Konsumkolumne: So essen die Griechen, die Griechen essen so

Unser Esstest ist unparteiisch und fies. Heute geht's um ein typisches griechisches Menü. Alte Folgen dieser Reihe gibt's im Label Konsumkolumne.
christina-waechter

So isst der Grieche. Vorspeise Weiße Riesenbohnen „Elefant“ in Tomatensoße 2,19 Euro die Dose

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Geschmack Darmbooster! Straight outta Katzenfutterdose! Sämige Konsistenz, mehlige Hauptnote, öliger Abgang. Es ist, als habe sich das Phantom der Oper in die eigene Fresse verirrt. Findet den Ausgang nicht mehr. Das schreibt die „Bild“-Zeitung „Schlimm! Is(s)t der Grieche jetzt komplett plemplem???“ Teilschuld dieses Produkts an der Krise in Prozent 98 Prozent Satz, mit dem man sich hier als echter Griechenlandkenner zu erkennen gibt „Der Grieche an sich isst so was ja auch gar nicht. Das setzen die nur den Touristen vor. Der Grieche wickelt ja die Bohne in WEINblätter!!!“ So heißt das Zeug in der Heimat Thorokaklekokiussifannikakis

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

So wurde es zum Leibgericht einer Nation Die bayerischen Nationalkomiker Herbert und Schnipsi sind in Begleitung eines Kamerateams von Kabel 1 nach Griechenland ausgewandert. Davon träumen sie schon seit zwei Monaten! Mitgenommen haben sie nur das Nötigste: Ihr Furzkissen, die Best of-DVD ihrer schönsten Auftritte und Autogrammkarten – man weiß ja nie, wer einen erkennt! Die beiden Althippies haben natürlich vergessen, Proviant einzupacken. Typisch Althippie. Im Supermarkt greift Herbert nach einer Dose Elefantenbohnen. An der Kasse fragt er den Kassierer: "Was ist das eigentlich?" Der Kassierer kann Deutsch, zwecks Migrationshintergrund. „Nationalgericht!“ Das ist Herbert neu. Er dreht sich zu Schnippsi und sagt: „Nationalgericht!“ Schnippsi kann es kaum glauben und dreht sich ihrerseits zum Griechen, der nach ihr in der Schlange steht: „Nationalgericht!“ Der Grieche kann es auch kaum glauben und dreht sich seinerseits zum Griechen, der nach ihm in der Schlange steht ... und so wurde die Elefantenbohne zum Nationalgericht. Man nennt das: „Self Fulfilling Prophecy“. Gut denkbarer Werbeträger Aelous – Gott der Winde


So isst der Grieche. Zwischenspeise Olivenöl „Olyssos“ 5,99 Euro

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Geschmack Tut erstmal nett, nimmt dann aber Anlauf und knallt mit aller Bitterkeit dem Zäpfchen, dem in der Mundhöhle baumelnden, fleischernen Stalaktiten, also dem höhlernen Fähnchen im Atemwind volle Karnickel von hinten eine in die Fresse! Hinterfotziges Olivenöl. Aber würzig, das kann er! Das schreibt die „Bild“-Zeitung „So schmiert der Grieche!“ Teilschuld dieses Produkts an der Krise in Prozent 3,5 Satz, mit dem man sich hier als echter Griechenlandkenner zu erkennen gibt „Die Koroneiki-Oliven, die für dieses Produkt ihren Saft zur Verfügung stellen, werden von den einheimischen Bauern dreimal täglich mit einem Bier-Wein-Gemisch eingerieben. Einzeln! Das ist so, echt! Dann geht es auf die Massagebank. Die können sich echt nicht beklagen, die Koroneikis! So erklärt sich auch der Preis.“ So heißt das Zeug in der Heimat Plörrokolis

