Kontokolumne: Von Elefanten und Miethaien

Neu-Hamburgerin Myriam (30) ist Konto-Expertin. Schließlich hat sie irgendwann eine Bankausbildung gemacht. Allerdings liegt diese lange hinter ihr. Kürzer und viel präsenter sind dafür drei Monate Australien, Thailand und Laos. Für rote Zahlen gibt es dieses Mal bunte Erinnerungen.
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Illustration: Julia Schubert

18.06.2007 -184,40 Euro CHIANG MAI Als ich klein war, hab’ ich mir von den Stofftieren im Laufstall sofort den Elefanten geschnappt und nie mehr losgelassen. Daraus ist heute eine echte Begeisterung geworden. Als ich im Internetcafé im thailändischen Chiang Mai saß, suchte ich daher nach dem Elefantenpark, über den meine Mutter eine spannende Reportage entdeckt hatte. Ich konnte jedoch partout nichts finden – bis ich ein paar PCs weiter ein Mädel mit einem T-Shirt „Save the Elephant“ bemerkte. Kurz später war die Reise gebucht. Für 7500 Baht freute ich mich auf den Elephant Nature Park - das Gegenteil von Zoo und Zirkus. Ungefähr 30 Elefanten leben hier. Allesamt misshandelte Tiere, die von der Initiatorin des Parks gerettet wurden. Die Besucher passen sich dem Rhythmus der Elefanten an. Klar ist auch, dass die Dickhäuter keine Kuscheltiere sind. Deshalb bleibt ein Sicherheitsabstand immer erhalten. Auch beim Baden. Kurz nach meiner Ankunft stand ich nämlich im Fluss zusammen mit den Riesen; patschnass; voll bekleidet und mit Eimer und Schrubbbürste. „Geh hin, Geh hin“, riefen die Mahuts, die die Elefanten versorgen. Irgendwann traut man sich und fängt an sie überall abzuschubbern, während sie sich auf den Rücken legen, so dass der runde Bauch rausguckt, und sie sich und mich mit dem Rüssel nass spritzen. Sie leben einfach ihren Alltag, ganz ohne Attraktion. So war das Schönste zu beobachten, wie glücklich die Elefanten sind.

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Illustration: Julia Schubert

30.06.2007 -136,05 Euro CHIANG MAI Laos. Bokeo Nature Reserve: Wenn es in der Nacht weiter regnen sollte, sagte man uns direkt am Anfang der Gibbon Experience müssten wir zu Fuß in den Dschungel, weil der Jeep nicht mehr durchkommt. Der Clue am Trip in den laotischen Urwald war, dass man an einem bis zu 100 Meter langen und 150 Meter über der Erde hängenden Kabel von Baumhaus zu Baumhaus "zippt" und dort auch übernachtet. Damit die Natur nicht durch Touris überrannt wird, nehmen höchstens zwölf Leute teil. Der Geheimtipp unter den Thailand-Reisenden ist es zudem, weil er nicht einmal im Lonely Planet steht. Von Chiang Mai aus ging es zunächst zur Grenze und von da ins Landesinnere. Trotz Regen wollten wir es wissen. Mit vereinten Kräften schoben wir immer wieder den Bus durch die Rutschpartie. Beim folgenden fünfstündigen Marsch bis zum ersten Baumhaus sahen wir schließlich aus wie eine verhinderte Fußballmannschaft: in Plastikschuhen mit Spikes, kunterbunten Kniestrümpfen und mit Tigerbalsam an den Beinen zum Schutz vor allgegenwärtigen Blutegeln. Schlamm, Insekten, Schweiß – alles war egal. Spätestens als das erste Zippen losging: einfach unglaublich! Man hängt am Drahtseil und rutscht quer durch die Urwaldwipfel - mit einem aufgeschnittenen Autoreifen als Bremse. Beim fantastischen Blick auf den Urwald muss man einfach nur schreien. Ein absoluter Adrenalinstoß zusammen mit dem aufblitzenden Gedanken: „Ach, du Scheiße, was wenn das schief geht?“ Gibbons sind übrigens die kleinen Affen, die uns jeden Morgen mit ihrem Pfeifen weckten.

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Illustration: Julia Schubert

01.08.2007 KONTOAUSZUG 4, BLATT 1/22 Unangenehm ist es, wenn man nach ewiger Zeit seine Kontoauszüge abholt und die Maschine gnadenlos rattert: „Auszug 1 wird gedruckt, ... Auszug 11 wird gedruckt, weitere folgen“. Meistens wollen genau jetzt ganz viele ältere Damen (die keinen Spaß verstehen) auch unbedingt an den Automaten. Ich tue dann immer unsagbar beschäftigt, während die Alte-Damen-Schlange länger wird. Am schlimmsten ist aber der Zwischenstopp des Druckers vor dem nächsten Schwung. Dann kommen nämlich alle mit der Hand am Portmonee einen hektischen Schritt näher. 18.09.2007 -189,00 Euro WIMMO GMBH HAMBURG Bei meinem Umzug in die Hansestadt drängte die Zeit. Nach einer Reihe Absagen, unglücklichen Losverfahren und überteuerten Zimmern war ich wirklich genervt: Ich wollte endlich eine Wohnung! Deshalb bin ich mit ein paar Klicks im Internet Mitglied bei besagter Firma geworden. Für den saftigen Jahresbetrag sollte es courtagefreie Wohnungsangebote geben. Das klang gut. Am nächsten Tag google ich nach „Wimmo“ und finde prompt einen Artikel unter dem Aufmacher: „Wohnungssuche: So werden Sie abgezockt“. Eine nette Zwischenmiete habe ich dennoch mittlerweile gefunden. 01.10.2007 -14,81 Euro SHELL, HAMBURG Man kennt diese Aufnahmen von Überwachungsvideos, auf denen man fast automatisch aussieht wie ein Verbrecher. Von mir existiert nun also auch eines: an der Tankstelle. Dabei war alles ein großes Versehen. Ich war unterwegs nach Fehmarn und ziemlich aufgedreht, weil ich das erste Mal seit langem surfen wollte. Beim Tanken plauderte ich angeregt mit dem netten Tankwart, den Leuten im Shop und kaufte mir noch schnell ein Frühstück für die Fahrt. Insgesamt: ein Supertag mit Superwind. Zwei Wochen später bekam ich Post von der Staatsanwaltschaft, Betreff „Verdacht auf Betrug“. Beim Lesen der Zeilen: „Es wurde zwar ein Kaffee und ein Produkt aus dem Backwarenshop bezahlt, aber...“ fiel es mir siedendheiß ein. Oh Gott, ich hatte vergessen, die Tankfüllung zu bezahlen! Mit dem Schreck noch in den Knochen bin ich sofort hin, entschuldigte ich mich und zahlte alles nach, während der Rest sich amüsierte. Mit griffbereiten Formular meinte jedoch der nette Tankwart: „Ach, das passiert viel öfter als Sie denken.“

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