Kosmoshörer (Folge 30)

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Montag:
Der Beginn einer voraussichtlich stinknormalen Arbeitswoche. Ich habe Lust, mich ein wenig melancholisch darauf einstimmen zu lassen und entscheide mich für das selbstbetitelte Album von Postdata. Um einen zu starken Bruch zu vermeiden, wähle ich als nächstes Yuck mit „Yuck“ aus. Immer noch eher nachdenklich aber auch mit der notwendigen Leichtigkeit und ein wenig Schmutz. Ich mag Schmutz. Wer den nicht mag, dieses Video zeigt wie man ihn ab bekommt:

http://vimeo.com/16694797

Abends geht es weiter mit Explosions In The Sky. Hier fällt es mir schwer, ein Lieblingsalbum auszuwählen, ich könnte alle am Stück durchhören, ohne dass es mir langweilig wird. Für den Fall, dass es den Lesern nicht so geht, entscheide ich mich für „The Earth is not a dead cold place“. Als schönes Video kann ich „Be Comfortable, Creature„ vom Album „Take Care, Take Care, Take Care“ empfehlen:

http://vimeo.com/28743490

Dienstag:
Nachdem der Vorabend ganz wortlos endete, brauche ich heute das tolle Gemisch aus österreichischem Dialekt und schlechter englischer Aussprache, welches mir Ja, Panik bieten. Deren neuste Platte ist zwar musikalisch nicht mehr so radikal wie die Vorgänger, die Texte nehmen mich trotzdem immer noch mit.

Speedy Ortiz mit „Major Arcana“ sind dann als nächstes dran, momentan einer meiner Favoriten. Wunderbar, wie sich hier die Melodien ganz unbemerkt aus dem schiefen Krach herausschälen und sich direkt in Hirn und Herz fressen. Für Einsteiger (Textstellen wie „Spent the summer on crutches / and everybody teased“ sind doch einfach toll):

http://www.youtube.com/watch?v=lpde1wEWI6Y

Eine kurze Unterbrechung im Liedfluss erinnert mich an den Anfang von Fugazis „Waiting Room“, weshalb ich als nächstes „13 Songs“ auswähle.

http://www.youtube.com/watch?v=cMOAXm94VWo

Mittwoch: 
Eine wandelbare Band, die sich von schwer verdaulichem Noise-Rock in elektronische Gefilde entwickelt hat, sind die Liars. Deren vorletztes Album „WIXIW“ strahlt für mich trotz fehlendem Noise eine unterschwellige Bedrohung aus. In direkter alphabetischer Nachbarschaft stoße ich auf meinem iPod auf The Low Anthem und höre mir „Oh My God Charlie Darwin“ an.

Für Gänsehautmomente:
http://vimeo.com/7225514

Die Shout Out Louds mit „Howl Howl Gaff Gaff“ werden mich wohl für immer in das Gefühl der Jahre 2005 bis 2009 zurückversetzten können. Dunkler Keller, 5 Uhr morgens und die ersten geschrammelten Akkorde von „Please Please Please“ führen dazu, dass wir alle mit Grinsen im Gesicht auf die Tanzfläche rennen.  

Den Abend beende ich mit der „All Delighted People EP“ von Sufjan Stevens.

Donnerstag: 
Die repetitiven Klavierlandschaften von Lubomyr Melnyk (gemeinsam mit James Blackshaw - „The Watchers“) begleiten mich auf dem Weg zur Arbeit. Mittagspause, alleine mit Bank und Sonne, ich scrolle mich zu My Sister Grenadine (Subtitles & Paper Planes) runter. Live absolut wundervoll mit anzusehen, welche kleinen Gimmicks hier zur Geräuscherzeugung beitragen. 

http://www.youtube.com/watch?v=C5Xcd4tRFjk

Etwas aufwendiger ist dann schon das Klangbild von My Brightest Diamond („A Thousand Shark's Teeth“). Zuhause höre ich dann „The Destruction Of Small Ideas“ von 65DaysOfStatic. Nebenher wird Hausarbeit erledigt und damit begonnen, die Reisetasche für das Wochenende zu packen.  

