Kleider machen Blogger: Klamottenpaar Spezial

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Wenn es heißt, dass Blogger die Verhältnisse in der Medienlandschaft umwälzen, dann gilt das für Mode ganz besonders. Modeblogger sind längst die neuen Stilikonen – sowohl online, als auch offline. Seit vor rund fünf Jahren die ersten Laien anfingen, im Internet über Kollektionen zu schreiben, Outfits zu präsentieren und Stilfragen zu diskutieren, sprießen jeden Tag Modeblogs unaufhörlich aus dem Boden. Dabei gibt es viele unterschiedliche Formate von Mode 2.0: Von herkömmlicher Berichterstattung über Designerkollektionen bis zu persönlichen Modetagebüchern. Streetstyle-Blogger fotografieren unbekannte, aber gut angezogene Menschen auf der Straße. Auf anderen Seiten dreht sich alles um den Blogger selbst: Auf welchem Flohmarkt er war, was er heute trägt und was er alles mit seiner Nähmaschine anstellen kann. Einige haben inzwischen mehr Leser als viele gedruckte Magazine – und haben aus einem Hobby einen gut bezahlten Beruf gemacht. Denn Designer und große Modefirmen haben die erfolgreichen Quereinsteiger längst als einflussreiche Größen im Geschäft entdeckt. Viele arbeiten gezielt mit den Bloggern zusammen: Laden sie zur Fashionweek in Paris ein oder schicken Vorab-Exemplare von neuen Kollektionen zum „Anprobieren“. Die Gründe, warum Mode im Blog-Format so erfolgreich ist, liegen auf der Hand: Zum einen ist das Internet das perfekte Medium, um der Schnelllebigkeit der Mode gerecht zu werden. Zum anderen ist das Multimediale eines Blogs die beste Plattform, um eine so visuelle Angelegenheit wie Mode zu transportieren. Und nicht zuletzt genießen Blogs den Ruf, „authentisch“ zu sein - also Leute zu zeigen, wie sie sich wirklich im Alltag anziehen, und nicht bloß die verkünstelten Vorstellungen von Couture-Designern und Stylisten wiederzuspiegeln. Eine Gruppenausstellung im Glockenbachviertel zeigt nun Exponate von elf erfolgreichen deutschen und internationalen Bloggern. Viele von ihnen stehen seit Jahren als Streetstyle-Fotografen hinter der Kamera. Diesmal drehen wir den Spieß um: Die Blogger verraten uns, was sie tragen und antworten auf essentielle Fragen über die Mode und das Internet. Die Ausstellung „Visions – In An Absolut World“ kann man bis Freitag, den 26. Juni in der Baaderstraße 7 besuchen. Mehr Klamottenpaare findest du hier. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

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Illustration: Julia Schubert

Jackie Dixon, 30, London showmeyourwardrobe.blogspot.com Jumpsuit: Zara, 30 Euro Tasche: Topshop, 20 Euro Schuhe: Topshop, 25 Euro Uhr: Vintage Cartier Federschmuck: ausgeliehen Wann weiß man, dass man seinen Stil gefunden hat? „Nie. Ich finde mich selbst nicht besonders stylish. Es ist sehr einfach, andere Leute anzuziehen. Wenn es allerdings um mich selbst geht, stehe ich morgens oft ratlos vor dem Spiegel. Stil ist für mich nichts Konstantes, eher muss man ständig dazulernen. Nur eine Regel muss man immer befolgen: Du musst dich in deinen Klamotten wohl fühlen.“ Jackie Dixon war früher Redakteurin der britischen Vogue und arbeitet als Stylistin für Kundinnen wie Keira Knightley und Róisín Murphy. Auf showmeyourwardrobe gibt sie einen Einblick in die Garderobe von Models, Designern und anderen Mode-Insidern. Wenn sie könnte, würde sie gerne den Kleiderschrank von Erin Wasson und Chloé Sevigny plündern.