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

So wurde es zum Leibgericht einer Nation Mutti Leandros legt an diesem mal wieder sonnigen Sommermorgen ihren Lendenschurz um und verlässt die staubtrockene Höhle, die sie und ihr Mann, Vati Leandros, von Vatis Eltern geerbt haben. Wir schreiben das Jahr eins. Mutti Leandros verrichtet erst ihre Notdurft, um sich anschließend der Morgentoilette zu widmen. Sie spritzt sich mit Staub ab und putzt sich mit einem Biberschwanz die Zähne. Weil Vati Leandros mal wieder seinen Hühnerprügel in der Höhlenzufahrt hat fallen lassen (ey, die Männer, echt!), stolpert die nicht gerade für Achtsamkeit bekannte Mutti Leandros volle Kanne über das Hindernis und gegen einen Olivenbaum. Mit der Stirn quetscht sie dabei „zufällig“ eine am Boden liegende Koroneiki-Olive. Erst mault sie („Mich kotztdasmanidis!“), dann leckt sie das kühle Quetschnaß mit ihrer äußerst langen Zunge von der Stirn. „Hm“, sagt Mutti Leandros und erzählt das Ganze ihrer Tochter Vicky. Die singt im Jahr zwei ein Lied über diesen Vorfall. Wird ein Hit. Der Rest ist Geschichte. Gut denkbarer Werbeträger Jacky Onassis


So isst der Grieche. Hauptspeise Großer Schaf-Feta 2,19 Euro

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Geschmack Christina: Ich liiiebe Schafe! Peter: Zwei Schafe bitte. Christina: Man kann alles von denen verwenden. Peter: Plautze, Schnauze, Fell und Bein - allein den Käse: den lass sein! Das schreibt die „Bild“-Zeitung „Heisser Protest gegen Scha(r)fmacher: So sexy protestiert Peta gegen Feta!“ Teilschuld dieses Produkts an der Krise in Prozent Fifty-fifty Satz, mit dem man sich hier als echter Griechenlandkenner zu erkennen gibt „Wusstet ihr, dass neuerdings nur noch echter Feta auch Feta heissen darf? Also: Der Patros, der heisst jetzt nur noch Patros. Müsst ihr mal drauf achten im Supermarkt. See you later, Alligator! Tschüssi!“ So heißt das Zeug in der Heimat Schaflakis

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

So wurde es zum Leibgericht einer Nation Es muss ums Mittelalter rum gewesen sein. Hannibal hatte gerade die 40 Elche über den Fernpaß bei Meran getrieben, Griechenland war mal wieder pleite. Kein Wunder, bei der Hitze. In jenen Tagen hatte Kostas Muzifurdakis, von seinen Freunden schlicht „Fuzzi“ genannt, mal wieder eine schräge Idee. Er hatte seinem Bock und der einen Schafsfrau beim Liebemachen verträumt zugeschaut. Das Vorspiel beinhaltete viel „Boobdoodeling“, wie der Amerikaner zu sagen pflegt: Der Bock kitzelte die Böckin an den Doodeln. Über den Rest senken wir den Mantel des Schweigens. Es kam halt Milch, die blieb dann liegen, weil Fuzzi noch was zu tun hatte, dann kam er halt wieder, schaute noch mal, naja, und dann war halt die Milch schon ihr wisst schon: sie war Feta. Dann kamen Herbert und Schnipsi und sahen, dass es gut war. Gut denkbarer Werbeträger Schnipsi


So isst der Grieche. Nachspeise Elinas Joghurt nach griechischer Art 49 Cent

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Geschmack Peter: Schmeckst du was? Christina: Still! Ich muss dem Geschmack nachspüren. Peter: Hören? Christina: Kannst du beim Einparken Radio hören? Peter: Isch abe gar kein Auto! Christina: Ich muss auch diese Kolumne nicht mit dir schreiben. Peter: Schmeckschmeck. Das schreibt die „Bild“-Zeitung „Knallhart: Jetzt kürzen die Griechen den Geschmack“ Teilschuld dieses Produkts an der Krise in Prozent 0,01 Satz, mit dem man sich hier als echter Griechenlandkenner zu erkennen gibt „Weisse: Fett ist halt auch ein Geschmacksträger. Schon mal davon gehört? Für mich ist wichtig, dass beim Kochen immer nur die allerbesten Zutaten verwendet werden. Ich kann ja nicht sagen, wie es dir da geht. Wie geht’s denn dir?“ So heißt das Zeug in der Heimat KXTSIKXLIOS

