Konsumkolumne: Snackwaren für vor dem Fernseher

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Name Bertolli – Pepite – Italian Cheese & Red Onion Flavour

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Preis 1,99 So schmeckt's Cooles Rezept: 99 Prozent Mehl plus 0,5 Prozent „Puderwuder“ (eine eben von den Autoren erfundene thüringische Form von nicht zu süßem Puderzucker) plus 0,5 Prozent Pizzaabkratze (Abgeschabtes von gebackenen Pizzateig-Rändern) So klingt's Frunkfrunkfrunk Das war der ursprüngliche Plan Ist ja wohl völlig klar: Paolo Giovanni Trappatoni (weder verwandt noch verschwägert) waren diese langen italienischen Aperitifknusperstangen für „Wenn der Koch mal wieder länger braucht“ schon geraume Zeit ein „Dorn“ im Auge gewesen. PGT, wie er spaßeshalber genannt wurde, trachtete, diesem „unhaltbaren“ Zustand ein Ende zu bereiten. Eines Abends kam ihm die „rettende“ Idee: „Es war wie im Fußball. Man muss das große Ganze in seine Einzelteile zerlegen, man muss im Kleinen das Große sehen, man muss es runterbrechen, man muss neben der linken auch die rechte Backe hinhalten, auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.“ Da hatte Paolo seinen Coelho ganz recht gelesen. Aber soviel Weltengeist bekam dem einfachen Abruzzaner nicht. Das Ergebnis dieser Weiterbildung besteht aus 99 Prozent Mehl plus vielen weiteren Zutaten. So lebt der Erfinder privat In einer Steinkemenate am Rande eines momentan nicht aktiven Vulkans in der Sächsischen Schweiz. Der Film zum Snack Der Bulle von Tölz Der Mitgucker zum Film zum Snack Der langjährige, käsemaukige Lebensabschnittsgefährte, dessen routinierter Pantoffelgeruch bisweilen in die Nähe der „Pepite“ gerät, die deshalb etwas „ungemein“ Tröstliches an sich haben. Heimat ist: wo deine Käsemauken parken.


Name Crispers

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Preis 2,22 Euro So schmeckt’s Das Beste aus beiden Welten! (Ist „The Best Of Both Worlds“ nicht eine von Sabine Christiansen moderierte Chartshow im russischen Fernsehen?) Alles in allem: Zümlich würzüch. Christina: Irgendwiehammses echt geschafft, diesen krassen Suchtfaktor von den Schipps auf die Ernüss’ zu übertragen. Und das versteh ich halt nicht? Peter: Was versteht man heute schon noch. So klingts Kräckerei! Das war der ursprüngliche Plan Der Erdnussfabrikant Baron Papiste de Ültje hatte beschlossen, sich aufs Altenteil (Schloss Ültje an der Ültje) zurückzuziehen und die Geschäfte seinem narrischen Sohn Baron Babtiste de Wat-Ültje oder Wat zu übergeben. Dem Sohn war klar, dass auch Erdnüsse den Anschluss an das digitale Zeitalter nicht verpassen dürfen. Gevatter Ültje aber stellte seinen Sohn in den Schatten, weil er seine Schäfchen im Trockenen wissen wollte. Typischer Generationenkonflikt, der so nur in bedeutenden Unternehmerdynastien vorkommt. Noch ehe Baptiste de Wat-Ültje oder Wat seine Nüsse ans Netz bringen konnte, tauchte Papiste die kleinen Dinger in ein Stahlbad aus Knusperteig und taufte sie „Chakalaka Crispers“. Für Baptiste bedeutete das einen abermaligen Gesichtsverlust. Wie oft, fragte er sich, kann man eigentlich sein Gesicht verlieren und sich dann doch noch Schneuzen? So lebt der Erfinder privat Bei Schloss Ültje handelt es sich um ein Reiheneckhaus im versteckt liegenden Stadtteil Köln-Gürzenich, welches von seinem ehemaligen Besitzer in einem wahnhaften Rausch zu einem Schloss umbenamt wurde. Die Nachmieter sind Erdnussfabrikanten und hatten nichts besseres zu tun, als den Namen des Hauses beizubelassen und sich selbst nach der Hütte zu nennen. In Köln-Gürzenich sind Ültjes damit zum Gespött geraten. Es ist vom verarmten Snack-Adel die Rede. Der Film zum Snack Die Wanderhure Der Mitgucker zum Film zum Snack Dirk Bach


Name Huober Chili Mini Brezeln

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Preis 1,39 Euro So schmeckt's Das kann man genau sagen: Es schmeckt exakt so, wie wenn ein Mann die trockenste Breze aus der Bäckerei gegessen hat und gleich danach eine Frau mit Zunge küsst, die wo eben erst, also eben erst in dem Moment gerade eine Krakauer Wurst mit Kren gegessen hat. Wenn sich diese beiden jetzt Zungenküssen – dann bleibt genau der Mundgeschmack von den Chili Minis über. So klingts Ramb, ramb, ramb Das war der ursprüngliche Plan Die Huober-Buam waren sauer auf die Huber-Buam, die ihnen mit ihrer saublöden Kraxelei den Wind aus den Segeln genommen haben. Marketingtechnisch. Und dass sie sich dann auch noch weigerten, umsonst als Werbefigur auf der sogenannten „Huober-Show-Brezel“ auf dem Rosenheimer Herbstvolksfest herumzumturnen, also jetzt kraxelmäßig, das hat dem Splint den Boden ausgeschlagen. Der einzige Ausweg aus dieser marketingtechnisch tierisch miesen Situation war eigentlich nur eine neue Geschäftsidee. Aber so was hatten sie seit Erfindung der Breze ja nicht mehr, die beiden „Snack-Giganten“ Backbert und Steuerbert Huober. Sie gingen also den Weg des geringsten Widerstandes und taten das, was auch all die anderen Snackisten in Europa seit etwa 400 Jahren machen, um ihre Snacks zu „pimpen“: Sie stäuben Chilipulver aufs Produkt. Fertig ist die Laube, viel Glück, Huober Buoaum! So lebt der Erfinder privat Gewerbegebiet Fischbachau, Industriestraße 66. Der Film zum Snack Bundesliga Pur – Der Spieltag (Sport1) Der Mitgucker zum Film zum Snack Alfred Jodocus Kwak:


Name Dinkelstangen

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

So schmeckt's Wocha! Also wenn man Kümmel mag, dann kann es einem schmecken. Kind: Mama, Mama, ich will was zum Naschen! Mama: Na klar, hier, Kind! Für solche Gelegenheiten haben wir doch immer eine Dinkelstange am Revers! Kind: Oh nein. Nein danke. Dann, dann, dann mache ich mir lieber noch ein Spinatbrot in der Mikrowelle warm. So klingt's Kling, kling, kling Das war der ursprüngliche Plan Erdmann-Erfinder1: Okay. Unser Plan für heute ist klar umrissen: Wir sollen einen Snack entwickeln, den Mütter UND Kinder lieben. Gibt es Vorschläge? Erdmann-Erfinder2: Nur zur Klärung: Es bleibt bei dem, was in der Beschlussvorlage steht – also: kein Zucker? Erdmann-Erfinder1: Korrekt. Kein Zucker. Wir sind Erdmann. Da geht das nicht. Any Suggestions? Erdmann-Erfinder3: Also ich hab mal kurz unseren Lagerbestand überschlagen. Wir haben noch zwei Sack Dinkel aus Peru. Und Penelope hat mir gerade durchgemorst, dass in unserem Lager auf den Philippinen noch ne Karre Kümmel der Dinge harrt. Ich weiß nicht, wie es euch geht – ich bin für mischen. Erdmann-Erfinder2: Immer mischen. Immer nur mischen. Ich hab hier die neuen Daten aus der Marktforschung. Die sagen ganz klar, dass Zucker ... Erdmann-Erfinder1: Lieber Erdmann-Erfinder2, mir ist bewusst, dass sie acht Jahre bei Snickers in Viersen gearbeitet haben. Ich schätze ihre berufliche Experise – gerade in der Erdnussverarbeitung. Aber hier gehen die Uhren anders. Erdmann-Erfinder2: (spöttisch) Wenn es überhaupt Uhren gäbe ... Erdmann-Erfinder1: Ich finde: Feine Idee! Machen. Mischen. Steht am Montag im Regal. Erdmann-Erfinder2: (zu sich) Und da bleibt's dann auch. So lebt der Erfinder privat Erdmann-Erfinder3 hat sein Baumhaus frisch isoliert, damit sein größter Wunsch in Erfüllung geht: Seit sieben Monaten versucht er seine schwangere Frau Trud zur Hausgeburt zu überreden. Doch die stellte sich lange „quer“. Das Isolierungsvorhaben und der damit verbundene Körperwärmezugewinn haben sie aber überzeugt. Erdmann-Erfinder3 ist happy und klebt die übrigen Dinkelstangen eng nebeneinander an die Wand in seinem Baumhaus. Der Film zum Snack The Passion of Jesus Christ Der Mitgucker zum Film zum Snack Vadder Abraham


Name Pretzel Pieces – Hot Buffalo Wing

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Preis 1,49 Euro So schmeckt's Scheisse. Da ist so krass viel Zitronensäuere (ja: Säuere!) drin, dass es schon fast nach Magensaft schmeckt. So klingt's Würzwürzwürz Das war der ursprüngliche Plan Als Herbert Schneider 1907 das dörfliche Hannover in Richtung „Neue Welt“ verließ, hatte er ein Packerl Huober-Bretzen samt Schreibfehler von seiner Verwandtschaft aus dem Bayerischen mit im Rucksackerl. In Chicago angekommen erging es ihm erst mal schlecht. Dann entdeckte der Schneider in seinem Rucksackerl die Brezen vom Huober neu. Die waren ein Jahr lang von ihm in der Proviantseitentasche vergessen worden. Mitsamt einem Schneuztuch und einem Erfrischungstuch. Das Erfrischungstuch muss just in einem Moment im vergangenen Jahr aufgeplatzt sein und sich vor lauter Furcht vor der fremden Luft an die Brezen geschmiegt haben. Der Schneider war in der Zwischenzeit ein Kommissar geworden. Und hungrig war er. Er griff nach den Brezen und kostete. „Hmm“, sagte der Schneider, der gerade in seinem Auto einen Mafioso observierte. „Hmm“, sagte Schneider ein weiteres Mal. „Schmeckt Scheisse. Aber: Es hat auch was.“ Und so hängte er seinen in der neuen Welt erlernten Beruf des Beschatters an eine Backsteinwand und gründete die America Pretzel Bakery. Deren Erfrischungstuchverbrauch kurbelte eine noch junge Industrie zusätzlich an. Und so war es nicht verwunderlich, dass der Schneider Herbert kurz darauf den Goldenen Schlüssel der Stadt Chicago überreicht bekam. Good for you, Herbert! So lebt der Erfinder privat Er ist tot. Der Film zum Snack Hair Spray Der Mitgucker zum Film zum Snack Prince Ernest August of Hanover

Text: peter-wagner - und Christina Waechter; Fotos: Autoren

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