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Illustration: Julia Schubert

Jessica Weiß, 23, Köln und Julia Knolle, 26, Berlin lesmads.de Jessica Schuhe: aus Hongkong, 150 Euro Kleid: Claude Maus aus Australien, 250 Euro Ring: Marc Jacobs Tasche: Sass & Bide, umsonst Julia Kleid: Monki, 50 Euro Stiefel: Goose, 700 Euro Jutetasche: Yves Saint Laurent, umsonst Wie unabhängig ist man als Blogger? „Wir haben den Burda-Verlag als Partner. Das macht natürlich manches einfacher, weil zum Beispiel unsere Reisen bezahlt werden. Finanziell gesehen sind wir daher nicht unabhängig. Das heißt aber nicht, dass wir nicht kritisch sind. Wenn wir eine Kollektion schlecht finden, sagen wir das auch.“ LesMads ist mit 230 000 Besuchern monatlich der erfolgreichste Modeblog Deutschlands. Jessica und Julia lernten sich während dem Studium kennen und wurden bald von Burda unter Vertrag genommen. Julia ist außerdem Chefredakteurin von Glam.de.


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Illustration: Julia Schubert

Mark Hunter, 23, Los Angeles thecobrasnake.com Hemd: eigenes Design Shorts: Ksubi Schuhe: Adidas Gürtel: Vintage Hermès Uhr: Vintage Casio Ist Narzissmus die notwendige Vorrausetzung, um im Netz berühmt zu werden? „Einzigartigkeit ist es, die dich von anderen abhebt. Allerdings denkt heute jeder, dass er einzigartig ist. Ein bisschen mehr braucht es also schon. Man muss wissen, wie man sich präsentiert, einen kreativen Weg finden, andere auf einen aufmerksam zu machen. Gutes Marketing eben.“ The Cobrasnake ist sozusagen die Mutter aller Partyfoto-Blogs und hat neben American Apparel die aktuelle Hipster-Ästhetik der Jeunesse Dorée maßgeblich geprägt. Die ehemalige Muse und Freundin von Mark Hunter, Cory Kennedy, gilt als eine der ersten Web-Celebrities und hängt heute mit Lindsay Lohan und Peaches Geldof herum.


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Illustration: Julia Schubert

Katja Hentschel, 27, Berlin glamcanyon.blogspot.com Jumpsuit: Vintage, 30 Euro Schuhe: Vintage, 25 Euro Gürtel: Vintage Tasche: Secondhand aus New York, 10 Euro Wie verändert Bloggen das Sozialleben? „Ich kenne mittlerweile extrem viele Leute durch mein Blog. Meine neue Mitbewohnerin Zana aus San Francisco ist im Netz auch recht bekannt unter Garbage Dress. Auch mit vielen Berliner Bloggern bin ich privat befreundet. Dadurch vermischt sich natürlich berufliches und privates, aber das finde ich nicht schlimm. Schließlich gehe ich beruflich auf Parties.“ Katja Hentschel hat in London Psychologie studiert und nebenbei mit Streetstyle- und Partyfotografie angefangen. Ihre Glamcanyon-Partys sind mittlerweile legendär. Persönlich trägt sie fast ausschließlich Vintage, weil es sie „verstört, wenn ich andere Leute in den gleichen Klamotten sehe.“


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Illustration: Julia Schubert

Gunnar Hämmerle, 37, München styleclicker.net Schuhe: Vintage Bally aus Schweden, 16 Euro Jeans: Cheap Monday vom Schlussverkauf, 10 Euro Hemd: Secondhand, 5 Euro Gürtel: Aldi, 11 Euro Hut: Vintage, 7 Euro Macht Mode das Leben besser? „Mode vielleicht nicht. Ich interessiere mich eigentlich gar nicht so für Mode und habe davon auch wenig Ahnung. Mir geht es eher um Kleidung. Um das Anziehen selbst, das Rumspielen mit Ästhetik. Wie du aussiehst, ist das erste, was Menschen von dir wahrnehmen. Daher: Ja, gute Kleidung macht das Leben besser.“ Gunnar Hämmerle arbeitet seit zweieinhalb Jahren als hauptberuflicher Streetstyleblogger. Seine Fotos sind unter anderem jede Woche auf der jetzt.muenchen-Seite zu sehen. Seine Motive findet er in München und in seiner Zweitheimat Schweden. Modeleute findet er zwar manchmal oberflächlich, aber immerhin „ehrlich oberflächlich“.


