Die berühmtesten Körper-Hashtags auf Instagram

Eine Übersicht von #dadbod bis #paperwaistchallenge.
Von Christina Waechter

#bikinibridge   Dieser Hashtag ist die ziemlich perfide Erfindung von ein paar unterbeschäftigten Netz-Trollen, die sich Anfang 2014 auf der riesigen Bilder- und Meme-Plattform 4chan.org verbündet hatten, um ein neues Schönheitsideal zu propagieren: spitze Hüftknochen, auf denen der Stoff des Bikini-Höschens aufliegt – und so verdeutlicht, wie superschlank die Bikini-Trägerin ist. Als „Beweis“ für den Trend posteten sie gefälschte Instagram-Fotos von Prominenten mit dem Hashtag und promoteten ihn in sozialen Netzwerken. Und das einfach nur, wie man so sagt: „for shits and giggles“, also zum Spaß. Unglücklicherweise wird der Hashtag bis heute vollkommen ohne jegliche Ironie von einigen Menschen verwendet, die damit ihre Urlaubsfotos aus der #hotdoglegs-Perspektive verschlagworten.

Illustration: Katharina Bitzl

#hotdoglegs   Wer auf Instagram unterwegs ist, hat schon so viele Urlaubsfotos von gebräunten Bein-Selfies vor Sand und Meer gesehen, dass er damit vermutlich seine gesamte Wohnung tapezieren könnte. Die nonverbale Botschaft dieser Bilder: Schaut mal, wie braun, dünn, attraktiv und glücklich ich gerade bin. Dass Beine aus dieser Perspektive oft aussehen wie zwei Knackwürste, fiel irgendwann jemandem auf, der daraufhin den Tumblr-Blog „Hot Dog Legs“ startete und seine Leser raten ließ, ob es sich bei dem jeweiligen Foto um Beine oder Würstchen handelt. Gar nicht so einfach.

Illustration: Katharina Bitzl

#dadbod    So werden Männerkörper bezeichnet, deren Besitzern man zwar noch ansieht, dass sie früher mal sportlich waren, die sich aber in letzter Zeit ein bisschen gehen ließen. Schließlich hat man als Vater keine Zeit mehr, ständig zum Joggen zu gehen, und mit zunehmendem Alter sieht man dem männlichen Körper die Bierzufuhr dann doch an. Da kann sich im Laufe der Zeit schon mal ein kleines Bäuchlein unter dem T-Shirt hervorwölben, was, wie dieser Hashtag vermitteln will, durchaus attraktiv sein kann.

Illustration: Katharina Bitzl

#thighgap   Gibt es eine Lücke zwischen deinen Oberschenkeln? Wenn nein, warum nicht? Der Hashtag kam 2013 auf, und eben diese Oberschenkel-Lücke wurde zum erklärten Ideal vieler junger Frauen. Weil Instagram den ursprünglichen Hashtag #thighgap verbot, tauschten die Menschen einfach den letzten Buchstaben gegen ein b aus und umgingen damit die Sperre, die ein ungesundes Schönheitsideal verhindern sollte. Dass der Abstand zwischen den Oberschenkeln in erster Linie etwas mit der Breite des Beckens zu tun hat, wurde dabei unter den Tisch gekehrt. Glücklicherweise kaperten viele Kritiker den Hashtag. Seitdem kann man darunter zum Beispiel viele hübsche Katzenbeine finden. Denn Katzen haben tatsächlich ein sehr großes #thighgap.

Illustration: Katharina Bitzl

#bodypositivity    Unter diesem positiv gemeinten Hashtag posten Menschen, denen es darum geht, ihren eigenen und andere Körper mit allen tatsächlichen und vermeintlichen Defiziten zu akzeptieren und lieben zu lernen (was für die meisten kompliziert genug ist). Man stelle sich nur vor, was passieren würde, wenn sich dieser Trend weltweit durchsetzen würde: Ganze Industriezweige gingen zugrunde, eine gigantische Menge an Hirnkapazität würde frei und könnte sich neuen, ungleich interessanteren Dingen zuwenden.

Illustration: Katharina Bitzl

#strongisthenewskinny    Sicher, es ist besser, junge Mädchen, die unzufrieden mit ihrem Körper sind, dazu anzuhalten, sich gesund zu ernähren und Sport zu machen, als zu hungern. Und zu zeigen, dass auch gesunde, muskulöse Frauenkörper attraktiv sind. Trotzdem gibt es berechtigte Kritik an dem Fitness-Hashtag #strongisthenewskinny. Denn auch der zeigt wenig subtil, dass der weibliche Körper tendenziell ein defizitäres Etwas ist, an dem es ständig zu arbeiten gilt. In diesem Fall eben statt mit Diäten mit exzessivem Sport und einem an krankhafte Besessenheit grenzenden Fokus auf gesunde Ernährung.

Illustration: Katharina Bitzl

#609060   Die Hamburger Bloggerin Journelle hatte 2012 genug von einer Bekleidungsindustrie, deren Zielgruppe scheinbar ausschließlich aus Menschen mit Standard-Kleidergrößen besteht. Wer da rausfällt, kann deprimiert aufgeben – oder darauf aufmerksam machen, dass es eine viel größere Vielfalt gibt, als der Mainstream nahelegt. Journelle beschloss also, sich regelmäßig vor dem Verlassen des Hauses zu fotografieren. Der Hashtag sollte deutlich machen, wie absurd es ist, dass in der Bekleidungsindustrie die Maße 90-60-90 immer noch als Ideal gelten. Ihr kam ein Zahlendreher rein, der Hashtag #609060 war geboren. Viele deutsche Bloggerinnen und Social-Media-Nutzer nutzen ihn bis heute begeistert.

Illustration: Katharina Bitzl

#paperwaistchallenge   Ein DIN-A4-Blatt misst 21 mal 29,7 Zentimeter. Wer einen zierlichen Körperbau hat und weiß, wie man perspektivisch geschickt fotografiert, kann es sich hochkant vor die Körpermitte halten und Bauch und Hüfte dahinter verstecken. Der ganz große Rest der Menschheit hat bei diesem Wettbewerb keine Chance. Glücklicherweise zeigten zu den Hochzeiten des Hashtags Anfang 2016 viele normal gebaute Frauen, wie bescheuert dieser Hashtag ist. Sie hielten sich das Blatt, oft versehen mit eindeutigen Botschaften, einfach quer vor den Bauch.

Illustration: Katharina Bitzl

#thinspiration   Instagram hatte von Anfang an ein Problem mit Nutzern, die auf der Foto-Plattform ungesunde Körperbilder verharmlosten oder sogar promoteten. Menschen mit Essstörungen nutzten den Hashtag #thinspiration, um Bilder stark untergewichtiger Menschen zu ästhetisieren und als Vorbild darzustellen. Der Hashtag ist mittlerweile wie viele andere Schlagworte, die Magersucht glorifizieren, gesperrt. Die Bewegung ist seitdem auf weniger regulierte Plattformen ausgewichen.

Illustration: Katharina Bitzl

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