Das Klamottenpaar der Woche: Markus und Isabella

Irgendwas muss man ja anziehen: Ein Mädchen und ein Junge verraten uns jede Woche, was sie anhaben und was das gekostet hat. Außerdem sprechen sie über Fehlgriffe oder darüber, was ihnen Kleider bedeuten. Sie sind unser Klamottenpaar der Woche und diesmal auch in echt zusammen.
michele-loetzner

Markus ist 25 und studiert Medizin, gerade macht er ein Praktikum in einer Praxis.

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Illustration: Julia Schubert

Hemd: 50 Euro, Hose: 1000 Schwedische Kronen (aus dem letzten Urlaub in Göteborg), Weste: 100 Euro, Schal: 3 Euro (aus einem Kram-Laden in Tampere)

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Schuhe: 180 Euro

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Tasche: 250 Euro (in einem Laden in der Schweiz selbst zusammengestellt)

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Brille: 5 Euro

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Illustration: Julia Schubert

Gürtel: Quasi-Erbstück von Mama Weißt du jetzt schon, was du als Nächstes kaufen wirst? Ich brauch unbedingt eine neue Tasche. Die hier fällt in ganz naher Zukunft auseinander, was echt total schade ist. Die Tasche habe ich mir vor sechs Jahren in der Schweiz selbst zusammengestellt und damals hat sie eine Schweinekohle gekostet. Dafür hat sie jetzt aber auch superlang gehalten, obwohl ich sie jeden Tag dabei habe. Mein Lieblingsstück eben! Wann waren Deine Klamotten zum letzten Mal so richtig dreckig? Meine Mutter hat ein Haus in Finnland geerbt, na ja eher ein Mökki (Mischung aus Haus und Hütte Anm. d. R) und dessen Dach haben wir vor ein paar Wochen neu decken müssen. Danach waren meine Klamotten total versaut vom Ziegelstaub und Bohrdreck. Aber dafür gibt’s ja Waschmaschinen – auch in der finnischen Wildnis. Gibt es etwas, das du an anderen Leuten gar nicht sehen kannst? Flipflops! Die wenigsten Leute haben schöne Füße. Davon abgesehen watschelt man damit zwangsläufig wie eine Ente. Schon von Weitem hört man das imaginäre „Flatsch – Flatsch“. Gibt es ein Kleidungsstück, das bei dir Erinnerungen weckt? Der Gürtel, den ich trage. Der gehört eigentlich meiner Mutter. Meine Mutter ist Finnin und kam vor 30 Jahren nach Deutschland, um hier zu arbeiten. Der Gürtel ist ein Geburtstagsgeschenk ihrer damaligen Arbeitskolleginnen. Den hat sie im ersten Jahr bekommen, das sie hier verbracht hat. Hast du eine Schmerzgrenze, wenn es um Klamotten geht? Natürlich. Allerdings denke ich mir, dass Qualität eben meistens auch teuer ist. Damit meine ich nicht, dass man irgendwelchen Bling-Bling-Designern nur wegen ihres Namens das Geld in den Rachen schmeißen muss. Aber dass ein Paar Schuhe vom Schuster teurer sind als die vom Wühltisch, ergibt sich ja automatisch durch den Arbeitsaufwand, der nötig war, um sie herzustellen. Wie viel Paar Schuhe hast Du denn dann zu Hause? Vier Paar. Das reicht auch. Da ist für jeden Anlass was dabei. Unterscheidest du zwischen Privat- und Arbeitskleidung? Das kommt auf die Arbeit an. Im Moment mache ich Praktikum in einer Praxis und da ist es natürlich selbstverständlich, dass ich versuche, mit dem, was ich trage, seriös zu wirken. Hat ja schließlich keiner Lust, sich von einem ungepflegten oder verrückt gestylten Arzt behandeln zu lassen. Damit würde ich meine eigene Autorität untergraben. Immerhin bin ich als Praktikant völlig neu für die Patienten. Die können mich also auch erstmal nur äußerlich beurteilen, weil sie ja nicht wissen, ob ich kompetent bin oder nicht. Gerade alte Leute sind viel zu schnell verschreckt, wenn sich etwas an ihrer Umgebung ändert. Die sind sowieso schon skeptisch, weil „so ein Junger“ bestimmt nix kann.


Isabella ist 20 und studiert auch Medizin.

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Illustration: Julia Schubert

Hose: 19,90 Euro

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Tasche: ein Geschenk von Markus.

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Oberteil: 100 Euro, allerdings runtergesetzt von gigantischen 250 Euro.

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Illustration: Julia Schubert

Schuhe: 50 kanadische Dollar aus einem Laden in Calgary, wo Isabella ein Austauschjahr verbracht hat. Weißt du noch, was du zuletzt gekauft hast? Klar, weiß ich das. Das war das Oberteil, das ich gerade trage. Das war von gigantischen 250 Euro runtergesetzt auf 100 Euro. Also, es ist ja echt schön, aber 250 Euro ist ein bisschen größenwahnsinnig. 100 Euro waren eh schon Schmerzgrenze. Was war dein peinlichstes Klamottenerlebnis? Mir ist vorletztes Silvester die Hose beim Tanzen gerissen. Aber ich war so blau, dass ich mich darüber gar nicht aufgeregt habe. Ich habe mir einen Schal umgebunden und weitergetanzt. Erst am nächsten Morgen hab ich gemerkt, dass der Riss doch größer war, als mir das im Rausch bewusst war. Du studierst auch Medizin, teilst du Markus’ Meinung bezüglich Arbeitskleidung? Mit der Seriosität hat er auf alle Fälle recht, allerdings haben wir ja mit unserem Arztkittel eine recht dankbare Arbeitkleidung. Manchmal ist es ganz gut, dass man durch den Kittel die Modeverbrechen darunter nicht sehen kann. Wenn jeder einheitliche Kleidung tragen muss, versucht man sich dann trotzdem irgendwie abzuheben? Natürlich, während meiner Praktika habe ich da auch ganz bestimmte Tricks festgestellt. In Amerika ist es ja zum Beispiel so, dass die Länge des Kittels etwas über die Stellung des Arztes aussagt. Wie rum das funktioniert, weiß ich jetzt nicht mehr auswendig, aber auf alle Fälle, erkennt man an der Länge und am Schnitt, ob man gerade mit einem Chefarzt oder mit einem normalen Stationsarzt spricht. In Deutschland gibt es sowas nicht, deswegen versuchen die Ärzte hier, ihren Status durch andere Dinge zu betonen. Zum Beispiel, indem man ein besonders teueres Stethoskop hat. Die gibt’s ja in verschiedenen Preisklassen und es gibt sogar so superteuere Designerteile. (lacht) Meins war eher nicht so teuer. Bilder: Matthias Kulik

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