Kosmoshörer (Folge 44)

Was hört man, wenn man Weihnachtspost schreiben muss? Und was bei der Geschenkejagd in der Fußgängerzone? jetzt-userin lise_lotte hat für uns ihre musikalische Woche dokumentiert.
jetzt-redaktion
Default Bild

Illustration: Julia Schubert


Musik hört jeder, aber jeder macht es anders. In der Kolumne Kosmoshörer dokumentieren jetzt-User und jetzt-Redakteure jeweils eine Woche lang ihren Musikkonsum. Das hat jetzt-Userin lise_lotte vergangene Woche gehört:

Montag:
Montagmorgen. Es regnet. Es ist grau. Ich brauche Kaffee. Nein, lieber Espresso – 'nen doppelten Espresso brauche ich.
"If you've got no kind words to say,
You should say nothing more at all."
The Maccabees, ihr habt so recht. Deswegen sage ich jetzt nichts mehr, lass mich von euch berieseln, und genieße den doppelten Koffeinkick. Jetzt bin ich bereit für Kommunikation.
https://www.youtube.com/watch?v=IhmKNBBp3OU

Den Tag über begleiten mich Angus & Julia Stone mit dem gleichnamigen Album. Der perfekte Wintersound für meine Ohren.


Dienstag:
Ich denke ganzen Tag an nichts anderes, als an Mathilda aus Léon, der Profi:

https://www.youtube.com/watch?v=JvTVuMzQXTM

Abends bin ich mit Freunden im Kino, wir schauen #zeitgeist – von digitaler Nähe und analoger Entfremdung. Am meisten gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit Hank Schrader aus Breaking Bad. Cooler Typ. Auf dem Heimweg bin ich leicht emotional, habe das dringende Bedürfnis, in die Welt von WoW einzutauchen – nur ganz kurz – und bin den Klängen von Sea Wolf verfallen. Von der LP Old World Romance gefallen mir "Kasper", "Whirlpool"  und "Old Friend" sehr, sehr, sehr. Zu letzterem gibt es auch ein zauberhaft beschwingtes Video:

http://vimeo.com/68192608


Mittwoch:
Okay. In genau einer Woche ist Weihnachten. Jetzt wird's ernst. Ich habe Weihnachtskarten in schwarz-weiß besorgt, die ich zu Weihnachten an Freunde verschicke. Das Ding an Handgeschriebenem ist, man muss wissen, was man sagen/schreiben will – es gibt keine Entf-Taste. Aber dank Chet Faker on repeat bin ich total im Schreibflow und kann ganz locker-flockig meine Weihnachtsgrüße auf Papier bringen. Musik für immer und zwischendurch.

http://vimeo.com/58404809

https://www.youtube.com/watch?v=L-J9VEJKx0g

https://soundcloud.com/flume/chet-faker-gold-flume-re-work-1


Donnerstag:
Regen? Ja. Aber heute nur KONFETTIREGEN!

http://vimeo.com/26142166

http://vimeo.com/49610718

http://vimeo.com/101058507


Freitag:
Holy. Shit. Shopping. Bin heute auf Weihnachtsmission unterwegs. Dieses fancy Buchcover springt mir in der Buchhandlung förmlich ins Auge. Ich will es verschenken – ihr wollt doch alle Konfetti, Peace und Fitti mitm Bart – bloß fällt mir niemand ein, der sich so wirklich freuen würde. Will wer von euch? Peace.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert



Auf meiner Shoppingtour höre ich jedoch nicht MC Fitti, sondern diesen zarten Kerl mit der rauen Stimme:
http://vimeo.com/72067880
 

Samstag:
Ich schwebe so durch den Tag, alles fühlt sich irgendwie ganz flauschig, funkelnd, warm an.


http://vimeo.com/50390047

https://soundcloud.com/warpaintwarpaint/billie-holiday

https://soundcloud.com/tycho/tycho-awake


Sonntag:
Entspannter vierter Advent. Ausschlafen, selbstgebackenes Bananabread mit Zimt zum Frühstück, langer Spaziergang, Kaffee mit einer tollen Freundin, die ich ewig nicht mehr gesehen habe und Sanft & Sorgfältig mit Olli & Jan. Was wäre ein Sonntagnachmittag ohne Die Großen 5. Auf Platz eins der großen fünf Weihnachtsgansfüllungen von Jan: Mett! Für Mett ist immer Platz. Musikalisch untermalen würde das Olli Schulz jetzt gut mit seinem Song "Phase", aber mir ist dann doch eher nach Real Estate und MØ, der coolsten Dänin überhaupt. Say what!

https://soundcloud.com/real-estate-the-band/crime-1
   
http://open.spotify.com/track/0bKE1aUML35JRFjfUDrso8

Auf der nächsten Seite: der ausgefüllte Fragebogen über lise_lottes Musikgewohnheiten und -vorlieben.