Kurzfristig entscheide ich mich zu einem Feierabendbier mit Freundinnen, das Packen muss warten, dafür begleiten mich TV On The Radio und „Return To Cookie Mountain“ auf dem Weg.  

Aus einem Bier wurden drei, gepackt ist nichts und morgen wird es wohl stressig, wenn ich den Zug nicht verpassen möchte.

Freitag: 
Die Playlist für den heutigen Tag habe ich mir bereits am Donnerstagabend zusammengestellt. Ich bin pünktlich, aber der Zug nicht. Die Verspätung des ICE nach München ermöglicht mir die Umsetzung des ambitionierten Plans:

Waxahatchee „Cerulean Salt“
Sonic Youth „Evol“
Pavement „Crooked Rain Crooked Rain: L.A.'s Desert Origins [Disc 1]“
Willis Earl Beal „Acousmatic Sorcery“
Wild Beasts „Two Dancers“
Wintersleep „Welcome To The Night Sky“  

In München gibt es dann einen gemütlichen Abend bei Exil-Schwaben.

Samstag: 
Viel von München sehe ich nicht, da der ganze Tag mit Partyvorbereitungen vergeht. Ich werde kurzfristig gebeten, eine Playlist zusammenzustellen, die ich dann auf die Schnelle zurechtzimmere. Es gehen keine Beschwerden ein und ich kann mich zufrieden dem Augustinervorrat widmen. Ein Glück, dass das Lagerfeuer erst nach dem Ende der Feierlichkeiten durch sintflutartige Regenfälle gelöscht wird.

Eines meine Lieblingslieder lief auch:
http://vimeo.com/22990179

Sonntag: 
Der Sonntag beginnt spät und bleibt recht still. In die Pinakothek der Moderne für einen Euro ist schon eine tolle Sache. Nach einem lauschigen Regenspaziergang sitze ich jetzt hier im Zug und schreibe meinen letzten Eintrag. Anstelle von Musik habe ich mir zwei Folgen Breaking Bad vorgenommen. Krasses Staffelende von Season 4, unterlegt von Musik von Apparat.

http://www.youtube.com/watch?v=CAUrRKXml0I

Das Wochenende und auch die Woche als Kosmoshörer gehen damit zu Ende.

Auf der nächsten Seite findest du den ausgefüllten Musikfragebogen von [link=/jetztpage/b_last_o">b_last_o


Gute Musik – was ist das für dich? 
Die Qualitätsfrage kann ich nicht so einfach beantworten. Oft sind es die kleinen Momente in einem Lied oder Bandsound, die es für mich zu etwas Besonderem machen. Das kann zum Beispiel eine bestimmte Textstelle oder Gesangs(dis)harmonie sein. Aber auch ungewöhnliche Schlagzeugpassagen und unscheinbare Melodien können für mich den Unterschied ausmachen. Gute Musik muss sich irgendwie auch ehrlich und authentisch anfühlen. 

Wie hörst du Musik: Klassisch im CD-Spieler, auf dem Handy, über Streaming-Portale? 
Vor sechs Jahren habe ich damit begonnen, nur noch komplette Alben am Stück zu hören. Ausnahmen mache ich eigentlich fast nur beim [link=/texte/anzeigen/584527/Mixtape-Tausch-Fruehling-2014-Thema-Veraenderung-Versand-Ende-April" target="_blank">jetzt.de-Mixtapetausch. Den Großteil davon konsumiere ich über meinen iPod. Dessen Inhalt ist jedoch größtenteils noch einmal in Form von CD oder Vinyl bei mir im Schrank. Vor ein paar Jahren habe ich deshalb in einen guten Stereo-Verstärker, CD-Player und Boxen investiert. Ein alter, günstiger DUAL-Plattenspieler hat sich als Glücksgriff erwiesen, da er mir gute Dienste leistet.

