Kosmoshörer (Folge 38)

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Montag:
Sirenengesang zieht mich aus dem Bett. Schlaf. Schlurf. Schlürf. Denke ernsthaft über pinke Haare nach. Vielleicht fahr ich heute auch mit dem Skateboard in die Arbeit. Man muss auf jeden Fall mehr Musik mit Frauen-Gesang hören, ihr Machos. Verzaubert.  

https://www.youtube.com/watch?v=ie6plcFQ330

Dienstag:  
Dieses Jahr war ich auf Mallorca im Urlaub. Im Sonnenuntergang fuhren wir nach Hause und fühlten uns leicht. „Mallorca 95.8-Das Inselradio“ spielte dieses Lied. Und das war ein krasser Moment, weil ich das schon immer kannte, aber nie verstanden habe, wie gut das eigentlich ist. Wenn das jetzt im Radio kommt, freue ich mich heimlich, weil ich glaube, dass nur ich das verstehe.  

http://www.youtube.com/watch?v=SqdWTeXWvOg

Mittwoch:  
Ein Freund hat mir letztes Jahr ein Arthur-Russel-Album zum Geburtstag geschenkt. Anfangs spröde und sperrig, musste ich es immer wieder anhören. Jetzt höre ich darin so viele Melodien, die ich nie wieder los werde. Der Musiker Arthur Russel hat in den Achtzigern mit seinem Cello düstere Disco-Tracks gespielt! Nur wenige kannten ihn. Und jetzt klingt das so frisch.  

http://www.youtube.com/watch?v=eq5gjfN5lns  

Donnerstag:  
Wegen des nächsten Stückes habe ich mal kurzzeitig gedacht, „Minimal“ verstanden zu haben. Bis mir einer erzählt hat, dass „Minimal“ ganz anders ist. Ich erinnere mich noch, dass ich „Evil Dub“ mal zum Einschlafen mit Kopfhörern ganz laut hören wollte und fast verrückt geworden bin. Psychoaktive Musik. Kopfhörer vom Kopf gerissen. Herzklopfen gehabt.  

http://www.youtube.com/watch?v=oot1vO2o3pI    

Freitag:  
Freitag wird gefeiert. Kleinstadtjunge sein. Wie ein Großstadtjunge fühlen. Kopfsprung vom Zehner machen.  
http://www.youtube.com/watch?v=U7-q1WRaKNg  

Samstag: 
Am Samstag pfeifen doch noch die Ohren vom Ausgehen. Gedankengänge fallen schwer. Man hat Kopfweh. Und Alt-J klingen auf einmal so komisch:  

https://www.youtube.com/watch?v=jD_92f3eiWY#t=50    

Sonntag:  
Am Sonntag muss man sich beruhigen. Einen Spaziergang machen. Mit den besten Freunden Torten essen. Und wenigstens einmal in der Woche hochkulturell sein. Eine Tageszeitung zur Gänze durchlesen. Ein geistreiches Telefonat führen. Die Haare waschen. Mal die Füße genauer anschauen. Einfach ein spanischer Edelmann sein:  

https://www.youtube.com/watch?v=ye-FvKCZp3s    


Gute Musik – was ist das für dich?   
Gute Musik sollte in mir irgendwas öffnen oder auslösen. Einen fiktiven Raum oder eine ungewöhnliche Sichtweise. Und sie muss einen schon länger begleiten. Sonst hat sie den Test nicht bestanden.

Wie hörst du Musik: Klassisch im CD-Spieler, auf dem Handy, über Streaming-Portale?   
Ich besitze keinen MP3-Player und die Buchse von meinem Handy ist kaputt. Das führt dazu, dass ich die Fähigkeit verloren habe, ganze Alben zu hören. Es gelingt mir immer seltener, ein aktuelles Album durchzuhören. Wenn es aber mal passiert - und das Album auch noch gut ist -, laufe ich missionarisch herum und erzähle es jedem.  

Wo hörst du Musik? Vor allem unterwegs, nur daheim, zum Einschlafen?   
Daheim. Zum Lesen und Außenwelt-Aussperren.

Hast du eine Lieblingsband oder Musiker, von denen du alles hörst?  
Ich würde es wohl wichtig finden, ein „Gesamtwerk“ zu kennen, aber gelungen ist mir das noch nie. Wo fängt man an, wo hört man auf? Von neueren Bands kenne ich schon oft alle Alben und kann Entwicklungen sehen. Ich kann dir aber nicht erzählen, wo, wie und wann die Beatles psychedelisch wurden.  

Welche Musik magst du gar nicht und warum?   
Das kann ich nur abstrakt sagen. Vielleicht Musik ohne Geist. Und das meine ich wörtlich. Spuk-Geist. Angst-Geist. Erschreck-Geist. Flüster-Geist. Muss hier vorsichtig sein, sonst gehen die Pferde mit mir durch. Eigentlich ist viel Musik hassenswert. Man kann ja schon froh sein, wenn man überhaupt noch checkt, was gut oder schlecht ist. Das fällt immer schwerer, finde ich.  

Was war deine erste eigene Platte – und wohin ging dein Musikgeschmack von da aus?  
Ich denke „Backstreet Boys“. Ohne großen Bruder oder große Schwester ist man ein musikalischer Niemand, wenn man klein ist. Dann kommen Freunde. Die übernehmen dann die musikalische Erziehung. Nach den Boys kam Noise. Jetzt mag ich Gitarren und Elektronisches. Aber eine Vorliebe für ausgefeilte Choreographien ist geblieben.

Gehst du gern auf Konzerte, und auf welche zuletzt?   
Ich mag Konzerte, aber gehe nicht so oft. Mein letztes ganz großes Konzert waren wohl die Foals in Hamburg. Das ist aber schon lange her, merke ich gerade. Öfters besuche ich aber kleine Konzerte von da wo ich herkomme – wenn da wer vorbeikommt. „Red Fang“ zum Beispiel haben einen bleibenden Schaden hinterlassen; wegen Dosenbierstechen und infernalischen Gitarren-Brettern.

http://www.youtube.com/watch?v=xuR_GxPYFGU    

Wie entdeckst du neue Musik und was ist deine neueste Entdeckung?   
Über Freunde und das Internet. Wahrscheinlich ist mein Musikgeschmack viel stärker von irgendwelchen Algorithmen beeinflusst als ich das begreife. Meine neueste Entdeckung:  

https://www.youtube.com/watch?v=CfUVmzWmrow    

Verrate uns einen guten Song zum...   
Aufwachen:  

https://www.youtube.com/watch?v=tUX4OMkSRpI

Tanzen:   

https://www.youtube.com/watch?v=bibXZUZVonw  

Traurig sein:   

http://www.youtube.com/watch?v=2z_gi6AniEo  

Sport treiben:

Das gibt schnell einen Herzkasperl. Also immer langsam zuerst.  

https://www.youtube.com/watch?v=OgR4S1dSkVQ    

Als nächsten Kosmoshörer wünsche ich mir:
Meinen einzigen jetzt-Freund JoergZentes.

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