Im Schluck-Test: Limonade aus dem Biosupermarkt

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Name: BioZisch Himbeer-Cassis, Fa. Voelkel Preis: 1,78 Euro Kcal/100ml: 27 Optik Etikett in allerlei Rose-Tönen, Assoziationen mit Rosengarten und Puppenstube, der Firmenname in klassischen Bio-Markt-Typo a la Weleda. Ziemliches Schriftenchaos in drei Farben und mehreren Dynamiken. Das Getränk selbst: hellrosa. Geruch: Wie roter Kaugummi & Katschbonbons. Ein wenig auch wie ungewaschener Kindermund. Schmeckt nach Erst viel Frucht, dann im Abgang nur noch kleiner amerikanischer Komposthaufen, also irgendwie künstlich und überreif. Können Aromastoffe eigentlich auch Bio sein? Enorme Mengen von Kohlensäure, die auf dem Etikett als Quellkohlensäure gekennzeichnet ist. In der Quelle möchte man ja gerne baden, das sprudelt sicher kitzelfein. Zu dünn insgesamt, wäre es eine Hütte würde man sagen: windig. Holt einen Durstigen nicht richtig ab. Macht aber viel Fruchtrülps. Woher kommt’s? Aus D-29478 Höhbeck, das ist Mini-Kaff im Kreis Lüchow-Dannenberg, wo die Gartenzäune gelbe Anti-Atom-Kreuze tragen und junge Männer mit wilden Bartwuchs noch Frauen beeindrucken können. Die Firma Voelkel benutzt unter der Webadresse voelkeljuice.de oft das Wort „biologisch-dynamisch“. Wer trinkt’s? Vielleicht Basic-Supermarkt-Kinder, denn das Zeug schmeckt fast wie richtig schädliche Limo. Erwachsene Menschen die „Petrella, bring mir ein BioZisch mit!“ sagen, kann man sich schwer vorstellen. Bessere-Welt-Faktor: Gering, zu wenig Ethno-Glam, zu wenig Ehrlichkeits-Porno und zu bitchy im Gesamtauftritt.


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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Name: Limo Holunderblüte, Fa. Perger Preis: 0,99 Euro Kcal/100ml: 29 Optik: Interessant - auf dem Flaschenhals prangt ein Wappen, über das sich jeder Tiroler Freiheitskämpfer gefreut hätte, untermauert mit den Wappenworten „Pflichttreu und Wahr“. Jawohl! So genießt man heute, gefälligst! Das Hauptetikett besticht durch bestmögliches Durcheinander, etwa 14 verschiedene Schriften, Formen und Richtungen. Passend dazu sinnlose Beschriftungen „Beschwingende Frische“ oder „Köstliche Natur genießen“. Die Flüssigkeit dahinter: sehr schwach gefärbt. Geruch: Voll holundrig, aber damit naturgemäß auch ein wenig nach benutztem Katzenklo und saurer Bierpolitur. Schmeckt nach Wasser mit Holunderblütensirup. Keine schlechte Sache, beim dritten Schluck allerdings schon schal und das Holundrige einer weichen Langeweile gewichen. Undercover-Kohlensäure, die sich wie ein trojanisches Pferd in den Magen reitet und dort dann alles niedermetzelt. Woher kommt’s? Aus D-82211 Breitbrunn am Ammersee, das kann sich nicht mal einen eigenen Wikipedia-Eintrag leisten. Die Homepage der Firma ist dafür dank eines aufwändigen Konservierungsverfahrens seit 1996 naturbelassen. Wer trinkt’s? Leute die nicht wissen, dass man Holunderblütensirup ganz schnell auch selber machen kann. Geschmacksfaschisten, denen Sauerkirsch-Schorlen schon wieder zu mainstream sind. Bessere-Welt-Faktor: In der Umgebung von Breitbrunn gegeben. Ansonsten zu reaktionär aufgemacht und zu wenig Gründungsmythos.


