"Koch doch 2" mit Alexander Herrmann

Alexander Herrmann ist ein mittelpräsenter Koch aus dem Bayerischen Fernsehen.
max-scharnigg
Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Alexander Herrmann ist ein mittelpräsenter Koch aus dem Bayerischen Fernsehen. In seiner Kochshow zeichnet er sich dadurch aus, dass er kein großes Bohei um sein Zeug macht und in seiner Küche nichts vom Kochen ablenkt (keine Gäste, keine Sidekicks, keine tieferen Botschaften). Herrmann selber wirkt eher wie ein Handballtrainer, den man in die Küche gestellt hat. Eine kakophonische Lache hat er, aber die hört man nur, wenn Pannen passieren, die im Abspann stets als hübsche Serie zusammengestellt sind. Nachteil seiner etwas nüchternen Art ist, dass ich bei ihm manchmal mitten im schönsten Kochen umschalte, was mir bei Schuhbeck zum Beispiel nie passiert - irgendwie hat die Begeisterungspipeline zwischen Herrmann und mir ein Leck. Jetzt lagen eine Woche lang seine neuen Rezepte in der Küche und wollten nachgekocht werden. Ganz einfach war die Auswahl nicht, Fotos und Layout sind nicht schlecht, aber auch nicht so, dass man gleich zum Einkaufen losstürmt. Die Gerichte funktionieren allesamt nach dem Prinzip „Altbekanntes mit dem Extra-Pfiff“. Das heißt dann also: „MAISHÄHNCHENBRUST mit Radicchio-Orecchiette“ oder „KALSBLEBER - mit Melone und Pinienkerntagliatelle“. Das ist grundsätzlich schön, denn es baut den Horizont behutsam aus. Andererseits kann ich auch Tageslaunen nicht verleugnen, bei denen es mich nervt, dass nicht ein Gericht mal ohne Pfiff und Tomaten-Kapern-Füllung auskommt, oder die geschmorrte Rinderschulter partout auch noch nach Haselnüssen verlangt. Ich hatte keine Haselnüsse im Haus und der Supermarkt war eingeschneit, also wurde ohne Nuss geschmort und die geforderten dreißig Schalotten auf zwölf Stück reduziert – hat trotzdem geklappt und die streng geforderten viereinhalb Stunden Schmorzeit waren auch genau richtig. Die Anleitungen sind verständlich und nicht geschwätzig. Besonders freufreu ist das Kapitel „Feine Begleiter“, das die Spätzle/Reis/Bratkartoffel-Monotonie aufbricht und wirklich ein paar gute neue Sekundanten auflistet, Safrankartoffeln zum Beispiel oder ein großartiges saures Wurzelgemüse. Wie korrekt und tauglich die Mengenangaben sind, lässt sich am Schmorbraten ja eher schlecht sagen – zu diesem Test müssen die Desserts ran. Die „Praline im Glas“ ist dabei konsistenzmäßig etwas in die Hose gegangen, wobei nicht sicher ist, ob es nicht vielleicht auch am komplizierten Einkochvorgang von Schokolade und damit an mir lag. Das Klassikergericht „Creme brulée“ wurde mit den angegeben fünf Eiern etwas eilastig, hielt aber im Gegenzug die ganz richtige und wichtige Anleitung parat, das Zeug partout unter hundert Grad im Ofen zu garen. Im Laufe der Alexander Herrmann-Kochbuchwoche ist mir das Buch immer lieber geworden, auch wenn es nicht besonders robust ist und mit seinen reinweißen Seiten und dem etwas unpraktischen Quadrat-Format im Kücheneinsatz bald recht ramponiert aussieht. Trotzdem bezieht es eine ganz interessante Stellung im Kochbuchregal: nicht so anstrengend wie Lafer und Co., etwas geruhsamer als Mälzer und Zacherl, im Geschmack mehr Klassik als Fusion und durchaus alltagstauglich. Wenn die Eltern doch tatsächlich mal zum Abendessen kommen, ist es vermutlich genau das Richtige. Koch doch 2 mit Alexander Herrmann. 137 Seiten. Erschienen bei Zabert Sandmann, 137 Seiten, 16,80€.

  • teilen
  • schließen