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Bryan Boy, 22, Manila bryanboy.com Jacke: Philiip Veejay (Designer von den Philippinen), 300 Euro Tanktop: Michael Angel Couture, geschenkt Shorts: Philipp Veejay, 120 Euro Stiefel: Fiorentini&Baker, 600 Euro Tasche: Chanel Wie war es, Marc Jacobs zu treffen? „Ich habe es erst nicht glauben können, als Marc Jacobs mir eine Email geschrieben hat. Ich schrieb zurück: ,Fuck you, you are not Marc Jacobs!' Dann war er es wirklich und ich dachte mir nur: Ohmeingottohmeingott. Später hat er mich nach New York eingeladen. Marc ist wahnsinnig nett und total hyperaktiv. Wir haben uns sehr gut verstanden.“ Seit fünf Jahren bloggt der Philippine Bryanboy über seine Leidenschaft zur Mode. Mittlerweile ist er ein Star in der Szene: Der amerikanische Designer Marc Jacobs hat sogar eine Handtasche nach ihm benannt, die „BB Bag“. Bryanboy über Bryanboy: „I’m so gay I sweat glitter“.


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Mary Scherpe, 26, Berlin stilinberlin.blogspot.com Kleid: Reality Studio, 170 Euro Schuhe: Topshop, 30 Euro Gürtel: COS, 10 Euro Tasche: Urban Collection, 16 Euro Was ist das größte Vorurteil über Berliner Mode? „Im Vergleich mit anderen deutschen Städten liegt Berlin in Sachen Extravaganz klar vorn. Es gibt trotzdem das Vorurteil, dass Berliner sich nicht anziehen können. Oder dass sie schlampig herumlaufen und aussehen, als wären sie gerade erst aus dem Bett gekommen. Obwohl – letzteres stimmt sogar.“ Zusammen mit einem Freund fängt Mary Scherpe seit drei Jahren den Hauptstadt-Look ein. Mary hat außerdem einen Zweit- und Drittblog: Auf pudri.blogspot.com geht es um Fotografie und Kunst, und auf ihrem Myspace Laufsteg-Blog informiert sie über Neuigkeiten aus der Designerwelt


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Liisa Jokinen, 30, Helsinki hel-looks.com Kleid: „Crazy Icehockey“ von finnischem Designer Pallilo, 150 Euro Fahrradshorts: Gina Tricot, 5 Euro Schuhe: Ash, 180 Euro Tasche: Vintage aus Barcelona, 5 Euro Was trägt man in Helsinki? „In Helsinki gibt es eine Secondhand-Kette namens UFF, ähnlich wie Humana. Fast jeder, den ich auf der Straße nach seinen Kleidern frage, trägt etwas von UFF. Bei uns ist es ein Mainstream-Ding, sich von oben bis unten in Secondhand zu kleiden. Dementsprechend ist die Mode in Helsinki sehr vielfältig. Alles ist sehr bunt.“ Hel-Looks aus Helsinki gehört zu den Streetstyle-Blogs der allerersten Stunde und hat viele andere heutige Blogger auf der ganzen Welt beeinflusst. Die Idee zu Hel-Looks kam Liisa und ihrem Freund Sampo Karjalainen damals, Anfang 2005, noch von „echten“ Zeitschriften wie Street oder dem legendären japanischen Fruits-Magazin.

Text: xifan-yang - Fotos: Evi Lemberger

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