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

So wurde es zum Leibgericht einer Nation Früher, kurz nach dem Mittelalter, war es so: Die Griechen saßen in sogenannten Brasserien auf der Straße, schlürften aus großen, runden Haferln sogenannten Café au Lait und frassen Croissants in sich rein. Soviel halt ging. Dann kamen die Römer und verboten es ihnen. Dann kamen die Russen – und gingen weiter. Dann kamen Herbert und Schnipsi und erlaubten es wieder. Doch die Griechen und ihr verdammter Stolz! Sie wollten nicht mehr und suchten per Anzeige ein neues Nationalgericht als Frühstück: „LAND SUCHT NEUES FRÜHSTÜCK! VORSCHLÄGE AN ATHEN, AKROPOLIS 5A (INNENHOF).“ Warum die Griechen den Vorschlag aus Bulgarien am besten fanden, weiß man heute nicht mehr. Jedenfalls ist es nun in Kalkstein gemeißelt. Gut denkbarer Werbeträger Dominik Reinhardt vom FC Augsburg


So isst der Grieche. Trinken Metaxa 7 Sterne 14,99 Euro

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Geschmack Peter: Schmeckt wie Olivenöl mit Alk. Christina: Gib dem Metaxa eine Chance! Peter: Schnapsdrossel Christina: Wenn, dann: Froillein Schnapsdrossel! Peter: Drosselomitis Das schreibt die „Bild“-Zeitung „So betäubt der Grieche seinen Frust“ Teilschuld dieses Produkts an der Krise in Prozent 40 Satz, mit dem man sich hier als echter Griechenlandkenner zu erkennen gibt „Den muss man bei 6 Grad Celsius trinken! Auf Eis! Bei euch steht der doch schon ein Jahr im Schnapsregal. Da nehm ich lieber ein Glas Wasser. Vielen Dank und Cheerio.“ So heißt das Zeug in der Heimat Udokis

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

So wurde es zum Leibgericht einer Nation Udo Jürgens stand mit zerrissnen Jeans am Strand und plärrte vor Korfu das Meer an: „Griiiiiiechischer Waaaaaain!“ Die Anwohner konnten ihren „hohen Gast“ Udo schon seit Monaten nicht mehr ausstehen und hatten sogar schon ein Bürgerbegehren gestartet. Ein Auszug aus dem Antrag: „Es kann nicht angehen, dass ein österreichischer Bänkelsänger allmorgendlich unser Meer mit seinem Hit anschreit. Wir bitten darum, den handtuchtragenden Heißsporn auf eine andere Insel zu tun, damit sich die Flora und Fauna auf Korfu wieder erholen kann.“ Das Volksbegehren scheiterte. Wiewohl die Griechen die Demokratie erfanden – bei der praktischen Umsetzung klemmt’s allerweil ein bisschen. Doch das Glück war den Korfunesen hold. Jürgens wurde vom Management nach New York beordert. Daraufhin spendierte Bürgermeister Metos Metaxometer eine Runde Selbstgebrannten. Wie es schließlich zum Etikett dieses Schnapses kam – das müssen Sie Herbert und Schnipsi fragen, die in der Geschichte des griechischen Reiches eine in „högschtem Maße“ bizarre Rolle eingenommen haben. Gut denkbarer Werbeträger Mea Culpa

Text: christina-waechter - und Peter Wagner

  • teilen
  • schließen