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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Name: Voelkel Biolimo Holunder-Chili Preis: 0,89 Euro Kcal/100ml: 26 Optik Das „Voelkel“-Logo signalisiert Bodenständigkeit, korrespondiert mit den braun-roten Erdtönen. Allerdings bringen die Blubberblasen auf dem Etikett eine psychedelische Note ins Design. Diese Flasche weiß nicht genau, wo sie hin gehört. Geruch Riecht nach Brausepulver mit Pfeffer. Auch eine malzige Note mit dabei. Schmeckt nach Brausepulver mit Hollundergeschmack. Von Chili keine Spur. Als Durstlöscher passabel. Woher kommts? Voelkel Biolimo kommt aus Höhbeck, das ist ein kleines Dorf an der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg. Siehe "BioZisch Himbeer-Cassis" Wer trinkt das? Ehemalige Bionade-Fans, denen Bionade zu kommerzig geworden ist (siehe unten). Auch geeignet für Wandervogel-Nostalgiker. Bessere Welt-Faktor Hoch. Der Familienbetrieb wurde 1936 gegründet und hat seine Wurzeln in der „Wandervogel“-Bewegung. Auf der Webseite findet man die Logos von „Demeter“ und das „Bio“-Siegel. Unter Kooperationspartner ein Banner mit dem martialische anmutenden Slogan „Gentechnik-Angriff abwehren“.


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Illustration: Julia Schubert

Name: Rhöner – Gelbe Lili – Biologisches Biermischgetränk mit Bionade Litschi Preis: 0,99 Euro Kcal/100ml: 11 + Bier = x. Keine Angaben auf der Flasche, aber 11 Kilokalorien müssen von der Bionade kommen (Bionade - Holunder, Biologisches Erfrischungsgetränk). Optik Auf den ersten Blick sieht „Rhöner“ aus wie nicht ernst gemeint: Über dem Logo lugt grimmig ein Schaf hervor. Was hat Bier mit Schafen zu tun? Auch der Untertitel „Gelbe Lili“ ist an der Grenze dessen, was man ein seriöses Getränk nennt. Allerdings ist die Farbkombination gelungen. Je länger man die Gelbe Lili betrachtet, desto besser sieht sie aus. Riecht nach Karamalz-Kinderbier – sehr malzig, verheißt einen kraftvollen, herben Geschmack. Zurück in die guten alten Zeiten, als Oma Kinderbier schenkte und Kinderbier noch nicht wie Schmieröl mit Zucker schmeckte, sondern richtig gut. Schmeckt nach Abgestandener Radler-Maß. Irgendwo ist hier der Fehler: entweder ist das Bier nicht gut, oder Bier und Bionade passt nicht. Woher kommts? Aus Ostheim an der Rhön. Das ist gerade noch so in Bayern, aber schon fast in Thüringen. Und ja – aus Ostheim an der Rhön kommt auch Bionade. Wir haben den Verdacht, dass die Gelbe Lili mit Bionade unter einer Decke steckt. Wer trinkt das? Hardcore-Öko-Mädchen, die Schafe süß finden und, wenn sie nicht so Öko wären, Becks Lemon trinken würden. Und Club-Mate-Junkies, die meinen: Jetzt muss mal wieder ein anständiges Bier her. Bessere Welt-Faktor Mittel – Die Gelbe Lili trägt das Bio-Siegel nach der EG-Öko-Verordnung. Außer dem grimmigen Schaf war niemand zu erreichen. Die Webseite befindet sich aber noch im Aufbau.


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Illustration: Julia Schubert

Name: Bionade - Holunder, Biologisches Erfrischungsgetränk Preis 0,59 Euro Kcal/100ml: 22 Optik Schlicht und präsent. Nur die Serifenschrift unter dem Logo verschnörkelt unnötig. Irritierend bei längerer Betrachtung ist auch der rote Punkt im „o“. Erinnert an Lucky Strike und japanisches Militär im Zweiten Weltkrieg. Riecht nachBrausepulver, Brombeeren, Himbeeren und auch ein bisschen nach Holunder. Schmeckt nach: Holunder – tatsächlich! Und auch nach Brombeeren, Himbeeren und viel Gebizzel im Mund. Vielleicht war es auch einfach zu viel Limo hintereinander… Woher kommt das? Ostheim an der Rhön. Wir hatten über diesen Ort schon gesprochen... Wer trinkt das? Bionade trinkt mittlerweile fast jeder. In Zukunft aber werden alle Bionade trinken. Der Konzern hat bereits eine Kooperation mit der Kaffeehauskette Starbucks und bald wird man Bionade auch bei McDonalds kaufen können. Bessere-Welt-Faktor: Die Guten sind immer die Kleinen, und Bionade ist mittlerweile schon ziemlich groß. Winke, winke bessere Welt...

Text: max-scharnigg - philipp-mattheis

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