Kochbuchkritik 2: Jamie Oliver - Jamie's Italy

Er ist so etwas wie schuld.
bernd-ahlert

Er ist so etwas wie schuld. Daran, dass Kochen im Fernsehen seit Jahren das neue große Ding ist. Dass wir uns beim Zappen über seltsame Gestalten wie die neue Vox-Köchin Cathérine Kondé ärgern dürfen. Dass sich eigentlich gute Köche wie Ralf Zacherl auf Pro Sieben der Lächerlichkeit preisgegeben haben. Und dass Tim Mälzers Gesicht auf dem Wechselgeldteller beim Bäcker um die Ecke zu sehen ist. Die Mischung aus Unterhaltung, Spaß am Kochen und einfachen, guten Rezepten, die er in seinen Sendungen im englischen Fernsehen produziert hat, ist allerdings nach wie vor unerreicht. Klar, es gibt einige, die ihn in seiner BBC Serie „The Naked Chef“ gesehen haben und danach als nervigen Kasper abtun und fast genau so viele die behaupten, er könne ja gar nicht so wirklich gut kochen. Aber zum einen kann Jamie Oliver nichts für die suboptimale Synchronisation, die ihn hier teilweise wirklich wie einen um Coolness bemühten Hampelmann wirken lässt und zum anderen muss er ja auch nicht die gleichen Skills am Herd vorweisen, wie sie deutsche Sterneköche vom Kaliber Lafer oder Witzigmann haben. Es geht ja um einfache Küche. Seine Kochbücher werden trotzdem vom leicht bornierten Schlemmer-Kolumnisten der ZEIT Wolfram Siebeck gelobt. Warum? Weil sie interessant sind und Spaß am Kochen machen. Ebenso wie seine Doku-Soaps. Jene zum Beispiel über die 15 arbeitslosen Jugendlichen, die er zu Köchen ausbildet und mit ihnen sein Londoner Restaurant „Fifteen“ eröffnet hat. Oder sein missionarischer Eifer, das englische Schulessen zu verbessern, woraus die Serie „Jamie’s School Dinners“ entstand. Aus solchen Projekten resultierten dann jeweils seine Bücher „Jamie’s Kitchen“ und „Jamie’s Dinners“ (oder doof auf deutsch: „Essen ist fertig!“). Sein neuster Clou ist eine Reise in einem alten VW-Campingbus nebst mobiler Küche im Anhänger durch Italien. Das Land ist ohnehin der große Schwerpunkt seiner Kochbücher, die sich zum größten Teil mit mediterraner Küche beschäftigen. Auch aus dieser Italien-Tour, für die es im deutschen Fernsehen noch keinen Ausstrahlungstermin gibt, ist wieder ein begleitendendes Buch geworden, das in Großbritannien bereits im Oktober unter dem Titel „Jamie’s Italy“ erschienen ist. Es erscheint in Deutschland am 16. Januar unter dem Titel „Genial Italienisch!“. Heraus gekommen ist dabei eine Sammlung an Rezepten der klassischen italienischen Küche. Keine x-te Fassung von Spaghetti Bolognese und Penne all’ Arrabiata, sondern regionale Küche. Direkt beim leidenschaftlich kochenden Volk vom Stiefel abgeguckt. Es gibt die gewohnt gute appetitanregende Aufmachung seiner letzten beiden Bücher. Schön fotografiert und angenehm geschrieben. Die Gerichte sind für jedermann einfach nachzukochen und zwischendurch ist allerhand Wissenswertes zu erfahren. Was neu ist, ein kleines Kapitel über „Street Food“. Schon mal woanders gesehen? Zudem allerhand, was sich nicht unbedingt in dem ungeheuren Angebot an italienischen Kochbüchern findet. Die südosttoskanischen Pici zum Beispiel. Man kann „Jamie’s Italy“ deshalb getrost noch dazu stellen. Philosophie: OK, tigers – easy-peasy. Die maßgebliche Zutat: Noch ein Schuss Olivenöl, noch ein Stück Butter und noch ein wenig Parmesan! Kocht man als erstes nach: Spaghetti alla trapanese Außer Rezepten: Jamie Oliver teilt uns seine Gedanken über Italien, dieses und jenes mit und kommt zu dem Schluss, dass er eigentlich Italiener ist.

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