Kochbuchkritik: Rose Gray und Ruth Rogers – River Cafe Easy Kochbuch

Noch ein italienisches Kochbuch? Brauch ich das? Und dann noch aus England, dem Mutterland der feinen Küche.
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Illustration: Julia Schubert

Noch ein italienisches Kochbuch? Brauch ich das? Und dann noch aus England, dem Mutterland der feinen Küche... Man tut zwar England kein großes Unrecht an, wenn man dessen Küche verunglimpft. Was die Hauptstadt London angeht, darf man allerdings gerne schwelgen. Hier gibt es eine große Anzahl vorzüglicher bis hervorragender Restaurants. Vornehmlich allerdings mit unbritischer Küche. Eins davon ist das River Cafe. Rose Gray und Ruth Rogers haben es 1987 am Nordufer der Themse eröffnet. In einer alten Werft gelegen, ist das Konzept einfach gehalten. Simple und puristische italienische Küche mit besten Zutaten, einfach auf den Teller gebracht. Jedoch für viel Geld. Das Konzept geht auf: Ein immenses Celebrityaufgebot sitzt an den Tischen. Mick Jagger, David Bowie oder der Premierminister sind Stammgäste. In der Küche verdienten sich Köche wie Jamie Oliver ihre Meriten, bevor sie bekannt wurden und die mittlerweile vier erschienenden River Cafe Kochbücher sind auf der Insel zu Bestsellern geworden. In Deutschland ist davon nur das Easy Kochbuch erschienen. Das Konzept des Buches spiegelt das des Restaurants wieder: Simpel und puristisch. Sieht der silberne Einband mit den bunten Buchstaben erst einmal erschreckend designverliebt aus (Alessi lässt grüßen), geht es im Inneren so nüchtern zur Sache, wie eben möglich. Es gibt keine langen Einleitungen, die die letzten 900 Jahre Kochgeschichte umfassend aufarbeiten und keine Land und Leute-Charakteristiken. Stattdessen: Fotos ohne Folklore. Zutatenliste. Kochanleitung. Dabei keine Schnörkel, sondern klare, präzise Anweisungen. Die sind zumeist in drei bis vier kurzen Absätzen zusammengefasst und dennoch so ausreichend, dass selbst der Laie am Herd damit bestens zurecht kommt. Die Rezepte setzen keine großen Fertigkeiten oder Erfahrungen am heimischen Herd voraus. Einige Basics, wie das Häuten von Tomaten oder die Zubereitung einer Tomatensauce werden im Anhang ebenso kurz, wie präzise erklärt. Ein knapp gehaltenes Glossar informiert auf drei Seiten ausreichend über die wichtigsten im Buch verwendeten Zutaten. Inhaltlich geht es einmal durch die italienische Speisenfolge. 24 verschiedene Ideen, Bruschette zu belegen, Antipasti von Linsen mit Ricotta bis hin zu Salaten, Carpaccios von Rind und Fisch. Ein Kapitel über Suppen, drei über Pasta. Vier versuchenswerte Ricottarezepte. Interessante Risotti, Fisch- und Fleischgerichte, Beilagen, Desserts. Darunter ein eigenes Kapitel für Schokoladenkuchen. Insgesamt 170 Rezepte. Das ist selten, aber nahezu alles in diesem Buch ist nachkochenswert. Zumal vieles ohne großen Aufwand zu fantastischen Resultaten führt. Die Tagliatelle mit Rosmarin, Schinken und Radicchio, die Kalbskoteletts oder das gegrillte Rinderfilet zeigen überraschend, wie einfach italienische Küche ist. Ohne großspurige Erklärungen entwickelt man am Herd ein Gefühl dafür, wie italienische Küche funktioniert. Einfach und gut. Philosophie: Gute italienische Küche, einfach zu reproduzieren. Die maßgebliche Zutat: Bestes Olivenöl Kocht man als erstes nach: Tagliatelle mit Rosmarin, Schinken und Radicchio Außer Rezepten: Kein großes Palaver

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