kaputt machen will. [/i]

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

[i] Tasche: 150 Dollar, Fossil. Gekauft auf einem Flohmarkt in Brooklyn [/i]

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

[i] Sattelschuhe: ergattert für 35 Dollar beim Schlussverkauf von Urban Outfitters [/i]

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

[i] Der Haarschnitt kostet Brett jeden Monat 42 Dollar. [/i] [b] Mal ehrlich: Wie lange brauchst du morgens, um dich fertig zu machen? Und wie viel Zeit geht für die Haare drauf? [/b] [b] Brett: [/b] Alles in allem mindestens 45 Minuten, ohne Duschen aber mit Zähneputzen. Zehn Minuten davon brauche ich für die Frisur. Mein Haarschnitt ist eines meiner wichtigsten Accessoires, er ist wie ein guter Hut. Und ich weiß, diese Frage liegt dir auf der Zunge: Ja, meine Frisur ist von Elvis inspiriert. Ich mag den Rockabilly Look und suche seit Ewigkeiten nach einem Originalanzug aus den 50ern. [b] Wie viel Geld gibst du im Monat für Klamotten aus? [/b] Etwa 400 Dollar, aber ich versuche, mich zu zügeln. Diesen Monat werden es aber leider wohl eher 600 sein. Ich bin vor kurzem von Nashville, Tennessee, hierher gezogen und leide seitdem ein bisschen an Minderwertigkeitskomplexen. Besonders Brooklyn ist ziemlich furchteinflößend, man fühlt sich ständig wie ein Landei. Niemand mustert dich zwar unverblümt, aber man spürt, wie sich Passanten gegenseitig heimlich beäugen. Es ist ein ziemlicher Jahrmarkt der Eitelkeiten. Aber ganz unter uns: Ich mag das irgendwie. [b] Würdest du dich denn selbst eitel nennen? [/b] Nicht unbedingt eitel, eher fixiert auf Ästhetik. Mein persönliches Credo ist: Style ist etwas, was dir Selbstvertrauen schenkt, was dich gut fühlen lässt. Ich schau mir sehr gern Menschen an, die Mühe und Kreativität in ihre Outfits stecken. Ich bilde mir ein, ein Gespür für Schönes zu haben und drehe mich auch schon zwei Mal nach gut angezogenen Mädchen um. Ich denke mir dann Geschichten über sie aus und würde sie am liebsten alle fotografieren. [b] Nach welchen Mädchen drehst du dich denn am häufigsten um? [/b] Nach denen mit Heels und rotem Lippenstift.

  • teilen
  • schließen