Gute Musik – was ist das für dich?
Gut ist, was bewegt. Für kurz, für lang, egal. Es muss 'was' in mir bewirken, mit mir machen – im positiven Sinne.

Wie hörst du Musik: klassisch im CD-Spieler, auf dem Handy, über Streaming-Portale?
Unterwegs benutze ich MTV Music, weil ich wegen meines Mobilfunkvertrags eine Flatrate habe. Zu Hause höre ich über den Laptop - da dann meist über Spotify oder Webradios wie detektor.fm und FluxFM.

Wo hörst du Musik? Vor allem unterwegs, nur daheim, zum Einschlafen?
Eigentlich immer, wenn ich von A nach B muss. Wenn ich frühstücke, koche, aufräume. Ich höre Musik vor allem, wenn ich in Bewegung bin.

Hast du eine Lieblingsband oder Musiker, von denen du alles hörst?
Schwierig. Es gibt nicht die eine Band oder den einen Musiker, von denen ich komplett alles höre. Es gibt aber eine Hand voll Lieblinge, Chet Faker und alt-J zum Beispiel, oder The Strokes und The Vaccines schon über Jahre hinweg.

Welche Musik magst du gar nicht und warum?
Ich bin voll kritisch. Manchmal vielleicht zu kritisch? Es gibt vieles, was ich absolut nicht mag: Metal, Country, Drum 'n' Bass, oder  einfach so richtig belanglose, austauschbare Musik – einfach, weil es sich für mich nicht gut anfühlt, zu laut, zu bunt, zu aufdringlich.

Was war deine erste eigene Platte – und wohin ging dein Musikgeschmack von da aus?
Ahhh, ich weiß es noch, ich weiß es noch ganz genau: "Teenage Dirtbag" von Wheatus, da war ich 9 Jahre alt. Geht ziemlich in Ordnung als erste Platte. Dann einmal die ganze Palette durch: Angefangen mit Bravo Hits. Klassiker! Danach wurde zu, ach Quatsch, was sag ich, danach wurde mit Christina Aguilera, Justin Timberlake und Destiny's Child wild gesungen und getanzt. Coolness-bedingt hörte ich dann Hip Hop, Rap, halt so Eminem und 50 Cent. Yo!
 
Mit 17 war ich das typische Indie-Mädchen (bin ich Jahre später noch immer, irgendwie), fing an, auf Konzerte und Festivals zu gehen. Der Soundtrack von "O.C., California" hat mich damals stark beeinflusst: Death Cab For Cutie, The Killers, Modest Mouse. Indie wurde dann Berlin-Mitte-mäßig um Elektro erweitert, hin zu Indie-Elektro. Von 2010 an war ich  jeden Sommer auf dem Hamburger MS Dockville Festival, das nur zu gut meinem jetzigen Musikkosmos entspricht. Da fühl ich mich irgendwie zu Hause. Diese Art von Musik bewegt mich und macht mich glücklich.

Gehst du gern auf Konzerte, und auf welche zuletzt?
Oh ja, sehr gern. Gute Konzerte machen mich so verdammt happy, dieses Gefühl ist unvergleichlich. Aber lieber die kleinen, familiären.  Ich steh' generell weniger auf Menschenmassen, Gedränge und so.
Nicht die letzten Konzerte, aber die, die noch lange nachwirkten, waren die Konzerte von Sóley + Sin Fang vorigen Sommer und das Konzert der Mighty Oaks im Herbst 2012. Woah, war ich verzaubert!

Wie entdeckst du neue Musik und was ist deine neueste Entdeckung?
Ich muss gestehen, ich bin eigentlich immer auf der Suche nach neuer, guter Musik. Über Plattformen wie Pitchfork, Noisey  oder Webradios wie detektor.fm, FluxFM und ByteFM entdecke ich meist neue Musik. Im Frühjahr, nicht mehr wirklich neu, aber meine Entdeckung 2014, habe ich Sylvan Esso entdeckt. Das Duo aus North Carolina kann was. So stark und zart zugleich.

Von diesen drei Kerlen wird man mit Sicherheit 2015 auch noch öfter was hören:
https://www.youtube.com/watch?v=KG9-jSqXz4U


Verrate uns einen guten Song zum...

.... Aufwachen:
https://www.youtube.com/watch?v=nDkkK-KHjks

... Tanzen:
http://vimeo.com/30676670

... Traurig sein:
http://vimeo.com/12340590

... Sport treiben:
https://www.youtube.com/watch?v=v2go1rt23B4

  • teilen
  • schließen