Wo hörst du Musik? Vor allem unterwegs, nur daheim, zum Einschlafen? 
Auf dem Weg zur Arbeit hilft mir die Musik, gut in den Tag zu starten. Wenn ich dann abends aus dem Büro gehe und den iPod wieder einschalte, fallen Stress oder Anspannung auf einmal ab und ich habe sofort ein Lächeln im Gesicht. Leider schaffe ich es im Alltag oft nicht, auch zuhause bewusst Musik zu hören, ohne nebenher irgendetwas erledigen zu müssen.

Hast du eine Lieblingsband oder Musiker, von denen du alles hörst? 
Es gibt einige Bands von denen ich neue Alben ohne großes Probehören kaufe. Hier ein paar davon: Pavement, Portugal. The Man, ...And You Will Know Us by the Trail of Dead, The National, Grizzly Bear, Wintersleep, Sonic Youth, Built to Spill, Ja, Panik, Interpol, Foals, Touché Amoré

Welche Musik magst du gar nicht und warum? 
Aufgrund meiner strengen Auslegung was die Hörenswürdigkeit von Musik angeht, wurde ich einst von einer Freundin als Musiknazi bezeichnet. Das kann ich so natürlich nicht stehen lassen, da ich eigentlich für alles offen bin. (Im Fall dieser Freundin ging es jedoch um David Garrett oder Michael Bubble, da macht meine Toleranz dann eine Auszeit). Wie bereits oben genannt, muss Musik für mich authentisch sein. Wenn also dieses Gefühl ausbleibt, dann kann ich nicht viel damit anfangen. Dies ist eigentlich unabhängig von der Musikrichtung.

Was war deine erste eigene Platte – und wohin ging dein Musikgeschmack von da aus? 
Die erste CD, die ich mir gewünscht habe, war von Freddy Quinn, nachdem ich einen Seefahrer-Film mit ihm gesehen hatte. Meine nachträglichen Erklärungsversuche gehen dahin, dass mir sein Frauenverschleiß in den Häfen der Welt imponierte. Von dort aus ging es dann eigentlich direkt nach einer kurzen Guns'n'Roses-Phase über Metal zu Skate-Punk. Von dort aus hat sich dann mein Interesse in alle Richtungen ausgebreitet.

Gehst du gern auf Konzerte, und auf welche zuletzt? 
Ich liebe Konzerte. Last.fm behauptet, dass dies meine letzten Konzerte waren:
Levin Goes Lightly
Ja, Panik
William Fitzsimmons
Cloud Control
The Notwist
Mogwai
Monochrome
Haldern Pop Festival 2014

Wie entdeckst du neue Musik und was ist deine neueste Entdeckung? 
Ich habe die Zeitschrift VISIONS abonniert, auf deren Aussagen ich mich schon relativ gut verlassen kann. Darüber hinaus gibt es in meinem Stamm-Plattenladen „Second Hand Records“ in Stuttgart oft Neues zu entdecken. Meine neuste Entdeckung habe ich auf dem Haldern gesehen. Ought aus Kanada. Die Platte werde ich mir bei nächster Gelegenheit besorgen.

http://vimeo.com/91444736

Verrate uns einen guten Song zum...   
Aufwachen:
„I got out of bed today / staring at a ghost“

http://vimeo.com/3527532

Wintersleep mit „Weighty Ghost“

Tanzen: 

http://vimeo.com/9568937

Traurig sein:    „
Sylvia, get your head out of the oven“  

http://vimeo.com/11605170

Sport treiben: 
Bowling ist ziemlich anstrengend...

http://www.youtube.com/watch?v=4ixu8gOg948

Als nächsten Kosmoshörer wünsche ich mir: 



Text: jetzt-redaktion - Foto: o.H.

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