Kochbuchkritik: Basic Cooking und Co.

Im letzten Zipfel des letzten Jahrhunderts, als die ganze Welt noch gut abgeschmeckt war, gab es keinen 18.
max-scharnigg
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Illustration: Julia Schubert

Im letzten Zipfel des letzten Jahrhunderts, als die ganze Welt noch gut abgeschmeckt war, gab es keinen 18.-24. Geburtstag, auf dessen Gabentisch nicht das orange „Basic cooking“ von Gräfe und Unzer lag. Ein absoluter Bestseller. Mit seinen vielen Fotos von netten Wohnküchen und gutgelaunten Salatschlachten im luftigen Layout war es modern, rot-grün und teuflisch jung. Tatsächlich wurde auch viel daraus gekocht, denn es vereinte in seiner Rezeptauswahl, was der Kindermund nicht vergessen hat (Grießbrei, Hackfleischbällchen, Rouladen) mit jenem geschmacklichen Neuland, das man seit dem Erwerb des eigenen IKEA-Geschirrs zu betreten bereit war (Rucolavariationen, Ziegenkäsegedöns, Italienischer Schweinebraten). Es war die neue Mitte des Kochens und sie schmeckte nicht schlecht, jedenfalls wurden erst mal alle Profiindividualisten daran satt. Anweisungen und Rezepte waren frei von Dünkel, der Afri-Cola-Akzent von Sebastian Dickhaut und seinen Co-Autoren passte gut zu den Fotos und als Empfehlung reichte ein „Einfach lecker!“ immer aus. Genau genommen waren die Rezepte ziemlich schlampig formuliert und die Mengenangaben so seltsam kalkuliert, dass gutgelaunte Lockerheit der bekochten Gäste unbedingte Voraussetzung für den Küchenfrieden war. Trotzdem und gerade deswegen taugt dieses Kochbuch als Standardwerk unserer Kochgeneration und leistete für das Kochverständnis ähnliches, wie die ersten H&M-Filialen für das Modebewusstsein. Weil die WGs und Geburtstage nicht weniger wurden, legte der Verlag nach, mit "Basic"-Editionen für alles, was verdaubar war oder werden könnte. Waren diese ersten Spin-Offs wie „Basic backing“ oder „Italian Basics“ noch durchzuwinken, hat sich die Reihe mit Titeln wie „Natural Basics“ oder „Oriental Basics“ nahezu endgültig gemein gemacht mit dem Heer der Brat-Ratgeber und Naschnischen. Es blieb immer öfter beim Durchblättern am Extratisch im Buchladen. Warum? Das Schöne am „Basic cooking“ war die Basic-Botschaft: Das ist dein einfacher Lebensentwurf und hier ist dein einfaches Kochbuch dazu. Mehr brauchst du nicht in diesen einfachen Zeiten. Die Zeiten sind nicht mehr einfach. Die Lebensentwürfe sind nicht mehr einfach (höchstens noch banal). Und das Mitbringen von Basic-Geburtstagsgeschenken zu WG-Partys ist auch nicht mehr einfach, weil man sich entscheiden muss, ob das Geburtstagskind orientalisch essen möchte oder mit „Basic Wine“ nicht vielleicht gar beleidigt wird. Die Fortsetzungen sind vorbei produziert an einer Generation, die nicht für ihre Entscheidungsfreude berühmt ist. Aber auch der Geist des „Basic“ ist verraucht - das gemeinsame Herumkochen an gefüllten Paprikaschoten ist den plakativen Soloprogrammen von Tim Mälzer oder Jamie Oliver gewichen. Egocooking ist das neue Topfausschlecken. Orientierung findet am Namen statt und nicht mehr an den Disziplinen. „Ich mach das, was der Zacherl mit den Sesamkörnern gemacht hat!“ tönt zeitgenössischer als das 90er-Jahre-Statement: „Ich koche gern indonesisch.“ In diesem Sinne empfiehlt sich höchstens „Basic Witzigmann“ als nächstes Kapitel in der Basic-Erfolgsgeschichte. Bilder: GU Verlag

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