„Reis? Wieso bekomme ich Geld für Reis?“

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Auf dem deutschen Konto 08.06.2007 -83,88„AMAZON" 2000 Erasmus-Fotos aus Lyon haben den Speicher von meinem Computer gesprengt und brauchten endlich eine externe Festplatte. Ich freu mich schon! Mit einigen Erasmus-Leuten bin ich nämlich für September in Lyon verabredet. Die Italienerinnen kommen aus Turin angereist und meine belgische Freundin besuche ich auf dem Rückweg nach Deutschland. Auch wenn man nicht immer intensiven Kontakt hat, weiß man doch, man dürfte da jederzeit eine Woche wohnen. 15.06.2007 +10,00"OMA" Ach, die Oma. Als wir klein waren, haben wie immer den Opa-Taler gekriegt, wenn wir zu Besuch waren. Das war dieses typische zugesteckte Fünf-Mark-Stück. Und als Opa irgendwann nicht mehr war, hat meine Oma einen Dauerauftrag eingerichtet. Betreff „Oma“. 28.06.2007 -15,00"ARCOR SHALLALALA VON KATHRIN " Mein Mitbewohner Tobi ist gerade in Dublin. Deshalb hatten wir quasi reine Kontoauszugskommunikation. Tobi ist jedenfalls unser Telefonbeauftragter, wenngleich nicht jeder in der WG so eine Aufgabe übernimmt. Aber er macht es netterweise. Dummerweise jedoch hab ich erst letztens gemerkt, dass ich monatelang brav zuviel überwiesen habe. Als ich im Ausland war, wurde nämlich der Tarif gewechselt. Eigentlich bekomme ich ja noch Geld von Tobi… Shallalala hat aber, soweit ich mich erinnere, keine Bedeutung. 02.07.2007 -31,60"ICH FAHR MIT MEINEM KETTCAR" Kettcar-Konzert in Münster: Und ich stehe ganz hinten! Die Akustik war da leider so mies, dass man kaum etwas verstehen konnte. Komischerweise hat es sich sogar besser angehört, wenn ich mir gelegentlich die Ohren zugehalten habe. Seit ich mich musikalisch nicht mehr nur am großen Bruder orientiere kenne ich Kettcar — und seit „Rock am Deich“ irgendwann in Ostfriesland. Diesmal haben sie leider etwas kurz gespielt. Dafür gab es zwei Wochen später Olli Schulz beim Sommer-Festival der Mediziner. Für nur 10 Euro. Super waren besonders die Bands, die ich kaum kannte. Martin Jondo and the Ruffcats zum Beispiel. Auf der Bühne swingen schnipsende Sängerinnen während aus dem Background jemand dunkel zu singen beginnt. „Coole Stimme, cooler Typ. Gefühlte zwei Meter der Mann“, dachte ich. Und dann kommt Martin Jondo auf die Bühne: Echt klein aber ziemlich cool. 04.07.2007 -5,30"DB VERTRIEB GMBH" Das ist der Emsland Express. Der heißt so. Und der ist auch so. Wenn ich alle paar Wochen per Bahn zu meinen Eltern fahre, juckele ich damit hin und zurück und gewinne jede Wette: Sonntagabends steigen nämlich ungefähr alle ein, die an unserer Schule Abi gemacht haben, und fahren entweder nach Göttingen, Osnabrück oder Münster. Auf der Fahrt kann man dann Small Talk üben. Irgendwer, mit dem man mal in der Seepferdchengruppe war, ist nämlich immer dabei. 08.07.2007 -49,90"AMAZON" Bis vor kurzem bin ich immer so gejoggt: Schlüssel in der einen Hand und Kassetten-Walkman in der anderen. Ein schwarzer von Sony, ziemlich breit und hoch. Wahrscheinlich hab ich den noch zum Seepferdchen gekriegt. Weil ich deswegen aber ständig verarscht werde und das gute Stück nur nach Bandsalat produziert, blieb mir nichts übrig als einzusehen, dass ich doch einmal im Leben einen MP3-Player besitzen muss. Ganz ohne Kassettendeck geht’s allerdings immer noch nicht. Allein wegen TKKG. 16.07.2007 +15,00"NICHT ALLES VERSAUFEN" Knapp drei Guinness hätte Tobi für die 15 Euro bekommen. Dublin ist immerhin eine der zwanzig teuersten Städte der Welt. Deshalb doppelt „Danke“ fürs Zurücküberweisen des Telefonüberschusses. Auf dem französischen Konto 27.03.2007 +18,09"SORTEN/EDELMETALLE/REIS ESCH" Reis? Wieso bekomme ich Geld für Reis? — Reis-esch-ecks wahrscheinlich. Aber wo? Ich weiß es: Das war der Schweizer-Franken-Umtausch. Im Dezember sind wir zu neunt nach Genf gefahren, wo ich mich allerdings habe hinreißen lassen, kostspielige Schweizer Franken am Automaten zu ziehen. Die übriggebliebenen lagen seitdem im Stifte-Glas auf meinem Schreibtisch. „Das nächste Mal, wenn du zum Bahnhof fährst, nimmst du es mit zur Wechselstube.“, so der gute Vorsatz. Circa für drei Monate.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

07.07.07 +150,51"SALDO/IHR KONTOSTAND" Die 150 Euro habe ich extra drauf gelassen: für Vélo’V. Das ist total praktisch und ziemlicher Trend in Frankreich. In Lyon gibt es nämlich knapp alle 300 Meter mobile Fahrradstationen, wo schöne Miet-Räder abholbereit in der Reihe stehen. Per Automat kann man die jederzeit mitnehmen. Allerdings muss man erst seine Bankkarte in die Maschine stecken bis der der Automat sagt: 150 Euro auf deinem Konto sind „bloqué“. Als Pfand quasi. Eine Woche kann man sich mit einer Extra-Karte ein Fahrrad schnappen, so oft und wo man will. Wenn du allerdings Pech hast und am Samstagabend alle durch die Gegend düsen, stehen da nur drei Fahrräder. Wo bei einem die Kette runter hängt, dem anderen der Sattel fehlt und du beim Dritten erst beim Wegfahren merkst, dass die Reifen platt sind. Dafür ist die erste halbe Stunde kostenlos. Das führt dann immer dazu, dass man schnellstens vom einen Ort zum anderen jagt und betet, dass die nächste Radstation nicht voll ist. Lyon ist übrigens Vorreiter, Paris kommt.

  • teilen
  • schließen